MITHRASSTEIN VON STERZING

Inv.Nr. I/654

Sterzing, Hof des Rathauses

FO: unsicher, wohl aus der Gegend von Mauls

Höhe: 1,20 m

heller Kalkstein

Der Mithrasstein von Sterzing, das bedeutendste Monument dieses im Römischen Reich weitverbreiteten Kultes aus Tirol, reiht sich in den Zusammenhang der von Norditalien und Noricum bis Germanien und Gallien verbreiteten großformatigen Reliefs mit Darstellung der Stiertötung in der Mitte und flankierenden Leisten mit kleinen Reliefbildchen, welche weitere Szenen der Mithraslegende zeigen, ein. Auch hier ist im Zentrum Mithras zu sehen, der den Stier tötet, flankiert von Cautes mit erhobener und Cautopates mit gesenkter Fackel. Zum sterbenden Stier kommen Hund, Schlange und Skorpion. Oben wird das in einer Höhle oder in felsigem Gelände spielende Geschehen von Sol und Luna flankiert, wobei von der Seite des Sol ein Rabe und ein besonders langer Sonnenstrahl zu Mithras kommen. Ganz oben findet sich, von Bäumen und laufenden Tieren flankiert, eine tabula ansata, die ebenso wie die am unteren Rand eine restlos verlorene Inschrift getragen haben dürfte.

Die flankierenden Bildstreifen zeigen links (von oben): Juppiter im Kampf gegen die Giganten; Saturn gelagert; Felsgeburt des Mithras; Mithras mähend (?); kniender Mithras/Atlas; stiertragender Mithras; zerstörtes Feld; rechts (von unten): stiertragender Mithras; Mithras auf einem Felsen sitzend und zwei weitere Gestalten; Mithras und der vor ihm kniende Sol; Mithras und Sol reichen sich die Hände; Mithras besteigt die Quadriga Sols; Mahl von Mithras und Sol.

Der Versuch einer Bemalung des Reliefs stützt sich vor allem auf die gut erhaltenen Fresken der Mithräen von Marino und S. Maria Capua Vetere.

Literaturhinweise:

M.J. Vermaseren, Corpus inscriptionum et monumentorum religionis Mithriacae II (1960) 148ff. Nr. 1400 Abb. 360.- R. Merkelbach, Mithras (1984) 368f. Abb. 132.- R. Vollkommer, s.v. Mithras, LIMC VI (1992) Nr. 156 Abb.

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Texte: Elisabeth Walde, Dietrich Feil; Photos: Jörg Moser; Gestaltung: Dietrich Feil;
© Institut für Archäologien / Klassische und Provinzialrömische Archäologie, Universität Innsbruck, 2003
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