LFU Studierende "machen" Europäische Sicherheitspolitik

Studierenden der Politikwissenschaft konnten kürzlich anlässlich eines politikwissenschaftlichen Forschungsseminars in einem maßgeschneiderten Planspiel hautnah erfahren, wie Europäische Sicherheitspolitik in Brüssel funktioniert. Leiter der Lehrveranstaltung war Alexander Siedschlag, Stiftungsprofessor für Europäische Sicherheitspolitik.
Die TeilnehmerInnen am Planspiel gemeinsam mit Prof. Alexander Siedschlag und seinen MitarbeiterInnen.
Bild: Die TeilnehmerInnen am Planspiel gemeinsam mit Prof. Alexander Siedschlag und seinen MitarbeiterInnen.

Zu diesem Zweck gliederte Siedschlag den Seminarablauf in drei Teile, wobei der erste jeweils aus einer Vorstellung einer sicherheitspolitischen Zeitschrift bestand. Anschließend wurde die Bearbeitung einer aktuellen wissenschaftlichen sicherheitspolitischen Studie präsentiert, wobei besonders auf die methodologischen und theoretischen Aspekte Wert gelegt wurde. Als dritter Teil folgte jeweils eine lebhafte Diskussion, in der die verschiedenen Positionen durchaus ambitioniert verteidigt wurden.

 

Planspiel als Abbildung der Realität

Den Höhepunkt des Semesters stellte aber ein Planspiel dar, im Zuge dessen die Entscheidungsmechanismen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) in der EU nachempfunden wurden. Neben dem Rat für Allgemeine Angelegenheiten und Außenbeziehungen sowie dem Politischen und Sicherheitspolitischen Komitee waren auch der Ausschuss für Zivile Aspekte des Krisenmanagements sowie der Militärausschuss abgebildet. Zudem waren - entsprechend der Realität - die NATO und die USA als "Mitspieler" vertreten.

 

Probleme wurden gelöst

Zu bearbeiten galt es eine fiktive innerstaatliche Krise in Nordafrika, wobei entschieden werden musste, ob und mit welchen Mitteln die EU eingreifen sollte. Anschaulich konnten dabei die Schwierigkeiten und Probleme der Entscheidungsfindung in einem stark fragmentierten Prozess, wie zum Beispiel ein unvollständiger Informationsfluss und Kompetenzunklarheiten, nachempfunden werden. "Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bot das Planspiel die Möglichkeit, ihr theoretisches Wissen auch einmal in der 'Praxis' einsetzen zu können, was dabei half, ein vertieftes Verständnis und ein besseres Gefühl für das Funktionieren großer internationaler Institutionen zu erlangen", berichtet Mag. Jodok Troy, Assistent an der Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik.

 

Für Landesverteidigungsakademie entwickelt

"Das Planspiel habe ich für den von meiner Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik durchgeführten Ausbildungsanteil im 17. Generalstabslehrgang der Landesverteidigungsakademie entwickelt, wo es großen Anklang fand. Daraufhin habe ich mir überlegt, dass das auch für eine berufsbildnahe akademische Ausbildung europäischer 'Sicherheitspolitikerinnen' und 'Sicherheitspolitiker' an unserer Alma Mater etwas sein könnte – und die Idee ist voll aufgegangen", freut sich Professor Siedschlag. Für den Erfolg dieses Pilotseminars spreche vor allem, so erläuterte Siedschlag weiter, dass es den Studierenden gelungen sei, in dem Planspiel grundlegende Ergebnisse der EU Crisis Management Exercises zu reproduzieren, die direkt in die Weiterentwicklung der EU-Fähigkeiten zum internationalen Krisenmanagement einfließen. So erarbeiteten die Innsbrucker SicherheitspolitikerInnen zum Beispiel die Problematik von Krisenentscheidungen unter Zeitdruck und unvollständiger Information - Faktoren, die zu einer Überbewertung der militärischen Aspekte einer Krise und ihrer Lösungsmöglichkeiten führen können. Auch das Problem, einen gemeinsamen Informationsstand aller EU-Staaten und einen gemeinsamen Bewertungshorizont der zu lösenden Krise herzustellen, konnte anschaulich abgebildet werden. Deutlich wurde auch, dass bedarfsgerechtes Krisenmanagement stets eine sorgfältige Fachanalyse erfordert und nicht nach abstrakten Prinzipen erfolgen darf.

 

Vernetzte Lehre geplant

Gerade auch vor dem Hintergrund dieses Erfordernisses möchten Siedschlag und seine MitarbeiterInnen die zivil-militärische Zusammenarbeit im Dienst einer berufsfeldbezogenen und zugleich der Idee forschender Lehre folgenden wissenschaftlichen Ausbildung zum spezifischen Profil der Innsbrucker Sicherheitspolitik ausbauen. "Der nächste Schritt hierzu ist ein trilaterales Kooperationsseminar zwischen der LFUI, der UMIT in Hall und der Landesverteidigungsakademie Wien, in dem es darum geht, eine Studie zur Umsetzung der im EU-Rahmen beschlossenen Europäischen Sicherheitsstrategie und zur wissenschaftlich begründeten Ableitung europäischer Sicherheitsinteressen zu produzieren", erläutert Anja Opitz, M.A., Assistentin an der Stiftungsprofessur für Europäische Sicherheitspolitik und Koordinatorin dieses Seminars, die Pläne der Innsbrucker SicherheitspolitikerInnen zur vernetzen Lehre.