Andreas Hofer? Noch nie gehört!

Der Tiroler Volksheld ist im Land seines Gegners Napoleon weitgehend unbekannt, so Jean Sevillia, stellvertretender Chefredakteur des renommierten französischen „Figaro Magazine“.
Zeigten Andreas Hofer in neuem Licht: v.l.: Robert Ouvrard, Jean Sevillia, Moderator Eric Mousson-Lestang, Univ.-Prof. Dr. Helmut Reinalter, Alain Fourgeaux (Direktor Französisches Kulturinstitut Innsbruck), Laurence Cole, Reinhard Heydenreuter, Univ.-Prof. Mag. Dr. Eva Lavric (Leiterin interdisziplinärer Frankreich-Schwerpunkt), Roberto Sarzi.
Bild: Zeigten Andreas Hofer in neuem Licht: v.l.: Robert Ouvrard, Jean Sevillia, Moderator Eric Mousson-Lestang, Univ.-Prof. Dr. Helmut Reinalter, Alain Fourgeaux (Direktor Französisches Kulturinstitut Innsbruck), Laurence Cole, Reinhard Heydenreuter, Univ.-Prof. Mag. Dr. Eva Lavric (Leiterin interdisziplinärer Frankreich-Schwerpunkt), Roberto Sarzi.

Dieses überraschende Forschungsergebnis präsentierte er vergangenen Samstag im Rahmen der vom interdisziplinären Frankreich-Schwerpunkt der Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Privatinstitut für Ideengeschichte veranstalteten Tagung „Außenperspektiven: 1809. Andreas Hofer und die Erhebung Tirols“. Sevillia hat bisher das einzige französische Buch über Andreas Hofer und den Tiroler Aufstand geschrieben („Le Chouan du Tyrol“). Sein Landsmann Robert Ouvrard zeichnete ein Panoramabild der Situation Napoleons in jenem Jahr 1809, in dem der Kaiser sowohl innenpolitisch wie auch an diversen Außenfronten unter großen Druck geriet.

 

„Hofer ein meineidiger, rebellischer Bankrotteur“

Insgesamt über 130 BesucherInnen kamen ins Ferdinandeum, um Hofer und den Tiroler Aufstand gegen Frankreich aus einer neuen Sicht zu sehen. So erklärte Prof. Dr. Dr. habil. Reinhard Heydenreuter, Historiker und Insolvenzrechtler aus München, dass Bayern mit Tirol insgesamt recht unerfreuliche Erfahrungen machte, die sich in der Person Andreas Hofer als „meineidigem, rebellischem Bankrotteur“ fokussierten. Roberto Sarzi fügte die Sicht der Matuaner hinzu: Österreich emotional näherstehend als Italien, boten sie den Franzosen nach heutigem Wert 500.000 Euro für die Freilassung und Nicht-Erschießung Hofers – ein Angebot, das bekanntlich nicht angenommen wurde.

 

Univ.-Prof. Dr. Helmut Reinalter, Leiter des Privatinstituts für Ideengeschichte, erinnerte an die spanische Erhebung gegen Napoleon und zeigte die Ähnlichkeiten zu Tirol sowie die Position Wiens auf: „Spanien wurde als Vorreiter im Kampf gegen Napoleon gesehen und die Hoffnung damit verbunden, weitere europäische Staaten würden sich diesem Kampf anschließen. Letztlich ließen aber auch die Habsburger Spanien im Stich. Sehr wohl aber erkannte man in Wien die Parallelen zwischen den Aufständen in Tirol und in Spanien“, so sein Resümee.

 

Schäferlich idyllisches Bild der Tiroler Bergwelt

Laut Laurence Cole, University of East Anglia Norwich, konnte England nichts Entscheidendes zu einem erfolgreichen Ausgang des Krieges zwischen Österreich und Frankreich im Jahr 1809 beitragen. Die britische Regierung unterstützte aber Österreich und zuletzt Tirol direkt durch finanzielle Zuwendungen im Kampf gegen die Truppen Napoleons. „Im Großen und Ganzen wird die These vertreten, dass der Tiroler Aufstand ein Ereignis von relativ geringer Bedeutung für die britische Staatspolitik darstellte. Dagegen stoßen die Ereignisse des Aufstands auf großes Interesse beim britischen Publikum; der ‚heldenhafte Kampf’ der Tiroler gegen Napoleon wurde warm begrüßt und die Legende des ‚Märtyrers für die Freiheit’, Andreas Hofer, eines Tiroler Wilhelm Tells, im Lauf des 19. Jahrhunderts weiter gepflegt“, so Cole. Nicht selten sei dieser Hofer-Verehrung das verklärte Idyll der Tiroler Bergwelt zu Grunde gelegen.

 

Abseits der bekannten Pfade

Das Gedenkjahr 2009 nähert sich der Person Hofers regelmäßig aus einer Tiroler Sicht. „Mit unserer Veranstaltung wollten wir bewusst einen Kontrapunkt setzen und eine wichtige Lücke schließen, indem wir uns Hofer und der Tiroler Erhebung 1809 quasi von außen näherten“, so Univ.-Prof. Mag. Dr. Eva Lavric. Die Leiterin des interdisziplinären Frankreich-Schwerpunkts zeigte sich zufrieden mit dem Tagungsverlauf: „Der Besucherandrang sowie auch die ersten Reaktionen geben uns Recht. Hofer ist nur dann richtig zu verstehen, wenn zu der Tiroler Perspektive auch jene Frankreichs, Bayerns, Italiens, Spaniens und Großbritanniens berücksichtigt werden“.

 

„Außenperspektiven: 1809. Andreas Hofer und die Erhebung Tirols“ ist eine Veranstaltung des interdisziplinären Frankreich-Schwerpunkts der Universität Innsbruck und des Privatinstituts für Ideengeschichte in Zusammenarbeit mit dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, dem Französischen Kulturinstitut Innsbruck, der Stadt Innsbruck, dem Italien-Zentrum der Universität Innsbruck, dem Renner-Institut und der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Innsbruck.

 

(ip)