Innsbrucker Archäologen starteten Tourismus-Projekt

Die Beschäftigung mit der Geschichte des eigenen Kulturraumes fasziniert immer mehr Menschen. Kürzlich startete das Institut für Archäologien in Zusammenarbeit mit der „ARGE Archäologie“ ein Projekt, das Interessierten die Möglichkeit bietet, an archäologischen Ausgrabungen teilzunehmen.
Touristen und Archäologen bei der gemeinsamen Arbeit (Foto: F.M. Müller)
Bild: Touristen und Archäologen bei der gemeinsamen Arbeit (Foto: F.M. Müller)
Der Verein „ARGE Archäologie“

Der Verein "ARGE Archäologie" in Wien bietet interessierten Laien seit einigen Jahren die exklusive Gelegenheit, im Zuge von Urlaubsreisen an ausgewählten archäologischen Ausgrabungen in Österreich mitzuarbeiten. Bisher war dies nur in Kärnten und Niederösterreich möglich. Durch eine Kooperation mit dem Institut für Archäologien der Universität Innsbruck konnten nun aber auch Touristen im Rahmen eines einwöchigen Kultur- und Erlebnis-Urlaubes erstmals in Tirol im Bereich der römischen Villa von Nußdorf-Debant forschen.

 

Die römische Villa von Nußdorf-Debant

In Nußdorf-Debant waren aufgrund eines lateinischen Textes aus dem 18. Jahrhundert und einer Georadarmessung im letzten Jahr archäologische Ausgrabungen unter der Leitung von Mag. Florian Müller vom Institut für Archäologien begonnen worden. Dabei konnten die Reste einer 1800 Jahre alten römischen Villenanlage freigelegt werden, die mit Wandmalerei und - für Tirol in diesen Ausmaßen und dieser Erhaltung einzigartigen - Fußbodenmosaiken ausgestattet war. Wegen der Bedeutung der Funde entschlossen sich nun sechs Gäste aus Deutschland und Österreich ihren „Grabungs-Urlaub“ in Osttirol zu verbringen.

 

Archäologische Ausgrabungen und Exkursionen für interessierte Laien

Nach einer Einführung in den Grabungsplatz und in die archäologischen Arbeitstechniken erfüllte sich so für die Teilnehmer ein vielfach lange gehegter Kindheitstraum: Sie konnten unter fachkundiger Anleitung der Innsbrucker Archäologen „Forscherluft“ schnuppern und weitere Bereiche der römischen Villa freilegen. „Unsere Gäste waren innerhalb kürzester Zeit in das Grabungsteam integriert und konnten durch ihre aktive Mitarbeit selbst dazu beitragen, dass bedeutende Funde nach Jahrtausenden erstmals wieder das Tageslicht erblickten“, sagt der Grabungsleiter Florian Müller. „Wir sehen das Ganze aber auch als entscheidenden Beitrag dazu an, unser Fach und unsere Forschungsmethoden einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Exkursionen und Ausflüge zu anderen archäologisch und geschichtlich interessanten Plätzen in Osttirol, an denen die Universität Innsbruck ebenfalls forscht, wie der Römerstadt Aguntum, dem Lavanter Kirchbichl, der St. Nikolauskirche in Matrei und Schloss Bruck in Lienz rundeten das Programm ab.

 

Jeder Teilnehmer an dieser Reise kann sich nicht nur als Freund, sondern auch als Förderer der Archäologie fühlen: Denn ein Teil der Reisekosten ergeht an das Institut für Archäologien der Universität Innsbruck und trägt damit zur unmittelbaren Finanzierung des Grabungsprojektes in Nußdorf-Debant bei.

 

(ip)

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