Islamische Philosophie der Gegenwart

Am Donnerstagabend vergangener Woche fand auf Einladung des Institutes für Philosophie unter der Leitung von Prof. Hans Köchler ein rege besuchter Vortrag zu den gegenwärtigen Strömungen in der islamischen Philosophie statt. Vortragender war Prof. Hamidreza Ayatollahy, Vorstand des Institutes für Philosophie der Allameh Tabatabaii-Universität in Teheran, Iran.
v.l.: Dekan Prof. Dr. Christoph Ulf, Prof. Dr. Hamdireza Ayatollahy, Prof. Dr. Hans Köchler bei der Übergabe der letzten Ausgabe der philosophischen Zeitschrift: Hekmat va Falsafeh (Wisdom and Philosophy).
Bild: v.l.: Dekan Prof. Dr. Christoph Ulf, Prof. Dr. Hamdireza Ayatollahy, Prof. Dr. Hans Köchler bei der Übergabe der letzten Ausgabe der philosophischen Zeitschrift: Hekmat va Falsafeh (Wisdom and Philosophy).

Wie Prof. Hamidreza Ayatollahy in seinem Vortrag ausführte, umfasst die islamische Philosophie der Gegenwart viele Strömungen und Schulen, die trotz markanter Unterschiede auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet sind: das Denken Gottes unter dem Vorzeichen vernünftiger Erkenntnis. Insbesondere in der schiitischen Tradition haben sich, so Prof. Ayatollahy, zahlreiche Auseinandersetzungen mit den philosophischen Erkenntnissen anderer Kulturen ergeben. Im Iran selbst habe sich das philosophische Denken hauptsächlich im Anschluss an die Lehren von Mulla Sadra (1571-1640) entwickelt. Gemäß der Transzendentalphilosophie von Mulla Sadra stellen Religion und Philosophie keine unvereinbaren Größen dar.

 

Gegen Ende seines Vortrages, der bei den geladenen Professoren und Studierenden auf großes Interesse stieß, unterstrich Prof. Hamidreza Ayatollahy die Notwendigkeit einer Kultur der Toleranz und des Dialoges; nur so könne man die Herausforderungen einer sich globalisierenden Welt meistern. Prof. Hans Köchler, Vorstand des Institutes für Philosophie der LFU Innsbruck, ging auf diese Überlegungen des Vortragenden ein und kündigte an, dass der islamischen Philosophie im Zuge des im Entwicklungsplan der Universität Innsbruck vorgesehenen Magister-Studiums „Philosophie und vergleichende Religionswissenschaften“ der ihr gebührende Platz eingeräumt werden soll.

 

Kooperationsmöglichkeiten in Aussicht gestellt

Im Zuge eines Treffens mit dem Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät, Prof. Christoph Ulf, wurden zukünftige Kooperationsmöglichkeiten besprochen. Prof. Ayatollahy überreichte die ersten drei Ausgaben der neu gegründeten internationalen Zeitschrift Hekmat va Falsafeh (Weisheit und Philosophie). Die Zeitschrift widmet sich Themen der westlichen und der islamischen Philosophie und wird in englischer und persischer Sprache publiziert.

 

Zur Person

Prof. Hamidreza Ayatollahy studierte Philosophie an der Universität Teheran und Islam an den islamischen Instituten in Teheran. Sein Doktoratsstudium absolvierte er an der Freien Universität Brüssel, wo er 1998 promovierte. Seit 2002 ist er Vorstand des Institutes für Philosophie der Allameh Tabatabaii-Universität in Teheran. Er ist Herausgeber der Zeitschrift Hekmat Va Falsafeh (Wisdom and Philosophy), Direktor des „Mizan Educational Research Institute“ in Teheran, Mitglied renommierter Forschungsinstitutionen im Bereich der islamischen Philosophie und der Kulturwissenschaften, u. a. des „Sadra Islamic Philosophy Research Institute“, Autor von zahlreichen Publikationen und Artikeln in Fachzeitschriften, u.a. der Monographien Philosophy of Religion (Teheran 1995), Meanings and Problems in Philosophy of Religion (Teheran 2002), Our Fundamental Challenges on Religion, Science and Politics (Teheran 2005), Mulla Sadra’s Seddiquin Argument for the Existence of God: An Islamic Response to Kant and Hume (New York/Teheran 2005), und wissenschaftliches Mitglied des Projektes “The World Culture Report” (UNESCO und University of California, Los Angeles).

 

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