fadin’to whiteout

In diesem Winter erhalten die Wunderkammern der Swarovski Kristallwelten einen besonderen Anbau: In einem weißen Kubus vor dem Riesen wird ein polares Phänomen inszeniert, das im Englischen als Whiteout bezeichnet wird - die Auflösung jeglicher Konturen durch einen Reflexionsgleichstand zwischen Schnee und Wolken.
Innenraum des Objekts fadin’to whiteout.
Bild: Innenraum des Objekts fadin’to whiteout.

Die Rauminstallation Fadin’to Whiteout ging als eines von drei Siegerprojekten aus einem Studentenwettbewerb zum Thema ‘Arctic’ hervor, den Swarovski im Frühjahr 2005 am Institut für e[x]perimentellen Hochbau der LFU Innsbruck veranstaltete.

Fadin’to Whiteout wurde von Ursula Ender und Albert Elmenreich entworfen und durch die Jury, bestehend aus Geschäftsführer Dr. Andreas Braun, Architekt und Professor Kjetil Thorsen und dem isländischen Künstler Ólafur Elíasson, zur Umsetzung ausgewählt. Seit 22.11.2005 können Besucher der Kristallwelten eine Reise in die vielschichtige Wahrnehmungswelt des Phänomens Whiteout antreten.

Sage aus Grönland beschreibt das  Phänomen Whiteout

Drei Freunde waren begierig darauf, herauszufinden, wie groß die Welt sei und welche Form sie habe. Schließlich wurden sie so neugierig, dass sie beschlossen, eine Expedition zu unternehmen. So reisten sie drei Tage und drei Nächte lang, und da gelangten sie zu einem großen Iglu. Gehen wir hinein, sagte einer von ihnen. Dies taten sie, doch erkannten sogleich, dass dieses Haus unendlich war. Also gingen sie an der Wand entlang, um sich nicht zu verirren. Aber wo war nun der Eingang? Sie gingen weiter – tagelang, monatelang, jahrelang. Schließlich waren sie erschöpft und krochen kraftlos weiter. Dann gaben zwei der Freunde auf, setzten sich und starben. Dem dritten jedoch gelang es, den Ausgang zu finden. Sein Kajak war genau da, wo er es zurückgelassen hatte. Aber als er wieder zu den Menschen kam, war er steinalt geworden. Er sagte zu den Menschen: „Die Welt ist nur ein riesiger Iglu.“ Und dann starb auch er.

Naturwissenschaftliche Erklärung des Phänomens

Die Geschichte von der Vermessung der Welt durch drei Inuit ist nur eine von vielen Sagen und Mythen der Arktis, die das Phänomen des Whiteout zum Thema haben.

Naturwissenschaftlich handelt es sich dabei um die Wirkung des Lichts nach starkem Schneefall (oder während starken Schneefalls), wenn die Landschaft durch eine Wolkendecke von der Sonneneinstrahlung abgeschnitten wird.

Die Reflexion des Schnees ist gleich dem Licht unter der Wolkendecke, wodurch weder Horizont noch Konturen in der Landschaft zu erkennen sind. Schatten fehlen, und nur sehr dunkle Gegenstände sind wahrnehmbar.

Die Auswirkungen auf den Menschen lassen sich mit Orientierungslosigkeit, Schwindel und Sehstörungen oberflächlich zusammenfassen.

Ästhetische Komponente der Naturerscheinung

Die Architekturstudierenden Ursula Ender und Albert Elmenreich befassten sich in ihrer Installation Fadin’ to Whiteout mit der ästhetischen Qualität dieser Naturerscheinung. Die Rauminstallation setzt weißes Licht gezielt ein und führt dadurch die Auflösung jeglicher Wahrnehmungsgrenzen herbei.

Die imaginierte Kälte des Eises, dem Kristall durch Struktur und Ethymologie (griech. crystallos) nächst verwandt, wird gemildert durch das ihm innewohnende Klangspektrum: Weißes Rauschen, gemischt aus gleichförmigen endlosen Tonsignalen, diffus durchsetzt von Informationen, fügt eine sinnliche Ebene ein.

Im Angesicht der Überfarbe Weiß kann alles Erfahren im Kubus nur Selbstreflexion sein. Darin liegt der Schlüssel zum unendlich großen Vorbild der Natur, den Schnee- und Eiswüsten der Pole. Synonym für die Leere, die Absenz von allem, sind sie jene Orte, an denen das Selbst seiner Kleinheit zum Trotz zum Riesen wird.

Institut für e[x]perimentellen Hochbau

Seit knapp zwei Jahren leiten Prof. Kjetil Thorsen und Prof. Patrik Schumacher das Institut für e[x]perimentellen Hochbau an der Architekturfakultät der Universität Innsbruck.

Architektur ist ein künstlerisch-wissenschaftliches Fach und die Forschung ist in vielen Fällen ein schöpferisch angewandter Prozess. Neben der Forschung im Modus des Entwerfens ist daher das Ermöglichen von unmittelbaren Erfahrungen mit der Umsetzungsrealität ein wesentlicher Schwerpunkt des Instituts.

Die Planung und Umsetzung der Eröffnungsbühne für die Winteruniversiade Innsbruck|Seefeld 2005 beispielsweise wurde im vergangenen Jahr im Rahmen mehrerer Lehrveranstaltungen durchgeführt. Die Studierenden hatten die Möglichkeit unmittelbar an der Entstehung von Architektur mitzuwirken und Erlerntes anzuwenden.

In ähnlicher Weise wurde die Installation Fadin´to Whiteout in einer projektbegleitenden Form vom Institut betreut. Die beiden Studierenden arbeiten praktisch selbstständig und konsultieren nur bei Bedarf die Betreuer. Diese waren über Protokolle und Planmaterial permanent über den aktuellen Projektstand informiert, nahmen an Meetings mit Bauherr und ausführenden Firmen teil und konnten gegebenenfalls die Situation korrigieren.

Die Umsetzung wurde genau aufgezeichnet und dokumentiert. Nach Projektabschluss wurden die Erfahrungen der Studierenden im Lehrbetrieb eingebunden um einer größeren Gruppe von HörerInnen unmittelbaren Zugang zur Praxis zu vermitteln.

Konzept, Entwurf und Planung

Ursula Ender wurde 1979 in Bludenz, Vorarlberg geboren, absolvierte die Höhere Technische Lehranstalt für Hochbau in Rankweil, Vorarlberg und begann 1999 das Architekturstudium in Innsbruck.

Albert Elmenreich wurde 1978 in Dornbirn, Vorarlberg geboren, besuchte das Bundesgymnasium in Dornbirn und studiert seit 1998 in Innsbruck Architektur.

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