„ALUMNI Arbeitsfelder“ – eine neue Veranstaltungsreihe für Studierende

Der ALUMNI Verein brachte unlängst ein neues Projekt auf Schiene. „ALUMNI Arbeitsfelder“ heißt der Titel einer Serie von Gesprächsrunden, die praxisbezogene Berufseinführung und direktes Feedback der Studierenden verbinden soll.
Alumni-Arbeitsfelder
Bild: Diskussionsrunde mit Prof. Konrad Arnold und Richter Dr. Klaus Schröder
Rat- und Impulsgeber gegen Berufsschock

 

Höchstes Interesse an der beruflichen Zukunft ihrer AbsolventInnen habe die LFU Innsbruck, so Rektor Manfried Gantner anlässlich der ALUMNI-Gründung 2003:  „Solidarität muss zum Leitbegriff auch unter Wissenschaftlern, Forschern und akademisch ausgebildeten Praktikern werden, gerade in Umbruchzeiten, wie wir sie heute erleben.“

Unter dem Reihentitel „ALUMNI Arbeitsfelder“ startete Mitte Dezember eine neue Initiative in dieser Richtung. AbsolventInnen der LFU Innsbruck werden eingeladen, über ihren Werdegang vom Studium zur aktuell besetzten Position zu referieren und ihre Tätigkeit in bekannten oder weniger bekannten Arbeitsfeldern ihrer Fachrichtung zu erläutern, vom breiten Anwendungsgebiet bis zur engen Nische. Zielpublikum sind jene, die heute ihr Studium absolvieren und sich morgen auf eben diesen beruflichen Arbeitsfeldern bewähren sollen. Für sie bietet sich im Rahmen der Veranstaltungen die Gelegenheit eines Erfahrungsaustausches: Eigene Vorstellungen können so mit den Anforderungen im realen Berufsleben frühzeitig in Einklang gebracht werden, um einem späteren Berufsschock vorzubeugen; zugleich aber können auch persönliche Kontakte geknüpft werden, die jedenfalls für den Berufseinstieg von Vorteil sind.

 

Eine klassische Karriere

 

Das Publikumsinteresse in der Universitäts-Aula war am 14.12., dem Premièrenabend der Veranstaltungsreihe, äußerst rege: An die 100 Studierende der Rechtswissenschaft konnte Fakultätsstudienleiter Prof. Dr. Konrad Arnold begrüßen. Im Mittelpunkt stand Richter Dr. Klaus Schröder, als jene Person, die 1982 zum Dr. juris promoviert und 1987 zum Richter am BG Innsbruck ernannt wurde bzw. seit 1992 Richter am LG Innsbruck tätig ist. „Der Übergang von der Ausbildung zum Berufseinstieg ist entscheidend für ein erfülltes Leben, entscheidend für das Individuum wie für die Gesellschaft.“, eröffnete er seine Ausführungen, die er ohne Konzeptpapier, humorig und locker, aber rhetorisch geschliffen vortrug. Wer weiß denn schon zu Beginn seines Jus-Studiums so ganz genau, wie eine/r zum vom Volksmund so genannten „Watschenkadi“ wird und was ihn dann erwartet? Schröder präzisierte all das in der Folge. In Tirol kommen 8 bis 15 Richterposten pro Jahr auf 80 bis 100 Bewerbungen. Wen wundert’s, dass die Schlagworte auf dem Weg zur klassischen Richterkarriere lauten: „guter Studienerfolg“ als Voraussetzung, „strenge Selektion“ bei der richterlichen Ausbildung, „Auswahlverfahren“ allenthalben, welche „die Spreu vom Weizen trennen“, „auf den Zahl fühlen“, „Herz und Nieren prüfen“, bildlich gesprochen.

 

Berufshürden und -zuckerln

 

Vom fachlichen Know-how abgesehen: Schröder betonte eine  perfekte Beherrschung der Sprache als Handwerkzeug des Richters. „Korrekte Grammatik und Rechtschreibung sind unerlässlich, geschulte Rhetorik und soziale Kommunikationskompetenz ebenfalls.“ Hinzu kommt, dass der Richter unserer Tage nicht mehr national abgeschottet agiert. Englisch als nach wie vor wichtigste Verkehrssprache, Französisch als Amtssprache der EU, Italienisch und südosteuropäische Sprachen: Fachspezifische Sprachkenntnisse als Zusatzqualifikation sind für Einsteiger und bereits Amtierende unerlässlich. Weiter wichtig im Anforderungsprofil: Basiswissen in betriebs- und volkswirtschaftlichen Belangen. Schließlich: der Wille zu beständiger Fortbildung. Im Gegenzug darf man ein vielfältiges Arbeitsleben mit freier Diensteinteilung erwarten, was gerade auch für weibliche Berufsanwärterinnen von Vorteil ist. Schröder empfahl darüber hinaus die Möglichkeit als „Rechtshörer“ am Gericht zu praktizieren und bot diesbezüglich seine Hilfe an.

 

Fragerunde und Fazit

 

Schröders Informationen waren geballt; anschließend waren die Studierenden am Zug: Werden Richter persönlich bedroht? Gibt es für den Berufseinstieg eine Altersgrenze? Welche Rolle spielen Ethik und Moral? Was ist frustrierend? Und zum Schluss: Was macht Freude am Richter-Dasein? Hier waren sich Richter Schröder und Fakultätsstudienleiter Arnold einig: „Es ist ein Sozialberuf, denn der Richter ist ein Friedensstifter; es ist ein Urberuf, ohne den die Menschheit nicht leben kann. Er begleitet uns von der Wiege bis zur Bahre.“ Und die Publikumsreaktion abgesehen von den Diskussionsbeiträgen? „Informativ“, meinen Katharina und Tina aus Reutte und im ersten Studiensemester. „Aber auch ein wenig Furcht einflößend.“ Respekt vor dem Richter also in jeder Beziehung.

 

Sinnvolle Ergänzung des ALUMNI-Angebots

 

Das Anliegen des ALUMNI Vereins ist global, denn AbsolventInnen der LFU Innsbruck agieren weltweit. Gehandelt selbst wird aber lokal, vor Ort, direkt an der Uni. Neben den Veranstaltungsreihen „Verborgene Schätze der Universität“ (wissenschaftliche Forschungsleistungen der LFU Innsbuck für breite Öffentlichkeit aufbereitet und kommuniziert) und „top ALUMNI im Porträt“ (zuletzt wurde der an der Clemson Universität in South Carolina, USA, engagierte Chemiker Dr. Arno Rettenbacher präsentiert) bietet „ALUMNI Arbeitsfelder“ so eine sinnvolle Ergänzung des Spektrums. Geplant sind, so Ernst Haunholter, zwei bis drei Veranstaltungen pro Fakultät: „30 bis 40 Gesprächsrunden insgesamt, und wir haben schon viele ReferentInnen in petto.“

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