EUREGIO hat sich in der Krise gut gehalten

Die Finanzkrise hinterlässt tiefe Einschnitte in den Volkswirtschaften der EU. Die drei Teile der Europaregion sind bisher sehr gut durch die Krise gekommen. Warum das so ist und ob das so bleibt wurde vom EUROBS, eine durch die Bank für Trient und Bozen gesponserte Zusammenarbeit zwischen den Universitäten Trient, Bozen und Innsbruck untersucht.
Dr. Christoph Hauser vom Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte präsentierte gemeinsam mit seinen Kollegen von den Universitäten Bozen und Trient die Ergebnisse der Studie.
Bild: Dr. Christoph Hauser vom Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte präsentierte gemeinsam mit seinen Kollegen von den Universitäten Bozen und Trient die Ergebnisse der Studie.

Die drei Regionen befanden sich am Beginn der Krise 2007 in einer komfortablen Ausgangsposition: Sowohl das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als auch das Beschäftigungsniveau zählte zu den besten Werten unter allen europäischen Regionen. Auch die „Krisenresistenz“ hat sich als hoch erwiesen. Besonders der Arbeitsmarkt wurde durch die Krise weit weniger getroffen als in anderen Gebieten. Der Anstieg der Arbeitslosenquote im Jahr 2009 war in keiner der drei Teilregionen größer als +0,5%. Auf nationalstaatlicher Ebene war dieser Anstieg ca. doppelt so hoch (Italien: +1,1%, Österreich: +0,9%), während im gesamteuropäischen Umfeld ein fast viermal so großer Zuwachs (EU27: +1,9%) verzeichnet wurde.

 

Diese hohe Stabilität geht außer auf die Konjunkturprogramme der lokalen Regierungen auch auf die spezifische Struktur des Bankwesens in den drei Regionen zurück. Dieses wird überwiegend von lokalen Finanzinstitutionen mit geringer internationaler Abhängigkeit dominiert. Auch die schwächere Exportintensität der Regionen – in Wachstumsphasen ein Nachteil – wirkt sich in der Krise als Puffer gegen den internationalen Nachfragerückgang aus. Tirol weist hier für 2008 zwar einen Exportanteil (32%) am Bruttoinlandsprodukt aus der wesentlich höher ist als in der Provinz Bozen (19%) und Trient (18%), jedoch sind alle diese Quoten niedriger als auf nationalstaatlicher Ebene. Auch die Rückgänge der Exporte waren in den drei Teilregionen (Bozen: -14,6%, Trient: - 19.6%, Tirol: -13,1%) geringer als in Österreich (-19%) oder Italien (-21,4%).

 

Auf sektoraler Ebene ergeben sich hier deutliche Unterschiede: Bozen profitiert vom Schwerpunkt auf landwirtschaftliche Produkte, die mit einer Abnahme von -10% eher unterdurchschnittlich gefallen sind. Die relativ ausgeprägten Exportrückgänge in Trient sind vor allem auf den Sektor Maschinenbau zurück zu führen, die Einbußen von -35% in Kauf nehmen mussten. Der geringe Exportrückgang in Tirol wird durch die ausgeglichene Exportstruktur bedingt mit Präsenz von Sektoren wie Erzeugung von Pharmazeutischen Produkten die einen Zuwachs von 9% verzeichnen konnten.

EUROBS – Observatorium der Euregio

Die „Exporte“ durch den Fremdenverkehr haben sich als echter Stabilisator erwiesen. Die Anzahl der Nächtigungen ging nur im Bundesland Tirol leicht zurück (-1,9%), während in den Provinzen Bozen und Trient die Nächtigungen sogar anstiegen (+1,3% und +2,4%). Bei dem Anteil an der Wertschöpfung dieses Sektors ist dies ein starker Effekt.

 

Somit konnte die sehr gute Ausgangsposition der drei Regionen weitgehend beibehalten werden. Insbesondere waren die Effekte auf den Arbeitsmarkt eher moderat. Als Puffer für die Krisen-Absorption haben sich einerseits die eher konservative Bankenstruktur sowie die begrenzte Anbindung an die Weltwirtschaft erwiesen. Insbesondere der Tourismus konnte unterstützt durch die steuerpolitischen Maßnahmen der öffentlichen Haushalte erheblich zur Stabilisierung der Nachfrage beitragen. Mittel- bis langfristig kann sich der kleinstrukturierte Bankensektor bedingt durch mangelnde Skaleneffekte und begrenztem Zugang zu Risikokapital als problematisch für das Wirtschaftswachstum auswirken. Auch sind die geringen bis mittleren Exportintensitäten der drei Regionen im internationalen Aufschwung eine Hürde für die lokale Entwicklung. Langfristig können die begrenzten Exportaktivitäten der Firmen sich hier als negativ für das Produktivitätswachstum herausstellen, da die Konkurrenzsituation mit internationalen Unternehmen Innovationsdruck erzeugt.

(ip)

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