Ringvorlesung / Tagung

Eine Veranstaltung des Studienzweiges Kritische Geschlechter- und Sozialforschung am Institut für Erziehungswissenschaften und des Bereichs Gender Studies an der Universität Innsbruck

GENDER MAINSTREAMING. KRITISCHE REFLEXIONEN
 
Die Tagung / Ringvorlesung wird vom 12. bis 14. Juni 2003 stattfinden.
Hier finden Sie das Programm sowie den Ankündigungsfolder zum Herunterladen.
 
Ziel dieser Tagung / Ringvorlesung ist eine kritische Auseinander-setzung mit dem Prozess des Gender Mainstreamings auf allen gesellschaftlichen Ebenen und mit besonderem Blick auf die Universität.
 
Mit der Festlegung auf die Strategie des Gender Mainstreamings im Amsterdamer Vertrag sind die (Heraus)Forderungen der Frauenbewegung nach Gleichberechtigung und Gleichstellung nun endlich als Auftrag und Verpflichtung für alle Bereiche und Ebenen von Regierungshandeln vorgeschrieben worden. Dahinter stehende Ansprüche nach Gestaltung jeglicher Politik so, dass sie zu gleicher gesellschaftlicher Teilhabe von Frauen und Männern führt, gehen historisch weit in die Frauenbewegung zurück. Sie wurden im Abschlussdokument der Weltfrauenkonferenz in Beijing 1995 als zentraler Schwerpunkt der Forderungen formuliert. Damit soll integrierte Gleichstellungspolitik zu einer allumfassenden offiziellen Politiklinie der staatlichen Einrichtungen werden. Die staatliche Übernahme einer feministischen Überzeugung/Forderung/Idee liest sich als demokratischer Erfolg auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite bestehen jedoch Gefahren und viele Fragen sind offen:

  • Wie nachhaltig wirkt sich diese Festlegung im Primärrecht der EU in der politischen Realität aus - auf den verschiedenen Politikebenen, in den verschiedenen fachlichen Feldern der Politik?
  • Wie substanziell sind die Umsetzungsaktivitäten, die zu beobachten sind? Was sind die Voraussetzungen, um in Administrationen und Institutionen, z.B. einer Universität, Gender Mainstreaming wirkungsvoll zu implementieren?
  • Macht Gender Mainstreaming die Gleichstellungspolitik zu einer bloßen Frage von Techniken und Methoden (z.B. Gender-Checklisten und Evaluierungsverfahren), d.h. schwächt sie die politisch-inhaltliche Auseinandersetzung über Frauendiskriminierung und die Ziele von Geschlechterdemokratie?
  • Wird Gender Mainstreaming als die neue, "moderne" Form der Frauenpolitik propagiert, im Gegensatz zu angeblich traditionellen Frauengleichstellungspolitik? Werden von daher Frauenförderungsprogramme, Frauenprojekte, Quoten und Frauenbeauftragte für überflüssig erklärt und abgeschafft?
  • Führt Gender Mainstreaming zur der Vereinnahmung des Konzeptes von Geschlechtergleichstellung/ Geschlechterdemokratie durch staatspolitische Interessen?
  • Was ist die Rolle der Männer und der Stellenwert der Belange von Männern beim Konzept des Gender Mainstreaming, das ja - anders als die ausdrückliche Frauengleichstellungspolitik - beide Geschlechter in den Blick nehmen soll?
  • Wie vermittelt sich Genderkompetenz als Grundlage für die Umsetzung von Gender Mainstreaming und was ist die Rolle von Gender Studies dabei ?

    Die Frauen- und Geschlechterforschung hat mit ihren Ergebnissen die analytischen Grundlagen für diese Forderungen nach Gleichstellung gelegt und gesellschaftspolitische Grundfragen gestellt:
    Wie präsentiert sich das Geschlechterverhältnis heute auf allen politischen Ebenen und wie sehr ist die Gesellschaft in allen Bereichen "geschlechtsstrukturiert"?

Gender Mainstreaming heißt, alle Politiken und Maßnahmen vorab dahingehend zu überprüfen, welche möglichen unterschiedlichen Auswirkungen sie auf Frauen und Männer haben, um herauszufinden, ob und wie geschlechtsspezifische Ungleichheiten generiert und reproduziert werden. Bei der bisherigen Trennung in "allgemeine" und "frauenspezifische" Politiken und Maßnahmen wurde oft übersehen, dass die "allgemeine" Perspektive meist eine männliche war. Gender Mainstreaming bedeutet, eine geschlechtersensible Perspektive einzunehmen, damit geschlechtsspezifische Unterschiede und Strukturen sichtbar, in ihren Auswirkungen erkannt und damit veränderbar werden.