Erzählforschung als Kulturanthropologie

Zum neunzehnten Mal veranstaltete das Institut für Europäische Ethnologie gemeinsam mit dem Südtiroler Landesmuseum für Kultur und Landesgeschichte (Schloss Tirol) vom 5. bis 9. Oktober 2005 eine interdisziplinäre Tagung zur Erzählforschung. Vier Tage lang diskutierten ErzählforscherInnen auf der Brunnenburg (Dorf Tirol) über Aspekte des Themas „Der Krieg im Kontext des Alltagslebens“.
Brunnenburg und Schloss Tirol
Bild: Brunnenburg und Schloss Tirol
Der Bedeutung des Erzählens als einer „kulturellen Kraft, mit der man rechnen muss“ (Mieke Bal) ist auch im Laufe der letzten Jahre mehrfach besondere Aufmerksamkeit in kulturwissenschaftlichen Standortbestimmungen gewidmet worden. Einem befürchteten Verschwinden kultureller Unterschiede – im Kontext von Globalisierung und Transnationalität, von Mobilität, Migration und Diaspora, von wachsender medialer Vernetztheit u.a.m. – wurde dabei öfters der Befund oder zumindest das Deutungsmuster einer Konjunktur des Erzählens entgegengesetzt. Vor diesem Hintergrund spricht Vieles dafür, Erzählungen als Indikatoren der sozialen Bewältigung von Differenz zu erkennen und ernst zu nehmen. Die Diskussion darüber verbindet verschiedene Disziplinen im Umkreis der Europäischen Ethnologie und Kulturanthropologie und fördert den wissenschaftlichen Dialog. Seit Mitte der 1980er Jahre bietet das abwechselnd auf der Brunnenburg (Dorf Tirol, Südtirol) und in Innsbruck veranstaltete Symposion zur Erzählforschung des Instituts für Europäische Ethnologie der LFU Innsbruck einen interdisziplinären Rahmen dafür.

Abwechslungsreiches Programm

Heuer fand die Veranstaltung zum 19. Mal statt und war der Diskussion über Aspekte des Themas „Der Krieg im Kontext des Alltagslebens“ gewidmet. Die Organisation lag in den Händen von Dr. Siegfried de Rachewiltz (Schloss Tirol) und Prof. Leander Petzoldt (LFU Innsbruck). Als ReferentInnen konnten u.a. Prof. Brigitte Mazohl-Wallnig (LFU Innsbruck), Prof. Ulrich Müller (Universität Salzburg), Dr. Maria E. Dorninger (Universität Salzburg), Dr. Oswald Überegger (Tiroler Landesarchiv, Innsbruck), Dr. Norbert Ott (Bayerische Akademie der Wissenschaften, München) und Dr. Ekkehard Schönwiese (Landesverband Tiroler Volksbühnen, Innsbruck) in den historischen Räumlichkeiten des Landwirtschaftsmuseums Brunnenburg begrüßt werden. Darüber hinaus trugen auch AbsolventInnen des Fachs Europäische Ethnologie in Innsbruck zum Vortragsprogramm bei. Eine gemeinsame Exkursion der TagungsteilnehmerInnen ins „Touriseum“, das Südtiroler Landesmuseum für Tourismus, sowie ein Liedvortrag des Bassbaritons Eberhard Kummer („König Laurin. Fragmente aus dem Epos von Kasper von der Rön“) rundeten das Programm der Tagung ab.

 

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