Hotel Paradiso del Cevedale

Dipl. Ing. Michaela Haller, Absolventin der Architekturfakultät der Uni Innsbruck, präsentierte im Nationalparkhaus „culturamartell“ im Martelltal (Südtirol) ihre Diplomarbeit zum Thema „Hotel Paradiso del Cevedale“ mit dem Titel „Vom Traum des Erwachens“. Ihr Entwurfsvorschlag soll das Berghotel Paradiso aus dem Jahr 1936 von Gio Ponti am Fuße des Cevedale (2160 m) wiederbeleben.
Entwurf von Dipl. Ing. Michaela Haller
Bild: Entwurf von Dipl. Ing. Michaela Haller

Unter Berücksichtigung zeitgemäßer Anforderungen wird der Hotelkomplex neu inszeniert. Neubauten, die auf einen zukunftsorientierten Tourismus ausgerichtet sind und daher erforderlich sind, vervollständigen die Gesamtstruktur zu einer Ganzheit. Das Projekt selbst wird in einer Ausstellung im Nationalpark-Haus „culturamartell“ im Martelltal gezeigt. Eine informative Dokumentation zum Bau von Gio Ponti und zur Geschichte der Hotelbauten im alpinen Raum in der Zwischenkriegszeit ist ergänzend zum Projekt auf Schautafeln dargestellt. Das inhaltliche Ausstellungskonzept wurde von Michaela Haller und von Arch. Dr. Gardetto Massimo, ebenfalls Absolvent der Universität Innsbruck, erarbeitet.

 

Gedanken zum Ort

 

Schon so mancher hat beim Anblick des seit mittlerweile bald 40 Jahre leer stehenden Hotelbaus innegehalten. Wohl verwundert darüber, wie ein Gebäude dieser Dimension sich an so einem entlegenen Ort „verstecken“ kann. Eingebettet in den Talschluss des Martelltales im Vinschgau, umgeben von Dreitausendern, behauptet sich der zunehmend vom Verfall bedrohte Bau immer noch als geschichtlicher Teil der Zivilisation inmitten der unberührten Natur des Nationalparks Stilfserjoch. 1935 vom Mailänder Architekten Giovanni Ponti erbaut, ist das „Hotel Paradiso“ wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen, ein stiller Zeitzeuge. Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern haben hier einige Tage und Nächte verbracht, aber auch der Krieg hat mit seinen Ausläufern durch einquartierte Soldaten seine Spuren hinterlassen. Viele Geschichten haben sich in den Räumen des Hotels abgespielt, größtenteils verjährt und in Vergessenheit geraten. Nun ist es an der Zeit für ein neues Kapitel in der Geschichte des Hotels um einen Blick in die Zukunft zu riskieren.

 

Studien zum Thema

 

Schon im Jahre 1989 befassten sich die Architekturstudierenden der Universität Innsbruck mit dem Bau des Hotel Paradiso. Im Rahmen der Bauaufnahmen, unter der Leitung von Dr. Horst Hambrusch vom Institut für Baugeschichte, wurde eine ausführliche Bestandsaufnahme des Komplexes durchgeführt und dokumentiert.

Eine Gruppe von Studierenden unter der Leitung von Dr. Joachim Moroder hat im Rahmen von Raumgestaltungsanalysen in den 90er Jahren das Hotel Paradiso von den natürlichen Gegebenheiten des Landschaftsraumes ausgehend bis ins Detail des Gebauten untersucht. Dabei wurden die Räume und Raumfolgen, ihre Prinzipien und raumbildenden Merkmale sowie die wahrnehmbaren Raumqualitäten eingehend studiert und dargestellt.

 

Einen weiteren Schritt in der Auseinandersetzung mit dem Hotelgebäude von Gio Ponti hat Dipl. Ing. Michaela Haller mit Ihrer Diplomarbeit gesetzt. Michaela Haller hat für das Hotel des berühmten italienischen Architekten einen Sanierungsplan ausgearbeitet und durch ergänzende Neubauten ein Entwurfskonzept geschaffen, das durch die Neuinszenierung einen zeitgemäßen Hotelbetrieb in extremer Lage garantieren würde.

 

Das Hotel am Cevedale

 

Der konvex-geschwungene Körper mit dem nach Norden abfallenden Pultdach steht zur aufsteigenden Bergkulisse der Dreitausender als klare Antwort zum erlebbaren Gesamtraum. Diese eindeutige Haltung in der Formensprache kommt hier zum Ausdruck und wird bis ins Detail verfolgt. Die horizontale Lage des Baukörpers steht im Gegensatz zur steil ansteigenden Bergkulisse. Terrassen- und Balkongeländer sind auch im Detail waagrecht ausgerichtet.

 

Im Innenraum ist das Hotel für verschiedene Zielgruppen sorgfältig differenziert. Durch die Krümmung entstehen reizvolle Zimmer- und Gangfluchten. Elegant gelöst hat Ponti die schmale und langgestreckte Bar, die in der Raumstruktur die Krümmung des Gebäudes aufnimmt und die Gemeinschaftsbereiche im Hauptgeschoss integriert. Ponti setzt bei diesem Bau gezielt die Farbe als architektonisches Gestaltungsmittel ein um interessante Raumwirkungen zu erzielen. Durch horizontale Streifmuster verstärkt der Architekt die Wegführung in den Gängen. Die individuelle Farbgestaltung der Wände und Decken gibt jedem Raum eine eigene Identität.