ALUMNI Emeriti zur aktuellen Wirtschaftssituation

Die US-Immobilien-Finanzkrise hat wenig Auswirkungen auf Tiroler Häuslbauer und österreichische Banken, es besteht aber immer noch die Gefahr von globalen Bank-Krisen. Zu diesen Schlüssen kam eine Diskussion, die von den ALUMNI Service der Universität auf Anregung von emeritierten Professoren veranstaltet wurde.
Symbolbild [Foto: pixelio.de]
Bild: Symbolbild [Foto: pixelio.de]

Der Obmann der Sparte Banken und Versicherung der Wirtschaftskammer, Dr.Gerhard Schwaiger, berichtete, dass zwar die Zinssätze für Kredite etwas gestiegen sind, aber auch  bei den Fremdwährungskrediten in Schweizer Franken keine Probleme entstanden sind. Die österreichischen Banken waren bei der Kreditvergabe vorsichtiger als die amerikanischen, die mit aggressiven Marketing-Methoden Kredite vergaben, die nach der Zinserhöhung die Kreditnehmer überforderten. Die Krise verbreiterte sich dann weltweit, weil die „faulen“ Kredite von eigenen „Zweckgesellschaften“ gebündelt und an andere Banken verkauft wurden. Als dann die Zinszahlungen ausfielen, mussten die Banken die Ausfälle den Zweckgesellschaften ersetzen und durch den Kursfall der von den Gesellschaften ausgegebenen Wertpapiere kamen Banken in vielen Ländern in Probleme. Die österreichischen Banken haben sich jedoch wegen der für sie nahe liegenden lukrativen Ost-Finanzmärkte nur ganz wenig in diesen Krediten und Wertpapieren engagiert.

   

Ob die Gefahr einer globalen Krise von gesamten Bankensystemen überwunden ist und nur noch einzelne Banken in Schwierigkeiten kommen werden, wurde in der Diskussion zwischen den drei teilnehmenden Professoren unterschiedlich beurteilt. Der Professor für Banken und Finanzierung, Matthias Bank sah Anzeichen für eine bevorstehende Bankenkrise, während der Professor für Politische Ökonomie Karl Socher, keine Gefahr für die  Bankensysteme sieht. Die Bankenaufsicht, die Notenbank-Finanzierung und Einlagensicherung könnten das Bankensystem  stabilisieren. Die Immobilien-Finanzkrise wird jedoch -  darüber waren sich alle Teilnehmer einig – auch Auswirkungen auf die Konjunkturentwicklung haben, insbesondere auf die Bauwirtschaft. Allerdings gingen auch hier die Ansichten auseinander, ob das nur eine „normale Abschwächung im Konjunkturzyklus bewirkt oder eine Rezession zur Folge haben wird.  Andererseits warnte  Prof. Bank  vor inflationistischen Folgen der großen Liquiditäts-Zufuhr durch die amerikanischen und  europäischen Notenbanken, die 200 Mrd. $ zur Stützung der Banken geschaffen haben.

   

Die Frage, wer an der Krise schuld sei, ließ sich nicht beantworten. Einig waren sich aber alle darüber, dass Maßnahmen für die Verhinderung solcher Finanzkrisen wie eine Verbesserung der Transparenz der Kreditvergabe, die Verhinderung von Interessenkonflikten innerhalb von Rating-Agenturen (die die von ihnen geschaffenen Produkte selbst bewerteten), und eine Verschärfung von Vorschriften von Basel II notwendig sind. Die Banken hatten nämlich die Kreditzusagen an die Zweckgesellschaften nicht, wie es eigentlich nach Basel II notwendig gewesen wäre, mit Eigenkapital abgesichert. Abschließend warnte dann allerdings Prof. Christian Smekal, dass eine Verschärfung der Aufsichtsregeln nach jeder Krise zu einer immer stärkeren Regulierung der Banken Anlass geben könnte. Man sollte besser nach Maßnahmen suchen, um das Entstehen der Krisen zu verhindern. Das wäre vor allem durch eine bessere Geldpolitik möglich, die auf die Erkenntnisse der „Österreichischen Schule der Nationalökonomie“ achten sollte, meinte Prof. Socher. Denn die Immobilienfinanz-Krise wurde letztlich durch ein zu spätes Eingreifen des früheren amerikanischen Notenbank-Präsidenten Alan Greenspan ausgelöst.

 

Text: Karl Socher/ bearbeitet von Susanne Röck