Doppelter Erfolg bei adventure X

Auch heuer darf sich die Universität Innsbruck wieder über Top-Platzierungen beim Businessplan-Wettbewerb adventure X freuen: Der erste Platz für eine einzigartige Methode zur Herstellung von Querflötenköpfen und der dritte Platz für eine E-Learning Trainingsanwendung, die (Lern-) Inhalte via Handy vermittelt, sind die erfolgreiche Bilanz.
Die SiegerInner des heurigen Businessplan-Wettbewerbs adventure X
Bild: Die SiegerInner des heurigen Businessplan-Wettbewerbs adventure X

Die Sieger des Businessplanwettbewerbs adventure X 2008 stehen fest: Der Gewinner ist Dr. Michael Jäger, dem es im Rahmen seines Projekts „MJ Flute Headjoints“, gemeinsam mit dem Institut für Experimentalphysik gelungen ist,  weltweit bisher einzigartig, Köpfe für Querflöten exakt gleichwertig herzustellen, vor dem Osttiroler Team Ortner Kofler GmbH & Co KG für deren neue Methode der Fassadengestaltung mit Holzschindeln. Der dritte Platz geht an das Team „Yocomo“, von der Erziehungswissenschaft für eine innovative E-Learning Anwendung.

 

Der Flöte die Töne beibringen

Jeder Querflötenkopf klingt anders. Das liegt daran, dass diese bisher sehr aufwendig in Handarbeit hergestellt wurden. Verliert nun ein Musiker diesen Querflötenkopf oder geht er kaputt, dann heißt das vielfach lange zusätzliches Training, um wieder exakt den richtigen Ton zu treffen. Ebenso schwer ist es daher, in einem Orchester einen sauberen Gleichklang der Querflöten zu erreichen. Hier setzt die Idee von Mag. Dr. Michael Jäger, einem ausgebildeten Querflötisten an: „Ich habe mich gefragt, ob es möglich ist, die Performance von Querflöten objektiv auszumessen. Daher habe ich mich an Prof. Rainer Blatt vom Institut für Experimentalphysik gewendet und dort eine Dissertation begonnen. Für mich als akademisch ausgebildeten Musiker war das eine große Herausforderung“, erklärte Michael Jäger. Im Rahmen des Projekts „JM-Flute Headjoints“ hat er für die Messung der akustischen Eigenschaften von Querflötenköpfen eine weltweit einzigartige Methode aus dem Bereich der Quantenphysik verwendet. Dabei können Oberflächenvibrationen von Querflötenköpfen vermessen und ausgeforscht werden. Diese Messdaten können nun dafür eingesetzt werden, um Köpfe für Querflöten in beispielloser Präzision reproduzierbar herzustellen. Die Folgekosten für die Entwicklung bestmöglich passender Kopfstücke, deren Anpassung und Vermarktung werden sich aufgrund der innovativen Fertigungstechnik deutlich reduzieren. So können nicht nur passende Einzelstücke mit höchster Güte, sondern auch Querflötenköpfe für Schülerquerflöten in Massenproduktion hergestellt werden. Ein weiterer interessanter Aspekt ist dabei, dass diese Methode nicht auf Querflöten beschränkt ist, sondern auch bei allen anderen Musikinstrumentgruppen systematisch wie auch material- und produktionsabhängig eingesetzt werden kann.

 

Mit dem Handy lernen

Der dritte Preis ging an das Team „Yocomo“, an dem der Erziehungswissenschaftler Prof. Theo Hug beteiligt ist. Geschäftsidee von Yocomo ist es, eine entsprechende, von ihnen entwickelte Softwarelösung zu vermarkten, die es ermöglicht, via Handy Lerninhalte zu vermitteln. Die künftigen Nutzer und Nutzerinnen können sich über das Internet bestimmte Lernmodule auf ihr Handy laden und in der Folge diese so lange üben, bis der Stoff verstanden und gelernt ist. Derzeit gibt es verschieden Lösungen zum Spracherwerb, aber grundsätzlich lässt sich über dieses Modul nahezu jeder Lerninhalt nachhaltig, effizient, intuitiv und ortsunabhängig vermitteln. Das mögliche Angebot ist dabei grundsätzlich sehr breit. Es können klassische Sprachkurse sein, das Modell bietet aber auch Firmen die Möglichkeit spezifische Lern- und Weiterbildungsangebote an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu vermitteln. Auch das Zustandekommen der Lerninhalte ist verschieden. Einerseits kann der Stoff klassisch ohne Interaktion mit dem Trainer oder der Trainerin vermittelt werden, es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Lerngruppe interaktiv Inhalte ergänzt oder weiterentwickelt. „Im deutschsprachigen Raum gibt es bisher keinen Anbieter, für unsere Lösung des E-Learning und auch in Großbritannien, wo es über 5.000 Anbieter und Lösungen gibt, wird derzeit eine Lösung über das Mobiltelefon angeboten. Wir hoffen daher, dass wir mit unserer Idee auch auf dem Markt erfolgreich sein werden“, betont Theo Huck.

Unter den verblieben 10 Projekten die im Rahmen der Preisverleihung vorgestellt wurden war noch ein weiteres Projekt, das von Wissenschaftlern der Uni Innsbruck entwickelt wurde. Mit ihrem „Bio4Gas“, einem neuen und zukunftsweisenden Konzept, Wärme aus Gülle herzustellen, erhielten Doz. Heribert Insam und Dr. Bernhard Wett einen Anerkennungspreis.

 

Der Weg zu innovativen Geschäftsideen

Der von der Tiroler Zukunftsstiftung und CAST – Center for Academic Spin-offs Tyrol initiierte Businessplanwettbewerb startete im Jänner 2008 und gliederte sich in drei Phasen. 106 Teams mit 180 TeilnehmerInnen waren insgesamt am Start.  Über 50 Coaches haben die TeilnehmerInnen bei der Erstellung von detaillierten Businessplänen unterstützt. Dabei haben die angehenden JungunternehmerInnen die wirtschaftliche Umsetzung ihrer Geschäftsideen beschrieben. In Zusammenarbeit mit CAST und den Partnern Hypo Tirol Bank AG, PRISMA AG, dem Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG Austria GmbH sowie mit Unterstützung der Wirtschaftskammer Tirol und des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung ist der Businessplanwettbewerb adventure X einer der erfolgreichsten in Österreich. „Die Bandbreite der eingereichten Businesspläne lässt auch heuer keinen Zweifel daran, dass es in Tirol ein großes Potential an innovativen Geschäftsideen gibt. Besonders freut mich natürlich, dass wieder zahlreiche Ideen aus dem technischen und universitären Bereich dabei sind. Diese verdeutlichen wichtige Stärken unseres Wirtschaftsstandortes: hochwertige Forschungsstätten, die mit Kompetenzzentren und in Clustern auch direkt an Unternehmen und Märkte anknüpfen, “ hob Landesrat Mag. Hannes Bodner bei der Preisverleihung im Congresspark Igls hervor. In diesem Zusammenhang dankte er auch Forschungsvizerektor Prof. Tilmann Märk für das regelmäßige Engagement der Universität Innsbruck und gratulierte ihm zum Erfolg der Teams mit universitärer Beteiligung.

 

Unterstützung auf dem Weg in die Selbständigkeit

Der Businessplanwettbewerb adventure X findet heuer bereits zum achten Mal statt. Die Ausarbeitung eines detaillierten Geschäftskonzeptes stellt ein wichtiges Grundgerüst auf dem Weg Richtung Selbständigkeit dar. Alle Teams erhalten in der zweiten und dritten Phase eine Expertise von einem Gutachterteam, welches Hilfestellung zur Weiterentwicklung gibt. Das ideale Geschäftskonzept enthält die Beschreibung des Produkts, das geplante Marketing, die benötigte Finanzierung sowie einen Umsetzungsplan. Gerade diese Punkte müssen in der Realisierungsphase besonders beleuchtet werden. Ein kleines Zuckerl für die Teams sind die Preisgelder in der Höhe von gesamt über 45.000,- Euro. „Mit adventure X können TeilnehmerInnen die Gründung des eigenen Unternehmens oder auch die Erschließung eines neuen Geschäftsfeldes realistisch planen. Die Tiroler Zukunftsstiftung und CAST betreuen die Teams natürlich auch noch bis zur Anfangsphase der Gründung weiter, “ erklärt Dr. Harald Gohm, Geschäftsführer der Tiroler Zukunftsstiftung. Die Siegerschecks im Wert von 12.000, 10.000 und 8.000 Euro wurden von LR Mag. Hannes Bodner, sowie Mag. Horst Wallner, Direktor der Wirtschaftskammer Tirol und Mag. (FH) Mario Zangerl, Hypo Tirol Bank AG, überreicht.

(us)