Translationswissenschaft am Puls der Zeit

Synchronisation, Untertitelung, Voice-over-Verfahren, Audiodeskription: Ausgewiesene SpezialistInnen und Pioniere führten Studierende der Translationswissenschaft im Rahmen eines Workshops Anfang Juni in zukunftsweisende Aspekte der Übersetzung und Bearbeitung multimedialer Texte ein.
Studierende werfen einen Blick in zukünftige multimediale Arbeitswelten.
Bild: Studierende werfen einen Blick in zukünftige multimediale Arbeitswelten.

In einer von Prof. Lew Zybatow am Institut für Translationswissenschaft organisierten zweitägigen Veranstaltung konnten Studierende einen Blick in zukünftige Arbeitswelten werfen. Multimediale Translation ist ein Berufszweig der Zukunft. Um die AbsolventInnen in kompetenter Form auf die Anforderungen der neuen Berufsbilder vorzubereiten, initiierte die International Academy for Translation  and Interpreting (IATI) unter der Präsidentschaft von Lew Zybatow mehrere Workshops mit aktuellen Lehrinhalten.

 

Original oder Manipulation?

Synchronisation und Untertitelung sind zwar bekannte Praktiken. Trotzdem werden sogar die größten Hollywood-Kassenschlager unter technisch unbefriedigenden Umständen bearbeitet. Filmhistorisch interessant, aber auch unter translationswissenschaftlichen Gesichtspunkten lehrreich ist der Umstand, dass Filmdialoge immer wieder aus weltanschaulichen Gründen verändert werden, wodurch mehr oder weniger auffällige Unstimmigkeiten entstehen. Der Filmwissenschaftler Prof. Rainer Köppl (Wien) führte aus seinem reichen Archiv einige manipulierte Szenen aus bekannten Filmen vor und präsentierte gleichzeitig eine von ihm selbst konzipierte Technik zum Vergleich von Original und übersetzter Version, die in Zukunft auch in Innsbruck genutzt werden soll.

 

Unnatürliche Filmdialoge und Anleitung für Untertitel

Wie unnatürlich und (gerade deshalb?) vorhersagbar Filmdialoge – und in noch höherem Maße übersetzte Filmdialoge – sind, bewies Prof. Christopher Taylor (Triest) anhand einer umfangreichen englisch-italienischen Materialsammlung. Eine theoretische und praktische Anleitung zum Untertiteln leistete die Einführung von Dr. Sylvia Reinart (Mainz-Germersheim). Dieser Schnupperkurs war als Auftakt für eine entsprechende Ausbildung am Institut gedacht, die in Zukunft im Rahmen eines Moduls Medientranslation angeboten werden soll.

 

Politisch-ideologische Nutzung von Filmübersetzung

„Filmübersetzungen können auch zur Frage von Ideologie werden“, erklärte Susanne Pauer, Diplomandin des Instituts, anhand der Situation in Katalonien. Obwohl jeder Katalane die spanische Version versteht, also keine „objektive“ Notwendigkeit einer Übersetzung gegeben wäre, werden dort Filme aus sprachpolitischen Gründen synchronisiert. Der symbolische Wert der katalanischen Fassung ist also entschieden höher als der praktische.

 

Hilfe für sehschwache Menschen

Bernd Benecke vom Bayerischen Rundfunk ist tätig als Hersteller von „Hörfilmen“. Der Pionier der Audiodeskription beschreibt filmische Bilder für sehschwache Menschen und untersucht, ob in einer Sprache (in der Regel Englisch) vorhandene Audiodeskripte übersetzt oder besser in jeder Sprache neu kreiert werden sollen.

„Mit dieser zweitägigen Veranstaltung wollen wir dokumentieren, dass wir den Anschluss an die allerneuesten Entwicklungen im Bereich der Medienübersetzung verfolgen und in die Ausbildung integrieren wollen“, erklärt Institutsleiter Prof. Wolfgang Pöckl: „Dieses Vorhaben stellt natürlich einige Anforderungen an die Technik und setzt auch voraus, dass regelmäßig SpezialistInnen zur Aktualisierung des Know-how vom Institut engagiert werden können“.