ZYKLUS AUGUSTEISCHER PORTRÄTS AUS DER INSULA II VON VELIA
 
Caius Caesar
Inv. I/507

Marina di Ascea, Depot Inv.Nr. 17454.

Höhe: 28 cm
weißer Marmor

Der Kopf eines etwa Fünfzehnjährigen zeigt besonders in der Gestaltung der Frisur so auffallende Ähnlichkeit zu den Porträts des Augustus, daß der Dargestellte jedenfalls im engsten Umkreis des Kaisers zu suchen sein wird. Die Tatsache, daß er in vieler Hinsicht ähnlich, aber deutlich älter als der folgende Kopf wirkt, und der Vergleich mit anderen Porträts legen nahe, in ihm den älteren der beiden von Augustus zur Nachfolge ausersehenen Enkel, Caius Caesar (20 v. - 4 n. Chr.), zu sehen.

F. Krinzinger, Das Bildnis des "jugendlichen Augustus" von Velia, AA 1976, 91-101.- Fabbri - Trotta 79-81 Taf. XXIX-XXX.

Lucius Caesar?
Inv.Nr. I/513

Marina di Ascea, Depot Inv.Nr. 45650

Höhe: 29,6 cm
weißer Marmor

Wenngleich durch die sehr viel schlechtere Erhaltung dieses Kopfes getrübt, sind die Ähnlichkeiten mit dem vorhergehenden (und damit auch mit dem Augustus-Porträt) nicht zu übersehen. Der Gesamtkontext der Porträts hat dazu geführt, im hier Dargestellten den drei Jahre jüngeren Bruder des Caius Caesar, Lucius Caesar (+ 2 n. Chr.), zu sehen.

Fabbri - Trotta 81-83 Taf. XXXI-XXXII.

Agrippa Postumus?
Inv.Nr. I/510

Marina di Ascea, Depot Inv.Nr. 43672

Höhe: 29,6 cm
weißer Marmor

Auch bei diesem Knaben, der jünger als die beiden vorhergehenden wirkt, sind Ähn-lichkeiten zur Familie des Augustus zu sehen, doch weniger auffallend, was zusammen mit dem Altersverhältnis zum Vorschlag geführt hat, hier Agrippa Postumus (12 v. - 14 n. Chr.), den dritten Enkel des Augustus zu sehen, der ihn knapp überlebt hätte, aber seit 8 n. Chr. verbannt war. Daß er zum Zeitpunkt, da die Porträts entstanden sein dürften, von Augustus nicht adoptiert war, könnte bewirkt haben, daß die Bildnisangleichung geringer war.

Fabbri - Trotta 83f. Taf. XXXIII-XXXIV.

Marcellus?
Inv.Nr. I/508

Marina di Ascea, Depot Inv.Nr. 17486 (3994)

Höhe: 33 cm
weißer Marmor

Bei Prüfung der Frage, wer um das Jahr 5 v. Chr. noch für den Porträt-Zyklus in Frage gekommen wäre und nicht nachweislich ganz anders ausgesehen hat, bleiben nur zwei Personen: Augustus selbst und sein sehr geschätzter, allerdings schon 23 v.Chr. verstorbener Neffe Marcellus. 

Physiognomische Ähnlichkeiten zu wahrscheinlichen Bildnissen desselben sind zwar vorhanden, doch bleibt die Frage offen, warum er fast 20 Jahre nach seinem Tod noch in den Porträtzyklus aufgenommen worden sein sollte. (Daß es sich allerdings um das im Zyklus jedenfalls zu postulierende Porträt des Augustus handle, scheint doch auszuschließen.)

Fabbri - Trotta 87f. Taf. XXXIX-XL.

Livia
Inv.Nr. I/509

Marina di Ascea, Depot Inv.Nr. 17426

Höhe: 38 cm
weißer Marmor

Vergleiche mit anderen Frauenporträts augusteischer Zeit legen hier die Identifikation mit Livia, der Frau des Augustus, nahe: vor allem der Gesichtsschnitt und die charakteristische Haarwelle über der Stirn kennzeichnen sie. Festzustellen ist, daß Livia (58 v. - 29 n. Chr.) im Unterschied zu den Augustus-Enkeln, die jeweils etwa in ihrem Alter 5 v. Chr. dargestellt sind, stark verjüngt bzw. alterlos dargestellt ist, so, wie es auch bei den Porträts des Augustus selbst der Fall zu sein pflegt.

Fabbri - Trotta 85ff. Taf. XXXVII-XXXVIII.

Octavia Minor?
Inv.Nr. I/514

Marina di Ascea, Depot Inv.Nr. 43512

Höhe: 31 cm
weißer Marmor

Die Frisur, v.a. die gegenüber Livia verkleinerte Stirnlocke, und der Kontext des Porträtzyklus legen für diese Frau von deutlich höherem Alter die Identifikation mit Octavia (Minor), der älteren Schwester des Augustus und Großmutter des nachmaligen Kaisers Claudius, nahe. Die Tatsache, daß sie eigentlich erst dadurch genealogische Bedeutung gewann, könnte dafür sprechen, daß ihr Bild (wie die im Abguß nicht vorhandenen von Antonia Minor und Agrippina Minor) erst in claudischer Zeit dem Zyklus beigefügt wurde.

Fabbri - Trotta 88ff. Taf. XLI-XLII.

Julia Minor?
Inv.Nr. I/506

Marina di Ascea, Depot Inv.Nr. 45652

Höhe: 18,6 cm
weißer Marmor

Dieser Kopf einer jungen Frau muß zu den Porträts aus der kaiserlichen Familie gehören, weist auch einige physiognomische Ähnlichkeiten auf, doch fehlen gute Vergleiche im reichen Bestand augusteischer Porträts. Der Grund könnte in der Familiengeschichte zu suchen sein: Julia (19 v. - 28 n. Chr.), die älteste Enkelin des Augustus, um die es sich nach dem Kontext handeln könnte, wurde bereits 8 n. Chr. verbannt und wohl entsprechend seltener porträtiert.

Fabbri - Trotta 84f. Taf. XXXV-XXXVI.

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Texte: Elisabeth Walde, Dietrich Feil; Photos: Jörg Moser; Gestaltung: Dietrich Feil;
© Institut für Archäologien / Klassische und Provinzialrömische Archäologie, Universität Innsbruck, 2003
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