Erfolgreicher Alumnus: Mr. Tamiflu

Am Montag war der Entdecker von Tamiflu und weiteren hochwirksamen Mitteln gegen Viruserkrankungen, Dr. Norbert Bischofberger, an der Universität Innsbruck zu Gast. Bischofberger hat von 1975 bis 1980 in Innsbruck Chemie studiert und später in der amerikanischen Biotech-Szene Karriere gemacht. Heute ist er Vizepräsident eines der größten Biotech-Unternehmens der Welt.
Prof. Bernhard Kräutler, Prof. Bernd-Michael Rode und Prof. Hubert Huppertz begrüßten Dr. Norbert Bischofberger (3.v.l.) an der Universität Innsbruck.
Bild: Prof. Bernhard Kräutler, Prof. Bernd-Michael Rode und Prof. Hubert Huppertz begrüßten Dr. Norbert Bischofberger (3.v.l.) an der Universität Innsbruck.

Mit Norbert Bischofberger kehrte am Montag ein erfolgreicher Alumnus der Universität Innsbruck an seine frühere Ausbildungsstätte zurück. Auf Einladung der Gesellschaft Österreichischer Chemiker (GÖCH) und des Forschungszentrums für Molekulare Biowissenschaften (CMBI) referierte Norbert Bischofberger im Großen Hörsaal der Chemischen Institute über die Entwicklung von Medikamenten gegen Viruserkrankungen wie HIV und Influenza. Es seien dies zwei gute Beispiele, wie die Wissenschaft über infektiöse Erkrankungen erfolgreich sein könne, so Bischofberger in seinem Vortrag. Im Fall von HIV sei es in nur 25 Jahren gelungen, von einer zunächst unbekannten Erkrankung zu einer guten Therapie zu kommen. Besonders an die zahlreichen jungen Zuhörerinnen und Zuhörer richtete der Chemiker den Appell, mit Optimismus und Risikobereitschaft ans Werk zu gehen. Es müsse der Leitspruch gelten: Morgen ist besser als heute. Auch sei Scheitern ein mögliches Ergebnis jeder Tätigkeit und müsse deshalb gesellschaftlich akzeptabel werden. Für Zynismus sei kein Platz in der Wissenschaft. Norbert Bischofberger war extra für den Besuch an der Universität aus den USA nach Innsbruck angereist. Es war den hartnäckigen Bemühungen von Prof. Bernhard Kräutler zu verdanken, dass dieser Besuch letztlich zustande kam.

 

Norbert Bischofberger (geb. 1954) wuchs in Mellau im Bregenzerwald auf, wo seine Eltern ein Gasthaus besaßen. Schon in jungen Jahren erwachte sein Interesse für die Chemie, als er mit dem Versuchskasten seines Bruders Experimente durchführte und dabei unter anderem den Dorfbriefkasten mit selbst hergestelltem Schwarzpulver in die Luft jagte. Nach der Matura studierte Bischofberger in Innsbruck Chemie und schloss 1980 mit einer von Prof. Bernd-Michael Rode begutachteten Diplomarbeit ab. Anschließend erwarb er an der ETH Zürich das Doktorat. Trotz Angeboten aus der Industrie zog es Bischofberger dann in die USA, wo er an der Harvard University ein Postgraduiertenstudium absolvierte. Dann forschte er zunächst beim Biotech-Unternehmen Genentech und seit 1990 für Gilead Sciences, einem der größten Biotech-Konzerne der Welt. Bischofberger ist heute dessen Vizepräsident und Forschungsdirektor. Mit seinem internationalen Team entwickelte er Anfang der 1990er-Jahre den Arzneistoff Oseltamivir, der heute unter dem Namen Tamiflu vermarktet wird und wegen der Grippepandemie derzeit großes Interesse weckt. Sieben weitere, hochwirksame Mittel gegen Viruserkrankungen folgten. 

(cf)