KRIEG. KUNST. KRISE

innsbruck university press 

ISBN 978-3-902719-63-8

Ausstellungskatalog Nr. 27                                            Image Katalog 27

Elio Krivdić

Innsbruck 2010

 

Das Ziel dieses Projektes war, eine Übersicht über die bildende Kunst und ihre Entwicklung zu geben in einem Land, das vor nicht allzu langer Zeit Teil eines viel größeres Staates war, das den Niedergang dieses Mutterstaates erleben musste, die eigene staatliche Unabhängigkeit durch einen Bürgerkrieg erlangte, selbst wieder geteilt wurde und seit der Beendigung dieses Krieges nicht so richtig zu sich selbst findet. Eines Landes, in dem eine permanente Krise sowohl politischen als auch ökonomischen Charakters herrscht. Eines Landes, dessen Bevölkerung an die Grenze der Armut und in Perspektivlosigkeit geführt wurde, in dem vieles nicht funktioniert und das, was noch funktioniert, funktioniert eben nur gerade noch. Es ist hier nicht die Absicht, die Gründe dafür zu suchen oder sie zu untersuchen und daraus irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen, weil das am Thema dieser Arbeit vorbeiführen würde. Dennoch ist eine Skizzierung der Situation im Land - sowohl der politisch-ökonomischen als auch der allgemein-gesellschaftlichen - notwendig, um ein Bild davon zu geben, unter welchen allgemeinen Bedingungen die Kunstszene dort lebt und Kunst entsteht. Schließlich schlagen sich das gesellschaftliche Klima eines jeden Landes, seine inneren Gegebenheiten, aber auch seine außenpolitischen Beziehungen in der Kunst und Kunstproduktion des jeweiligen Landes unvermeidlich nieder. Dort wo das nackte Überleben für eine große Mehrheit der Bevölkerung das Hauptanliegen und das tägliche Gesprächsthema ist, ist das Verständnis für die Kunst, sofern überhaupt vorhanden, zwingend ein anderes.

Da es hier um eine Darstellung des Querschnitts im Kunstschaffen innerhalb Bosnien-Herzegowinas in den letzten über vierzig Jahren geht, werden nur jene Ereignisse und jene Namen erwähnt, die im Rahmen dieser Kunstproduktion einen maßgebenden Einfluss ausgeübt und sich für ein moderneres, offeneres Kunstverständnis eingesetzt haben, sowie die, die für das Kunstschaffen im Land am charakteristischsten sind.

 Durch dieses Projekt und das Buch  soll die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in Bosnien-Herzegowina einer breiteren Öffentlichkeit näher gebracht werden und verdeutlichen, welche Auswirkungen der Krieg in Bosnien-Herzegowina während der 1990er Jahre auf diese Entwicklung hatte.

Daraus ist die Ausstellung KRIEG.KUNST.KRISE entstanden, zu der Künstler eingeladen wurden, die alle auf ihre Weise von den Ereignissen betroffen waren.

Besonders wichtig war in diesem Zusammenhang, dass in dieser Ausstellung Künstler aus beiden Teilen des geteilten Landes anwesend sind und so die Teilung, die von den derzeitigen Machthabern in Bosnien-Herzegowina forciert und für eigene Zwecke genützt wird, zumindest im Bereich der Kunst überwunden wird.

Die teilnehmenden Künstler bei dieser Ausstellung sind: Gordana Andjelić-Galić, Jusuf Hadžifejzović, Radenko Milak, Mladen Miljanović, Edin Numankadić, Iva Simčić und Veso Sovilj.

Ein Teil der Arbeiten beschäftigt sich mit den spezifischen Umständen in Bosnien-Herzegowina – Gordana Andjelić-Galić und Radenko Milak thematisieren die Last der Geschichte, Edin Numankadić die Situation im belagerten Sarajevo, Veso Sovilj die Kriegsfolgen in Form von immer neuen Grenzen, Mladen Miljanović seine Transformation vom Soldaten zum Künstler, während sich Jusuf Hadžifejzović in seinem Innsbruck-Depot der großen Frage nach der Bedeutung von Gegenständen zuwendet und Iva Simčić das Phänomen der zunehmenden Überlagerung der realen durch die virtuelle Welt in unserer Zeit auslotet.