Fakultät für Bauingenieurwissenschaften informierte die Fachwelt

Am 7.11 wurde vom Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖAWV) das Regelblatt 19 zur Bemessung von Mischwasserentlastungen im Rahmen eines Seminars an der Fakultät für Bauingenieurwissenschaften der Fachwelt vorgestellt.
Prof. Rauch (Universität Innsbruck), VR Prof. Kainz (TU Graz), Dr. Lehner (ÖWAV)
Bild: v.l.: Prof. Rauch (Universität Innsbruck), VR Prof. Kainz (TU Graz), Dr. Lehner (ÖWAV)

Die Veranstaltung wurde von Prof. Wolfgang Rauch, Arbeitsbereich Umwelttechnik, gemeinsam mit Dr. Robert Fenz vom Lebensministerium geleitet. 150 Teilnehmer dokumentierten das starke Interesse der Fachwelt an dieser Veranstaltung. In  anschließende  Workshops  präsentierte der Arbeitsbereich Umwelttechnik den Interessierten die Vorgangsweise mit Softwareprodukten der universitären Spin-off Firma hydro-IT GmbH.

 

Bei Regenwetter wird ein großer Teil des Niederschlagabflusses über die Kanalisation aus dem Stadtgebiet abgeleitet. Dabei wird das Regenwasser mit dem bestehenden Abfluss im Kanal zu einem sogenannten Mischwasserabfluss vermischt. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen werden in Kanalisationen Entlastungsbauwerke angeordnet, durch die ein Teil dieses Abflusses direkt in das Gewässer entlastet wird. Dadurch können aber teilweise hohe Schmutzfrachten ins Gewässer eingetragen und dieses dadurch geschädigt werden. 

 

Das Regelblatt 19 des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband stellt hierzu Bemessungsrichtlinien zur Reduktion und Behandlung dieser Entlastung vor. Primäres Ziel ist dabei die Reduktion der Gewässerbeeinträchtigung auf ein verträgliches Ausmaß. Den Betreibern der Kanalisation – üblicherweise Gemeinde - entstehen dadurch aber  signifikante Kosten. Die Erarbeitung eines diesbezüglichen Regelwerkes soll ein möglichst optimales Kosten-Nutzen Verhältnis sicherstellen.

 

Im anschließenden Workshop stellten zahlreiche Referenten aus dem In- und Ausland die verschiedenen Aspekte des Problems dar. Der Vergleich mit Bemessungsregeln aus der Schweiz und Deutschland zeigt, dass die neue Vorgangsweise nach dem gegenständlichen Regelwerk einen modernen und zukunftweisenden Ansatz darstellt. Für die Fachwelt wird es dadurch erstmals notwendig, das Verhalten von Entwässerungssystemen durch Softwarewerkzeuge zu simulieren.

 

Am 8.11 fand ein weiterer Workshop zur praktischen Bemessung nach diesen neuen Richtlinien statt. Dabei präsentierte der Arbeitsbereich Umwelttechnik die Vorgangsweise anhand von Softwareprodukten der universitären Spin-off Firma hydro-IT GmbH:

 

  • Hoch aufgelöste digitale Regendaten stellen die Grundlage der Bemessung von Anlagen der Siedlungswasserwirtschaft dar. Das Softwarewerkzeug NIEDA stellt 77 Regenserien (durchschnittliche Länge 17 Jahre) aus Österreich zur Anwendung in gängigen Programmen zur Verfügung. NIEDA ist hierbei ein Bestandteil des ÖWAV Leitfadens "Niederschlagsdaten zur Anwendung in den ÖWAV Regelblättern 11 und 19".
  • Die Software KAREN stellt andererseits ein leicht handhabbares Werkzeug dar, das speziell für die Berechnung von Mischwassersystemen nach den Vorgaben des neuen ÖWAV-Regelblattes 19 konzipiert wurde. KAREN simuliert das Verhalten der gesamten Entwässerung nach gängigen Modellansätzen und erlaubt die Berechnung beliebig großer Systeme. Neben der Berechnung der Wirkungsgrade der Anlage, sowie deren Immissionen, unterstützt KAREN auch die Kalibrierung des Modells.

 

Die Workshops gaben Gelegenheit, zahlreiche Details im direkten Austausch zwischen Vertretern von Planungsbüros und Behörden zu diskutieren. Da die Fachwelt noch wenig Erfahrung mit der Vorgangsweise hat, wurde auch Wunsch nach einer Wiederholung der Veranstaltung geäußert.