Kulturelle Diversität und Geschlechteregalität

Angelegt zwischen internationaler Tagung und interdisziplinärer Ringvorlesung eröffnete die Veranstaltung „Kulturelle Diversität und Geschlechteregalität“ an der Universität Innsbruck über 200 Studierenden ebenso wie zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland einen interessanten und lehrreichen Diskus­sionsraum zu einer gesellschaftspolitisch bedeutsamen Frage.
Zahlreiche TeilnehmerInnen diskutierten zum Thema Kulturelle Diversität und Geschlechteregalität
Bild: Zahlreiche TeilnehmerInnen diskutierten zum Thema Kulturelle Diversität und Geschlechteregalität

Gegenstand der Veranstaltung waren die so genannten „gendered troublesome issues“ in den aktuellen Debatten um Integration und multikulturelle Gesell­schaft: vom religiös motivierten  Tragen des Kopftuchs bis zum im Namen der Ehre verübten  Morden an Frauen und Mädchen. Das Ziel der Ver­anstal­tung war es, in den Wider­sprüchen und Paradoxien der öf­fent­lichen Debatte sowohl zu angemessenen und differen­zierten Problemdiagnosen als auch zu nicht fest­schreibenden und emanzipations­fördernden Problemanordnun­gen und Lö­sungsansätzen zu gelan­gen.

 

Um dies zu erreichen wurde zuerst die politische Integrationsdebatte analysiert, die dominant die Fragen  der Kultur/en über die Fragen der sozialen und politischen Rechte stelle, so Sieglinde Rosenberger. Daran an­schließend war es möglich, den vielfach strategischen Ein­satz der Debatte um diese „gendered troublesome issues“, insbesondere jene die so genannte „traditionsbedingte Gewalt“ betreffenden, geschlechter- und diversitäts­theoretisch zu reflek­tieren – Stichwort: Kulturalisierung und Exterri­toria­lisierung von (Männer)Gewalt einerseits und Ethnisierung und Essentialisierung von Kultur andererseits (Birgit Sauer & Sabine Strasser). Dabei wurde der Tatsache, dass die Debattenführerschaft zuletzt vor allem in Österreich besonders den rechtspopulistischen Parteien zukam und kommt, besondere Aufmerksamkeit ge­schenkt.

 

Die zahlreich Anwesenden Kommen­tator­Innen aus ein­schlägigen NGOs und Praxisprojekten im Feld stellten im Rahmen der Veranstaltung übereinstimmend einerseits die  Gewalt an Frauen als allgemeine Bedingung von Frauen in patriarchalisch strukturierten Gesellschaften heraus und plädierten andererseits dafür, die besonderen Bedingungen zu erkennen und anzuerkennen, die Frauen in spezifischen Konstellationen als Migrantinnen (etwa mit muslimischen Religionshintergrund) vorfinden und bewegen: Einmal weil ihnen als Migrantinnen längst nicht alle sozialen und politischen Rechte zukommen, die sie für ein Leben in Autonomie benötigten, zum anderen, weil sie spezifischen Gewaltformen aus­gesetzt sind oder sein können, die spezifischer Aufmerksamkeit, differenz­sensibler Ant­worten und besonderer Exit-Strategien bedürfen.

 

Im Zuge der Auseinandersetzungen wurde die unverzichtbare Frage nach Gleichheit und Differenz einschließlich des Gleichheits- und Differenzdilemmas ebenso gestellt wie die nach Anerkennung und Verteilung sowie nach universellen, nach Gruppen- und Individualrechten. Den studentischen Rückmeldungen zur Veranstaltung zufolge, ist es den Organisatorinnen der Ringvorlesung – dem Institut für Erziehungswissen­schaften und dem Büro für Gleichstellung und Gender Studies –  gelungen, diese Grundfragen am Beispielfall zu konkretisieren und ersten wichtigen Antworten zuzuführen.

 

Als ReferentInnen oder KommentatorInnen diskutierten an den drei Veranstaltungs­tagen: Erna Appelt, Tamar Citak, Zeynep Elibol, Lisa Gensluckner, Leila Hadj-Abdou, Johann Heiss, Yasemin Karagöz, Regine Kramer, Paul Mecheril, Corinna Milborn, Evelyn Probst, Michaela Ralser, Sieglinde Rosenberger, Ines Rössl, Sawitri Saharso, Birgit Sauer, Verena Schlichtmeier, Sabine Strasser, Birgit Unterlechner, Unni Wikan und Monika Zisterer.

(ip)

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