„Der schöne Hintern“

Kürzlich fand der erste Herbstvortrag der Archäologischen Gesellschaft Innsbruck in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klassische und Provinzialrömische Archäologie der Universität Innsbruck im Raiffeisensaal Innsbruck statt.
Aphrodite Kallipygos
Bild: Aphrodite Kallipygos

Der Vortragende Dr. Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffron (Rheinisches Landesmuseum Bonn) hielt am 6. Oktober 2005 einen viel beachteten Vortrag mit dem provokanten Titel „Der schöne Hintern“.

 

In erster Linie galt sei Hauptaugenmerk der so genannten Aphrodite Kallipygos (Neapel, Museo Nazionale), einer der berühmtesten hellenistischen Darstellungen der antiken Liebesgöttin. Er schlägt beim antiken Original eine andere Bewegungsrichtung des Kopfes vor als bisher angenommen. Damit stellt er sich gegen die allgemeine Lehrmeinung, dass nämlich Aphrodite gerade im Begriff sei, ihre hübsche Hinterseite zu betrachten, wobei man annehmen müsste, dass die Figur ursprünglich in einem Wasserbecken aufgestellt war, und Aphrodite sich darin spiegelt. Die neue Interpretation und der launige Vortrag fanden reichen Beifall im zahlreich erschienen Publikum.

 

Ansicht ändert die Betrachtungsweise

Griechische Statuen standen auf öffentlichen Plätzen oder in Heiligtümern, wo sie von verschiedenen Seiten betrachtet werden konnten. Waren sie zunächst vor allem auf ihre jeweilige Vorderansicht hin angelegt, so erlangten seit der spätklassischen Zeit auch die anderen Ansichtsseiten eine wachsende Bedeutung. Die spätklassische Statue des Herakles hält etwa in ihrer Hand auf dem Rücken drei Äpfel, die nur aus der Betrachtung der Rückenansicht sichtbar werden. Aber auch scheinbar eindeutig einansichtige Werke aus der Zeit des späten Hellenismus erlauben bei wechselndem Betrachterstandort eine vollständig andere Einschätzung der gezeigten Situation. So erzählen einige der vorgeführten Skulpturen oder Figurengruppen ganze Geschichten, die weit über die Präsentation des „schönen Hinterns“ hinausgehen.

 

Die Archäologische Gesellschaft Innsbruck und das Institut für Klassische und Provinzialrömische Archäologie veranstalten pro Jahr rund acht bis zehn Vorträge international renommierter Archäologen, zu denen Gäste und Interessenten jederzeit herzlich willkommen sind.