Erfolgreiche Wege zum Markt

„Taking Biotech To The Next Level“ war das Motto des „Life Science Cir-cle”, der letzten Donnerstag im Life Science Center in Innsbruck stattfand. Ziel der Veranstaltung war es, dem Publikum „Insiderwissen“ aus erfolg-reichen, österreichischen Life Science-Unternehmen zu vermitteln. Den Gästen wurden wertvolle Anregungen für die eigene Arbeit gegeben.
Die DiskutantInnen beim Life Science Circle in Innsbruck v.l.: Dr. Martin Spatz (Life Science Austria), Dr. Gerda Redl (igeneon AG), Dr. Reinhard Kandera (Intercell AG), Dr. Ingrid Hochmair-Desoyer (MED-EL GmbH)
Bild: Die DiskutantInnen beim Life Science Circle in Innsbruck v.l.: Dr. Martin Spatz (Life Science Austria), Dr. Gerda Redl (igeneon AG), Dr. Reinhard Kandera (Intercell AG), Dr. Ingrid Hochmair-Desoyer (MED-EL GmbH)

Als Referenten konnten prominente Vertreter der Firmen Intercell, igeneon und MED-EL gewonnen werden. Mit der Auswahl der referierenden Unternehmen konnte für die Zuhörer gleichzeitig ein möglichst breites Spektrum der Life Sciences – von der Arzneimittelentwicklung bis hin zur Medizintechnik – abgedeckt werden. Der Innsbrucker „Life Science Circle“ war mit über 50 Gästen ausgezeichnet besucht.

 

Erfolgreicher Gang an die Börse

Dr. Reinhard Kandera, Head of Finance and Investors Relation des Wiener Impfstofferzeugers Intercell AG („smart vaccines“) schilderte den beeindruckenden Werdegang der Intercell in punkto Finanzierung. Seit Gründung der Intercell als akademisches Spin-off im Jahr 1998 gelang es dem Unternehmen, insgesamt EUR 150 Mio. einzuwerben. Dazu wählte es den Weg über mehrere Venture Kapital-Runden und den erfolgreichen Gang an die Wiener Börse im heurigen Frühjahr. Grundlage dieses Erfolges waren für Dr. Kandera Flexibilität, ständige Adaption der Businesspläne und die frühe Einbindung wichtiger, industrieller Partner. Dr. Kandera berichtete weiters, dass die Gründer von Anfang großen Wert darauf gelegt hatten, im Unternehmen ein professionelles, auf pharmazeutische Entwicklung ausgerichtetes Umfeld aufzubauen. Man entschied sich für den Aufbau einer eigenen Arzneimittelproduktion und ebenso für die Einlizenzierung eines Impfstoffes, der nicht aus der eigenen Entwicklung stammte. Beides hätte sich im Nachhinein als richtig erwiesen.

 

Exklusive Lizenzen als Erfolgsrezept

Dr. Gerda Redl, Head of Business Development, der auf innovative Krebstherapie spezialisierten igeneon GmbH, wies auf die enorme Bedeutung der „due diligence“ hin. Diese sei sowohl im Umgang mit industriellen Partnern als auch mit Risikokapitalgebern unumgänglich. Für jedes Biotech-Start up seien vollständige Aufzeichnungen von Anfang ein unabdingbares „Muss“. Frau Dr. Redl betonte weiters die Wichtigkeit klarer, möglichst früh abgeschlossener Lizenzverträge. Igeneon hält für eines in ihrer Entwicklung befindlichen Produkte eine exklusive, weltweite Lizenz. Nicht zuletzt aus diesem Grund konnte das Unternehmen in diesem Frühjahr einen „Codevelopment“-Vertrag mit Celltrion, einem der größten Arzneimittelhersteller Asiens, erfolgreich abschließen.

 

Sprung in kalte Wasser zahlte sich aus

Vom kometenhaften Aufstieg ihres Innsbrucker Unternehmens MED-EL berichtete Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer als geschäftsführende Gesellschafterin und Gründerin. Die MED-EL GmbH ist auf die Entwicklung und Herstellung von Cochlea-Implantaten für Hörbehinderte spezialisiert und vertreibt ihre Produkte erfolgreich selbst. Dazu bedient sich das Unternehmen mittlerweile bereits 70 eigener Niederlassungen und Vertriebsbüros weltweit; unter anderem auch in den USA, dem wichtigsten Markt für Arzneimittel und Medizintechnikprodukte.

 

Für die studierte Elektrotechnikerin war die Gründung des Unternehmens im Jahr 1989 „direkt von der Uni weg“ ein „Sprung ins kalte Wasser“. Auf Grund des enormen Potentials der von ihr entwickelten, neuartigen Implantate für Hörbehinderte war dieser Sprung für Frau Hochmair aber unvermeidbar. Sie betonte, dass ihr Unternehmen im Unterschied zu jenen der Vorredner nie auf Risikokapital angewiesen war. Die MED-EL konnte stets aus eigenen Mitteln wachsen. Frau Hochmair schätzte dabei aber auch ihren Finanzbedarf niedriger ein als jenen der Intercell und igeneon. Die geschickte Akquisition einer Silicon Valley Firma trug weiters Wertvolles zum stetigen Unternehmenserfolg bei. Zur kontinuierlichen Steigerung des Unternehmenswachstums ist für Frau Hochmair nun vor allem die Indikationsausweitung des Produkt-Portfolios wichtig.

 

Fazit

„Selbstsicherheit, Unerschrockenheit, erstklassiges Management und eine solide technologische Basis, sowie die Fähigkeit, sich und sein Unternehmen jederzeit und in jeder Situation kurz und klar präsentieren zu können“ seien die wichtigsten Voraussetzungen für das erfolgreiche Wachstum junger Biotech-Unternehmen, waren sich die Referenten abschließend einig.

 

Das Publikum zeigte sich von den Vorträgen beeindruckt. Viele TeilnehmerInnen nutzten das anschließende Buffet für einen privaten Erfahrungsaustausch mit den ReferentInnen.

 

Der „Life Science Circle, Innsbruck“ ist eine gemeinsame Veranstaltung des akademischen Gründerzentrums CAST in Innsbruck und des Schwerpunktprogramms LISA - Life Science Austria - der Förderbank Austria Wirtschaftsservice. Zielsetzung ist die Life Science Community in Tirol regelmäßig zu aktuellen Themen zu informieren sowohl Erfahrungsaustausch als auch Netzwerkbildung innerhalb der Tiroler Community zu stärken.