Claudia de’Medici - eine Italienerin als Landesfürstin von Tirol

Das Landesmuseum Ferdinandeum war letzte Woche Schauplatz der Innsbrucker Historikergespräche, die heuer zum Thema "Claudia de’Medici - eine Italienerin als Landesfürstin von Tirol", stattfanden, der das Ferdinandeum derzeit auch eine Ausstellung widmet, die anlässlich des 400. Geburtstages der ehemaligen Landesherrin noch bis 26. September zu sehen sein wird. Die Organisation der Tagung oblag Dr. Elena Taddei vom Institut für Geschichte der LFU Innsbruck.
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Das Programm dieser Kurztagung war vielfältig und sollte die bis vor kurzem wenig beachtete Tiroler Landesfürstin, die 1604 geboren und im Jahr 1626 in Innsbruck einzog, von verschiedenen Ansatzpunkten näher beleuchten.

Die Vortragenden
Den Auftakt gab Univ.-Prof. Dr. Sabine Weiss, die Autorin der erst kürzlich vom Tyrolia-Verlag vorgestellten Biographie "Claudia de’Medici - eine italienische Prinzessin als Landesfürstin von Tirol", mit einem Überblicksvortrag über die Jugendzeit von Claudia in Florenz und Urbino, ihren Einzug in Innsbruck und Regentschaft in Tirol.

Der Vortrag von Dr. Astrid von Schlachta im Anschluss verglich Claudia de’Medici als Witwe und Vormundschaftsregentin mit anderen berühmten und weniger bekannten Fürstinnen dieser und der späteren Zeit. Dr. Robert Rebtisch schließlich beendete den Vormittag mit seinen Ausführungen über die Beziehung des Generalleutnants Mattias Gallas, der Nachfolger Albrechts von Wallenstein im 30jährigen Krieg, zur Landesfürstin, die in den Wirren des Krieges auch mit militärischen Problemen konfrontiert wurde. Am Nachmittag referierte dann Univ.-Prof. Dr. Franz Daxecker vom Institut für Augenheilkunde und Optometrie über den Physiker und Astronom Christoph Scheiner, der im Dienste des Erzherzogspaares stand und eine heftige Kontroverse mit Galileo Galilei führte.

Nachdem Dr. Stefan Tilg die Anwesenden in Geheimnisse der Panegyrik, der dichterischen Huldigung von Fürsten eingeführt hatte, stellten Dr. Eleonore Gürtler vom Landesmuseum Ferdinandeumvom und Frau Dr. Sonja Ortner vom Volksliedarchiv Innsbruck den Innsbrucker Hof als Zentrum europäischer Musikkultur und angesehener Künstler dar und rundeten somit den zweiten Teil des Nachmittags mit ansprechenden Bildern bzw. Hörbeispielen aus der Zeit Claudias ab.
Allen Beiträgen folgten jeweils anregende und wertvolle Diskussionen, auf die die ReferentInnen vor allem im Hinblick auf weitere Forschungsarbeiten dankbar und bereitwillig eingingen.

Zur Person
Claudia de’Medici wurde am 4.6. 1604 in Florenz als letzte Tochter des Großherzogs von Toskana Ferdinand I. und der Christine von Lothringen geboren. Bereits mit 4 Jahren ist sie an den zukünftigen Herzog von Urbino, Federico Ubaldo, versprochen worden, den sie auch im Jahr 1621 heiratete. Das Leben im kunst- und wissenschaftsreichen Urbino war für Claudia nicht leicht: Ihr Ehemann, ein exzellenter Reiter und Jäger, war ein schlechter Regent und darüber hinaus ein ungehobelter und herrischer Ehemann, der die Gesellschaft anderer Damen der seiner Ehefrau vorzog.
Im Juni des Jahres 1623 findet man Federico Ubaldo nach einer im Komödienhaus mit viel Wein verbrachten Nacht tot in seinem Bett auf. Die Todesursache Vergiftung bleibt ein Gerücht, die Ärzte sprechen aber von einem epileptischen Anfall. Für die damals 19-jährige Witwe bedeutete dies: Rückkehr nach Florenz, wo sie zunächst in einem Kloster untergebracht wurde. Doch das nächste Heiratsangebot lässt nicht lange auf sich warten. Der Bruder von Kaiser Ferdinand II., Erzherzog Leopold V., sollte auf die eingeschlagene geistliche Laufbahn verzichten und Claudia heiraten.
Und so zog Claudia im April 1626 in Innsbruck ein und wurde durch die Heirat mit Leopold V. zur Landesfürstin von Tirol.
Der Innsbrucker Hof, bereichert durch eine Reihe von Italienern, die mit Claudias Hofstaat mitgekommen waren und sich nun in Tirol etablierten, war nicht groß und stand aber in Kunst- und Musikkultur dem Wiener oder Florentiner in nichts nach.
Doch dieses aufwändige Hofleben und das bemerkenswerte Mäzenatentum zogen natürlich auch eine hohe Verschuldung mit sich und so häuften sich die Beschwerden der Tiroler Kammer, die die Rechnungen für Auftragswerke und Künstler begleichen musste. In der Ehe mit Leopold V. brachte Claudia insgesamt fünf Kinder, darunter zwei Söhne, zur Welt. Doch bereits nach sechs Jahren Ehe verstarb Leopold und machte Claudia so zum zweiten Mal zur Witwe. Doch anders als in Urbino gab es einen Nachfolger, ihren Sohn Ferdinand Karl, und Claudia übernahm bis zu seiner Mündigkeit die Regentschaft. So genannte Meilensteine in der Regentschaft Claudias sind die Errichtung der Festungen Ehrenberg, Kufstein und Scharnitz sowie die Verbesserung der militärischen Verteidigung Tirols, die aufgrund der ständigen Bedrohung der Ausweitung des 30jährigen Krieges nach Süden notwendig wurde. Weiters unterstützte Claudia die Errichtung des Merkantilmagistrates in Bozen 1633 und erlässt 1635 ein Dokument, das die Arbeit dieser Institution legitimieren soll: Das Merkantilmagistrat hatte die Aufgabe die paritätische Verteilung von italienischen und deutschen Kaufleuten, die Währung, den Warentransit so wie die Jahrmärkte zu regeln.
Laut Aufzeichnungen starb Claudia de’Medici am 25. 12. 1648 an "hidropesia" (Wasseransammlungen), das ein typisches Leiden in dieser Zeit war. (bb)