"Wir haben viel vor"

Anläßlich der feierlichen Amtseinführung präsentierten der neue Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Prof. Clemens Sorg und seine VizerektorInnen, Prof. Margarethe Hochleitner (Personal, Personalentwicklung und Gleichstellung), Prof. Manfred Dierich (Lehr und Studienangelegenheiten) und Prof. Roland Staudinger (Angelegenheiten der Universitätsklinik) ihr Arbeitsprogramm.
Das neue Rektorenteam der Medizinischen Universität wurde feierlich in das Amt eingeführt.
Bild: Das neue Rektorenteam der Medizinischen Universität wurde feierlich in das Amt eingeführt.

Gemeinsames Ziel ist es, die allgemeinen Rahmenbedingungen der Medizinischen Universität in räumlicher, infrastruktureller und finanzieller Hinsicht zu verbessern, die Forschung stärker zu unterstützen sowie den Service für Lehrende und Studierende deutlich zu erhöhen. Ein wichtiger Aspekt wird dabei auch die Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Ärztinnen sein.

Der neue Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Clemens Sorg und sein Team sind nun ungefähr 100 Tage im Amt. Nach einer ersten Orientierungsphase sieht sich Clemens Sorg nun in der Lage, Ziele zu definieren. „Ich sehe“, so Rektor Sorg, „zwei zentrale Problemfelder. Das eine ist die akute Raumnot der medizinischen Universität. Im Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich sind wir entlang des Innrains zerstreut und wir brauchen mittelfristig ein gemeinsames Verwaltungsgebäude. Außerdem brauchen wir Verfügungsflächen für künftige Forschungsprojekte und entsprechende Forschungsgruppen. Der mögliche Raum dafür ist sehr begrenzt, daher sind hier intelligente Lösungen gefragt.“ Als zweites Problemfeld hat Prof. Sorg die Parallelität der Krankenversorgung einerseits und der Forschung und Lehre andererseits diagnostiziert: „Ich plädiere für ein Integrationsmodell, das die universitäre Krankenversorgung gemeinsam mit Forschung und Lehre unter einem Dach und unter der Führung des Rektors der Medizinischen Universität vereint.“ Dabei denkt Clemens Sorg nicht dran die Tilak zu übernehmen oder gar abzuschaffen, vielmehr gibt er zu bedenken, dass die universitäre Krankenversorgung nicht dazu da sein kann und soll, die medizinische Grundversorgung zu übernehmen. Die medizinische Forschung darf in seinen Augen nicht als Anhängsel der Krankenversorgung fungieren, denn sie ist neben der Lehre die zentrale Kernkompetenz einer Universität. An einem Universitätsklinikum sollte daher nur soviel Krankenversorgung betrieben werden, wie für Forschung und Lehre unbedingt notwendig ist. Sorg sieht hier für alle Beteiligten viele Vorteile: „Die Patientinnen und Patienten erhalten weiterhin eine hervorragende Betreuung im Rahmen der Landeskrankenhäuser, das Universitätsklinikum ermöglicht seine MitarbeiterInnen die entsprechenden Freiräume für die Forschung, deren Ergebnisse wiederum den Patienten zu Gute kommen und dies alles würde sogar höchstwahrscheinlich kostenneutral ablaufen. Ich weiss, dass das rechtlich nicht ganz einfach ist, aber es wäre vernünftig und daher sollten wir es diskutieren.”


Die Forschung stärken

Ein weiteres großes Anliegen des neuen Rektors ist es, die Forschung noch stärker als bisher zu unterstützen. Er möchte dafür einen Fonds für die medizinische Forschung in Innsbruck schaffen. Dieser soll helfen notwendige Strukturen wie Laboreinheiten zu schaffen und der Medizinischen Universität Innsbruck die Möglichkeit geben, bei der Neuberufung von Experten mehr Spielraum zu haben. Ein essentieller Bestandteil ist für Clemens Sorg dabei die Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses. „Für junge WissenschaftlerInnen ist es in Zeiten knapper Ressourcen am Anfang ihrer Karriere kaum möglich, im Wettbewerb mit etablierten Kollegen ein eigenes Forschungsprojekt finanziert zu bekommen. Hier müssen wir unseren HoffnungsträgerInnen eine entsprechende Chance geben, unter durchaus strengen Bewertungskriterien, an die internationale Elite heranzukommen, um dann bei entsprechenden kompetitiven Mittelvergaben erfolgreich zu sein“, betonte Clemens Sorg.


Sportmedizin als Alleinstellungsmerkmal

Derzeit gibt es im Bereich der Medizin revolutionäre Fortschritte. Die funktionelle Genomik, die bildgebenden Verfahren, die Nanotechnologie (-medizin) und die regenerative Medizin – um nur einige zu nennen – entwickeln sich in rasantem Tempo. Die Medizinische Universität Innsbruck verfügt hier über ein gutes Fundament auf das man bauen kann. Der Ruf der Innsbrucker Medizin ist ein guter, in manchen Bereichen sogar ein hervorragender. Aber wie immer gibt es auch hier Raum für Verbesserungen. Diese Veränderungs- und Verbesserungsmöglichkeiten gilt es zu erkennen und entsprechend auch zu nutzen. Durch die Festsetzung der Forschungsschwerpunkte (Oncoscience, Neurowissenschaften, Molekulare und funktionelle Bildgebung, Infektiologie und Immunität sowie Sportmedizin) sind hier bereits wichtige Weichen gestellt worden. Die ersten vier Schwerpunkte sind gut entwickelt und erfüllen zum Teil schon heute die Kriterien der Exzellenz. Das Ziel des neuen Rektorenteams ist es, auch die Sportmedizin in diese Richtung zu steuern, denn eine exzellente Sportmedizin würde dem Standort Tirol gut zu Gesicht stehen und wäre ein Alleinstellungsmerkmal für die Innsbrucker Medizin.


Die Situation für Lehrende und Lernende verbessern

„Wir haben aus den Problemen bei der Studienzulassung im vergangenen Sommer gelernt und entsprechende Maßnahmen getroffen“, erklärte der neue Vizerektor für Lehre und Studienagelegenheiten, Univ.-Prof. Dr. Manfred Dierich. Es ist ihm gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien gelungen, einen Eignungstest für Medizinstudierende einzuführen. Dieser so genannte EMS-Test wird seit vielen Jahren sehr erfolgreich in der Schweiz eingesetzt und soll ab heuer auch in Wien und Innsbruck helfen, die am besten geigneten Studierenden für ein Medizinstudium auszuwählen. „Wir wollen von Beginn an mit der Zahl von Studierenden ins Studium einsteigen, die wir auch optimal unterrichten können. Der EMS-Test ist dafür sehr gut geeignet und er kann helfen, dass wir nahezu keine Dropouts mehr haben. Das schont unsere Ressourcen, vor allem aber spart es den Betroffenen verlorene Lebenszeit“, so der neue Vizerektor. Weitere wichtige Herausforderungen für seine Amtszeit sind die weitere Implementierung des neuen Studienplans und die damit verbundene Harmonisierung von alter und neuer Studienordnung, die Etablierung eines dreijährigen,  international wettbewerbsfähigen Ph.D.-Studiums für MedizinerInnen und NaturwissenschaftlerInnen sowie die Schaffung entsprechender leistungsorientierter Lehrpläne für die Facharztausbildung. Darüber hinaus möchte Manfred Dierich die Mobilität an der Medizinischen Universität Innsbruck deutlich steigern: „Zunächst einmal müssen wir unsere Studienpläne in Österreich aufeinander abstimmen, damit die Studierenden problemlos zwischen Innsbruck, Graz und Wien wechseln können. Es ist mir aber auch wichtig, dass unsere Studierenden und MitarbeiterInnen ins Ausland gehen können. Wir haben daher ein Büro für internationale Beziehungen eingerichtet, wo an einem Ort alle entsprechenden Informationen zur Verfügung stehen.“ Besonders wichtig ist Vizerektor Dierich auch die Verbesserung des Lernumfeldes. Hier plant er entsprechende Benutzerräume für Studierenden, in denen Computer zur Verfügung stehen. Gemeinsam mit den Lehrenden sollen auch – soweit das möglich ist – Lernunterlagen oder Lehrbücher entwickelt werden.


Große Herausforderungen im Personalressort

Ein Vielzahl von Aufgaben hat die Vizerektorin für Personal, Personalentwicklung und Gleichstellung, Univ.-Prof.in Dr.in Margarethe Hochleitner vor sich: „Zunächst einmal müssen wir gesetzeskonforme Grundlagen in der Personaladministration schaffen. Außerdem wollen wir ein transparentes und nachvollziehbares Gehaltsschema einführen, da immer noch kein Kollektivvertrag existiert.“ Darüber hinaus plant Margarethe Hochleitner die Entwicklung eines Karrieremodells, das nicht nur die wissenschaftlichen Leistungen berücksichtigt, sondern eben auch die Lehre, die Verwaltung und die ärztliche Tätigkeit mit einbezieht. Im Bereich  der Personalentwicklung möchte die neue Vizerektorin entsprechende Anreizsystem schaffen, um die berufsbedingte Qualifikation der wissenschaftlichen und der nichtwissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Medizinischen Universität Innsbruck zu unterstützen.


Die Gleichstellung ernst nehmen

Ein wichtiger Aspekt dabei wird künftig sein, besonders die Chancen von Frauen zu verbessern. Neben der Durchführung bereits genehmigter Projekte für die Kinderbetreuung, wie die Schaffung einer speziellen Beratungsstelle, eine Unterstützung des Kindergartens der Tilak und der Universität, dem Aufbau einer Betreuungseinrichtung für VolksschülerInnen sowie flexibler Kinderbetreuungsangebote im Arbeitsbereich sollen die Rahmenbedingungen für Frauen an der Medizinischen Universität mit Hilfe von Mentoringprogrammen und entsprechenden Frauenförderungsmodelle deutlich verbessert werden, um vor allem im Dissertations-/Post-doc-Bereich bis hin zur Habilitation Wissenschaftlerinnen eine Qualifizierung zu ermöglichen. Darüber hinaus ist es Margarethe Hochleitner ein Anliegen, frauenspezifische Fragestellungen in den regulären Lehrbetrieb zu integrieren und die Leistungen des weiblichen Personals in der Forschung, der Lehre und der Verwaltung deutlicher sichtbar zu machen. „Es gibt dafür Gesetze und Passagen in unserer Satzung, ich werde nun dafür sorgen, dass diese auch vernünftig angewendet und umgesetzt werden“, unterstrich die Vizerektorin.


Moderne Klinikstruktur

Die Medizinische Universität Innsbruck verfügt aufgrund des neuen Organisationsplanes über eine der modernsten und effizientesten klinischen Strukturen im europäischen Raum. Kernstück ist die Organisation der verschiedenen Institutionen in Departments. Was hier bereits im Sommer beschlossen wurde, gilt es nun auch in die Realität zu übertragen. Diese Aufgabe hat der Vizerektor für Angelegenheiten der Universitätskliniken, Univ.-Prof. DDr. Roland Staudinger. Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld von Roland Staudinger stellt der gesamte Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie dar. „Aufgrund der Abtrennung der Medizinischen Universität Innsbruck ist es nötig, hier völlig selbstständige neue Systeme zu entwickeln und aufzubauen. Die große Herausforderung für mich und meine MitarbeiterInnen liegt nun darin, dies in sehr kurzer Zeit auf die Bedürfnisse der Nutzer hin auszurichten und eine Umstellung von den alten Universitätssysteme auf unsere Systeme unter regulärem Betrieb vorzunehmen ohne, dass dies zu großen Einschränkungen bei den Nutzern führt“, so umriss Staudinger sein sehr betriebskritisches Aufgabengebiet.


Unterstützung durch den Unirat

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Universität nimmt der Unirat ein, der bei allen strategischen Entscheidungen ein gewichtiges Wort mitredet. Daher signalisieren die beiden Vorsitzenden, Dr. Helmut Marsoner und Univ.-Prof. Dr. Stephan Laske deutliche Unterstützung für den Weg der Medizinischen Universität. „Es gilt nun nach vorne zu schauen und die Herausforderungen gemeinsam zu meistern“, erklärte dazu Helmut Marsoner. Der Übergang in das neue Gesetz sei ein schwieriger Prozess gewesen, da zunächst die Aufgabenverteilung zwischen Rektorenteam, Senat und Universitätsrat nicht ganz klar war. „Es ist nicht immer ganz rund gelaufen und es hat das eine oder andere Missverständis im gegenseitgen Umgang gegeben. Aber ich denke, wir sollten künftig mehr miteinander als über einander reden, denn wir stehen vor großen Aufgaben und die können wir nur gemeinsam lösen“, betonte Stephan Laske. Es sei völlig natürlich, dass im Zusammenspiel verschiedener Kräfte Reibung entstehe, wichtig sei jedoch, dass man die Energie, die bei dieser Reibung frei wird auch positiv nutzt. Der Unirat möchte daher das Rektorenteam insbesondere bei seinen Plänen für die Schaffung eines eigenen Verwaltungsgebäudes unterstützen, da die Dislozierung der einzelnen Abteilungen und Einrichtungen sehr problematisch sei und in gemeinsames Gebäudes identitätsstiftend wirke. Außerdem ist der Unirat sehr dran interessiert, dass es gemeinsam mit der Universität gelingt, die strategischen Ziele auch umzusetzen. Ein wichtiger Meilenstein wird hier der Entwicklungsplan sein, der jedoch nach Ansicht von Marsoner und Laske kein Korsett ist, sondern den Rahmen vorgeben soll, in dem dann die Medizinische Universität flexibel und lösungsorientiert agieren kann.