Graben, wühlen, Steine schleppen – Was ArchitekturstudentInnen der LFU Innsbruck derzeit in Südafrika treiben

Schauplatz Eikenhof, nahe Johannesburg: Zwischen Wellblechhütten und brachliegendem Weideland herrscht reges Treiben. Spaten und Schaufel wirbeln durch die Luft, eifrig wird Baumaterial geprüft und Baupläne gelesen. Und mittendrin 32 Studenten der LFU Innsbruck. Was ist da los?
Kurze Verschnaufpause fürs Fotoshooting: Susanne Plenk (Studentin, 2.v.l.); Walter Prenner (Projektleiter, 3.v.l.); Helmut Freudenschuss (österr. Botschafter, 1.v.r.)
Bild: Kurze Verschnaufpause fürs Fotoshooting: Susanne Plenk (Studentin, 2.v.l.); Walter Prenner (Projektleiter, 3.v.l.); Helmut Freudenschuss (österr. Botschafter, 1.v.r.)
829 Kinder teilen sich 17 Räume

Hoffnungslos überfüllte Klassen und Blechdächer, die unerträgliche Hitze im Sommer und extreme Kälte im Winter erzeugen – so sah der Schulalltag in der Volksschule „Olifantsvlei“ in Eikenhof bis vor kurzem aus. 829 Kinder teilten sich 17 Klassenräume und einige wenige Lehrkräfte. Es verwundert daher nicht weiter, dass viele der Kinder auch nach neun Jahren Pflichtschule des Lesens und Schreibens immer noch nicht mächtig waren. Den dringenden Handlungsbedarf haben sowohl die UNESCO als auch die NGOs „Adopt-a-School“ und „Education Africa“ schon 2005 erkannt.

Die Lösung: Ein an die Volksschule gekoppelter Kindergarten. Hier sollen in Zukunft 80 Kleinkinder in spielerischer Umgebung lesen, schreiben und rechnen, sowie Wichtiges in Bezug auf Aufklärung und HIV-Vorsorge lernen. Doch wie soll das alles finanziert werden? Und wer wird die Planung und Konstruktion übernehmen?

 

Ein einzigartiges Projekt entsteht

2006 arbeiten die beiden NGOs in einem Joint Venture mit dem Institut für Experimentelle Architektur der LFU Innsbruck ein Konzept aus, bei dem die Studierenden Planung, Konstruktion und Finanzierung des Kindergartens selbst vornehmen. Die Unterstützung von Unternehmen, staatlichen Einrichtungen und ein von den Studierenden initiierter Benefiz-Stand zur Spendensammlung, lassen das Projekt schließlich Gestalt annehmen.

Zum einen zeichnet sich der von „studio3“ konzipierte Kindergarten durch seine klimaoptimierte Bauweise aus. Zum anderen dadurch, dass die benötigten Baumaterialien weitgehend von umliegenden Lieferanten in Südafrika stammen. Darüber hinaus aber, basiert das Projekt zudem auf der Idee der Nachhaltigkeit: Fachwissen über Planung, Konstruktion und Instandhaltung werden während des Bauprozesses an die südafrikanische Bevölkerung weitergegeben.

 

Endspurt

Nach monatelangem, mühevollen Planen und Geldeintreiben, befinden sich die Architekturstudenten nun also seit dem 20. August in Eikenhof, um den Kindergarten mit eigenen Händen zum Leben zu erwecken. Der Kindergarten wurde am 8. Oktober eröffnet. Die Projektleiterin Dipl.-Ing. Astrid Dahmen der LFU Innsbruck ist erfreut und erleichtert zugleich: „Das Projekt war ein voller Erfolg für alle beteiligten Partner“, so Dahmen.

 

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