Vierte Österreichische Entwicklungstagung „Wachstum – Umwelt – Entwicklung“

Vom 14. bis 16. November wurde im SoWi-Gebäude der Universität Innsbruck die Vierte Österreichische Entwicklungstagung zum Thema „Wachstum – Umwelt – Entwicklung“ abgehalten. Zusammen mit rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutierten dabei internationale Expertinnen und Experten über Themen vom Klimawandel über Wasserknappheit bis zu biologischer Landwirtschaft.
„Eröffnungsdialog“ mit Heinz Leuenberger, Becky Malay, Karin Küblböck, Fred Kabuye und Helga Kromp-Kolb (v.l.n.r)
Bild: „Eröffnungsdialog“ mit Heinz Leuenberger, Becky Malay, Karin Küblböck, Fred Kabuye und Helga Kromp-Kolb (v.l.n.r)

Gerade in diesen Tagen erleben wir, wie stark speziell in einer Phase ökonomischer Probleme dem Wachstum gegenüber der Umwelt oder der Entwicklung eindeutig Vorrang eingeräumt wird. Die Klimaschutzziele der EU werden unter dem Eindruck gefährdeter Wettbewerbsfähigkeit ebenso in Frage gestellt wie die Finanzierung der Entwicklungszusammenarbeit in Zeiten geleerter Kassen.

 

Eine fragmentierte Landschaft

Zu diesen akuten Problemen gesellt sich noch ein generelles: Die Forschungs- und Politikfelder Wirtschaft, Umwelt und Entwicklung sind stark fragmentiert und die Aktivitäten laufen im besten Falle parallel, wenngleich nur selten aufeinander abgestimmt. „In Österreich etwa fallen sie in den Zuständigkeitsbereich von drei verschiedenen Ministerien – womit Forschung und Bildung noch gar nicht berücksichtigt sind. Es gilt aber selbst für zivilgesellschaftliche NGOs, die oft stark auf ganz spezifische Umwelt- oder Entwicklungsfragen fokussieren, während es doch eigentlich darum gehen müsste, das eigene Tun in einen größeren Kontext einzubetten. Denn was angesichts vielfältiger globaler Krisen  - der Finanzen, aber zumindest genauso z.B. der Ernährung und des Klimas – gefragt ist, sind nicht vorschnelle Reaktionen, sondern nachhaltige Strategien“, erklärt Dr. Andreas Exenberger vom Innsbrucker Institut für Wirtschaftstheorie, Wirtschaftspolitik und -geschichte.

 

Drei Tage intensive Diskussion

Diesem Thema war die Vierte Österreichische Entwicklungstagung von Beginn an verpflichtet. Daher bemühten sich während drei Tagen der intensiven Diskussion internationale Expertinnen und Experten darum, die Verwobenheit der betroffenen Forschungs- und Politikfelder aufzuzeigen. Den Anfang machte ein an vielen Stellen kontroverser Eröffnungsdialog zwischen Heinz Leuenberger (UNIDO), Helga Kromp-Kolb (Boku Wien), Becky Malay (Philippinen) und Fred Kabuye (Uganda). Daran schlossen sich Diskussionsrunden zu den Themen Energie (u.a. mit Christoph Bals, Bonn) und Landwirtschaft (u.a. mit Fred Kabuye) an. Der Samstagnachmittag war fünf Foren zu den Kernthemen der Tagung (Klima und Entwicklung, Technologischer Fortschritt, Agrotreibstoffe, globalisierte Landwirtschaft und Nutzungskonflikte um Wasser) und zehn Workshops gewidmet. Mit Visionen, die von Elmar Altvater (Berlin) und Becky Malay vorgetragen wurden, und der Forderung nach mehr Bereitschaft zum vernetzten Denken, organisierter politischer Aktivität und globaler Solidarität klang die Tagung schließlich am Sonntagmittag aus.

 

Für den nun schon seit 2001 laufenden Prozess der Entwicklungstagungen war von Anfang an  fragenorientiertes Lernen zwischen den Disziplinen Programm, weswegen auch kleinteilige Arbeitsgruppen in Form von Workshops eine zentrale Stellung im Tagungsprogramm einnehmen. Die aktuelle Tagung in Innsbruck bot daher auch Raum für ungewöhnlichere Formen der Auseinandersetzung mit dem Thema, die sich von einem „Forum der JungforscherInnen“ über eine Filmvorführung bis zum partizipativen Theater zogen. „Die Reflexion endet damit freilich nicht, sondern sie ist ein permanenter Prozess, der auch zwischen den Tagungen in verschiedenen Formen fortgesetzt wird. Auch für den Dialog zwischen Entwicklungs- und Umweltbewegten in Wissenschaft und Zivilgesellschaft war die Innsbrucker Tagung daher nur ein Beginn“, so Exenberger. Dafür garantiert nicht zuletzt die starke Beteiligung von Studierenden aus ganz Österreich.

 

Weitere Informationen

Wer sich für weitere Inhalte der Vierten Österreichischen Entwicklungstagung interessiert, findet auf der Tagungs-Homepage eine ausführliche Dokumentation. Auch die Nummer 3/2008 des Journals für Entwicklungspolitik widmete sich dem Thema „Wachstum – Umwelt – Entwicklung“ aus interdisziplinärer Perspektive. Im Umfeld der Tagung fand in Innsbruck zudem der 2007 begonnene Dialog österreichischer AkteurInnen der Entwicklungsforschung seine Fortsetzung. Damit wurde die Tagung auch zu einer Etappe bei der Vernetzung der an mehreren Fakultäten der Universität Innsbruck bereits gestarteten Initiativen zur Entwicklungsforschung – sowohl miteinander als auch mit Gleichgesinnten an anderen österreichischen Universitäten.

(ip)

Nach oben scrollen