Lange Nacht der Museen im Forschungsinstitut Brenner-Archiv

Die Lange Nacht der Museen war auch heuer wieder Anlass für das Brenner-Archiv, mit einem außergewöhnlichen literarischen Programm aufzuwarten. Am vergangenen Samstag wurde den BesucherInnenn im Literaturhaus zunächst ein erst vor wenigen Jahren wieder aufgefundenes Barockspiel aus Südtirol vorgestellt und anschließend ein Einblick in die faszinierende Welt Fernando Pessoas vermittelt.
Johann Holzner, der Leiter des Forschungsinstituts Brenner-Archiv führte durch die Sammlungen des Archivs.
Bild: Johann Holzner, der Leiter des Forschungsinstituts Brenner-Archiv führte durch die Sammlungen des Archivs.

Den Auftakt der beiden Lesungen bestritten Eberhard Sauermann, Mitherausgeber der Innsbrucker Trakl-Ausgabe, und Johann Holzner, der Leiter des Instituts, mit Führungen durch die Sammlungen des Archivs.

Hirlanda

Unter dem Titel Barock total!  präsentierte der Südtiroler Autor und Literaturwissenschaftler Toni Bernhart einen Querschnitt durch das Spiel Hirlanda (1791):

Hirlanda: Durch falschheit zu feir verdamte unschuld ist in einer Laaser Handschrift aus dem Jahre 1791 überliefert. Dr. Toni Bernhart hat das Stück ediert und 1999 im Folio Verlag herausgegeben. Als eine der wildesten und zugleich schönsten Blüten der barocken Bilderflut des Katholizismus im Alpenraum, spielt das Trauerspiel über die Fürstin Hirlanda 1550 in der nordfranzösischen Stadt Rennes. Die bretonische Fürstin Hirlanda wird in Abwesenheit ihres Gatten Fürst Artus verleumdet, muss fliehen, verbirgt sich als Schafhirtin, wird schließlich zum Feuertod verdammt und zuletzt dann doch naturgemäß gerettet. Unterdessen tanzen die Teufel ihren Höllentanz, um der Seelen der Verdammten habhaft zu werden. Der englische König aber will mit dem Blut kleiner Kinder sein Leben retten. Unter dem Himmel, wo Christus mit seligen Seelen heilige Zwiesprache hält, wird weiter gemordet.

Buch der Unruhe

Für die Nachtlesung konnte Eleonore Bürcher verpflichtet werden. Sie las ausgewählte Passagen aus der riesigen Sammlung von Notaten in Fernando Pessoas Buch der Unruhe.

Fernando Pessoa (1888-1935) ist nicht nur der Begründer der modernen Dichtung in Portugal, sondern eine der Schlüsselfiguren der europäischen Moderne überhaupt. Spät erst wurde sein umfangreiches Werk, das in der Nationalbibliothek von Lissabon aufbewahrt ist, ediert. "In der Kunst gibt es keine Enttäuschung, weil die Täuschung von Anfang an inbegriffen war." Pessoa hat seine Verwandlungsfähigkeit in allen seinen Schriften und Gedichten immer wieder variiert. Als er 1935 starb, hinterließ er eine Truhe voll von Manuskripten, mehr als zwanzigtausend Seiten. Vieles blieb Fragment, wie sein Leben selber. Aber aus den Fragmenten stiegen seine Figuren, seine Heteronyme hervor: "Ich vervielfachte mich, um mich zu fühlen."

           

Führung durchs Brenner-Archiv

Vor, zwischen und nach den Lesungen konnten die BesucherInnen die wertvollsten Handschriften des Archivs bewundern und die wichtigsten "Brenner-Köpfe" kennen lernen. Die von Anton Unterkircher zusammengestellten Video-Installationen  waren von 18 Uhr bis 1 Uhr früh zu sehen.