"Was Sefardisch ist, muss ausgehandelt werden."

Mit dieser provokanten Aussage begann Prof. Marietta Calderón vom Institut für Romanistik der Universität Salzburg ihren Vortrag zu jener Sprache, die auch als „Judenspanisch“ oder als „Ladino“ bezeichnet wird.
Sefardisch: sprachliches Museum oder aktuelle Sprache?
Bild: Sefardisch: sprachliches Museum oder aktuelle Sprache?

Im Rahmen zweier Lehrveranstaltungen von Prof. Eva Lavric referierte sie über jene (aussterbende?) romanische Sprache, die von manchen LinguistInnen nur als eine Varietät des Spanischen betrachtet wird.
  

Eine Referenz:

1492. Im Jahr, in dem Amerika „entdeckt“, die erste spanische Grammatik geschrieben und die Reconquista mit der Vertreibung der Araber aus Granada abgeschlossen wurde, wurden von den „katholischen Königen“ auch die Juden aus dem wiedervereinten und einer großen Zukunft versprochenen Spanien verjagt. Sie flüchteten in die verschiedensten Gebiete rund um den Mittelmeerraum (aber auch z.B. nach Amsterdam und in die Neue Welt), insbesondere ins Osmanische Reich (heutige Türkei, Griechenland, Bulgarien) und nahmen dabei ihre Sprache mit.

Für SprachwissenschaftlerInnen ist das Sefardische daher ein „gefundenes Fressen“, weil es (angeblich) den Stand des Spanischen um 1500 bewahrt hat. Was nicht hundertprozentig stimmt, denn das Sefardische ist kein sprachliches Museum, sondern eine zwar bedrohte, aber doch aktuelle Sprache mit einer gegenwärtigen Realität.

Es aus der Ecke des Musealen und Exotischen herauszuholen und den ZuhörerInnen einen lebendigen Bezug dazu zu vermitteln, hatte sich Prof. Calderón zum Anliegen gemacht; und es gelang ihr auch, das Publikum anhand von Texten, Liedern, Anekdoten und Witzen davon zu überzeugen, dass man sich dem Sefardischen ohne Scheu und Ehrfurcht nähern kann und dass es auch nicht allzu schwierig zu verstehen ist.

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