Hochschulbildung und Behinderung kein Widerspruch

Die Frage, wie behinderten Menschen der Zugang zu Hochschulbildung erleichtert werden kann, stand im Mittelpunkt einer internationalen Konferenz, die vom 20. bis zum 23. Juli an der Universität Innsbruck stattfand. Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam mit der University of New Orleans.
Higher Education and Disability
Bild: Ken Zangla, Director des TRAC an der University of New Orleans führte durch die Eröffnung. Die Reden wurden von einer Dolmetscherin in die Gebärdensprache übersetzt.

Alle drei Jahre ist die Universität Innsbruck Gastgeberin der International Conference on Higher Education and Disability, bei der sich Lehrende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Behindertenbeauftragte, Behördenvertreterinnen und -vertreter sowie Mitglieder internationaler Organisationen rund um das Thema Hochschulbildung und Behinderung austauschen. Circa 150 Gäste kamen heuer zur bereits 7. Auflage der Konferenz nach Innsbruck. „Nicht nur die Barrieren sondern auch die Chancen und Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung, die an einer Hochschule studieren oder arbeiten, sind vielfältig. Umso mehr freut uns das große Interesse an der Konferenz“, sagt Mitorganisatorin und Leiterin des Büros der Behindertenbeauftragten Dr. Elisabeth Rieder.

Universität Innsbruck ist vorbildhaft

Menschen mit Behinderungen stehen leider immer noch vor Herausforderungen, wenn sie eine Hochschule besuchen oder eine akademische Laufbahn einschlagen wollen. Diese reichen von mangelnder Barrierefreiheit von Gebäuden bis hin zum Fehlen behindertengerechter Lehrveranstaltungsunterlagen. Dass die Universität Innsbruck ein hervorragender Ort für die Auseinandersetzung mit der Thematik ist, zeigte sich bereits im Rahmen des Auftakts am ersten Konferenztag. Nach der Begrüßung durch Rektor Karlheinz Töchterle, legten Vizerektor Arnold Klotz und Behindertenbeauftragte und -vertrauensperson Elisabeth Rieder die Situation für Menschen mit Behinderung an der Universität Innsbruck dar: Diese hat in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen zum Abbau von Barrieren gesetzt. So stehen beispielsweise Studierenden mit Behinderung spezielle Tutorien zur Verfügung. Darüber hinaus finanziert die Universität Nichtbehinderte Studierende, die ihren Kolleginnen und Kollegen im Studienalltag helfen.

Besonders stolz ist man an der Universität Innsbruck auch auf das neue Leitbild für barrierefreies Bauen und Gestalten, das kürzlich gemeinsam mit einschlägigen internen und externen Expertinnen und Experten erarbeitet wurde und bis dato einzigartig in Österreich ist. „Wir übernehmen damit eine nicht zu unterschätzende Motivations- und Vorbildfunktion für andere österreichische Universitäten“, hob Vizerektor Klotz in seinen einleitenden Worten hervor. Bestätigt wurde dies auch von Mitorganisator Ken Zangla, dem Direktor des Training, Resource and Assistive-technology Centers (TRAC) der University of New Orleans. „Sie nehmen auf diesem Gebiet eine führende Rolle ein und können stolz darauf sein“, richtete er das Wort an die Gastgeber.

Neues Kurzstudienprogramm für Studierende mit Behinderungen in New Orleans

Eine weitere Neuheit an der Universität Innsbruck, die auch interessierten Studierenden aus ganz Österreich offensteht, ist ein auf die Bedürfnisse behinderter Menschen abgestimmtes Kurzstudienprogramm in New Orleans (ASP-D), das im Zuge der Konferenz erstmals vorgestellt wurde: Das Programm wird von Ellen Palli (Leiterin des Programms) und Dr. Elisabeth Rieder (Leiterin des Büros der Behindertenbeauftragen) koordiniert und findet im April 2011 statt.

Im Anschluss an die offizielle Begrüßung stellte die Katholieke Universiteit Leuven den „Myriam VanAcker Award for Leadership in the Disability Community“ vor, am Nachmittag fanden die ersten Workshops statt, bei denen gelungene Beispiele für Inklusion präsentiert und neue Wege zu einer weiteren Verbesserung des Hochschulzugangs für Menschen mit Behinderung erarbeitet wurden. Einen gesellschaftlichen Höhepunkt der Veranstaltung war der Abendempfang von Land Tirol und Stadt Innsbruck, bei dem sich die internationalen Gäste in entspannter Atmosphäre in der SoWi-Lounge mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Politik, Gesellschaft und Kultur austauschen konnten.

 

Internationaler Austauschplattform seit 1992

Die International Conference on Higher Education and Disability ist das Ergebnis einer langjährigen, engen Zusammenarbeit zwischen der Universität Innsbruck und dem Training, Resource and Assistive-technology Center (TRAC) der University of New Orleans. Als Austauschplattform für ExpertInnen, die sich mit dem Thema Hochschulbildung in Verbindung mit Behinderung auseinandersetzen, findet die Konferenz im Dreijahresrhythmus an der Universität Innsbruck statt. Seit ihrer Premiere im Jahr 1992 kamen ReferentInnen und Gäste aus 37 Staaten zur International Conference on Higher Education and Disability in die Universitätsstadt Innsbruck.

(ef)

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