Wirtschaft im Fokus der Wissenschaft

Was können Unternehmen, Politik und Wirtschaftswissenschaften voneinander lernen? Diese Frage bildete am Sonntag den Rahmen des diesjährigen Tiroltages, der Eröffnungsveranstaltung des Europäischen Forums Alpbach 2008. Dabei standen die Forscherinnen und Forscher der Fakultäten für Volkswirtschaft und Statistik sowie Betriebswirtschaft der Universität Innsbruck im Mittelpunkt.
Rektor Prof. Karlheinz Töchterle bei der Eröffnung des Tiroltages 2008 im Congress Centrum Alpbach.
Bild: Rektor Prof. Karlheinz Töchterle bei der Eröffnung des Tiroltages 2008 im Congress Centrum Alpbach.

„Als Landeshauptmann bin ich froh und stolz, dass wir in Tirol mit der Universität und den beiden Fachhochschulen ausgezeichnete Forschungs- und Ausbildungsstätten für Wirtschaftswissenschaften haben“, betonte Günther Platter am Sonntag bei der Eröffnung des Tiroltages, der jedes Jahr in enger Zusammenarbeit zwischen dem Land Tirol, dem Kuratorium des Forums Alpbach und der Universität Innsbruck gestaltet wird. „Bildung und Wissen sind zur Grundlage unserer Gesellschaft geworden“, so der Landeshauptmann. In diesem Zusammenhang kündigte Landeshauptmann Platter auch ein verstärktes Engagement der Regierung an, Tirol zu einem High-Tech-Standort zu entwickeln. Erste Maßnahmen dazu wolle er im Herbst präsentieren. Rektor Prof. Karlheinz Töchterle verwies auf die enge Kooperation zwischen dem Forum Alpbach und der Universität und unterstrich die tragende Rolle der Universität in der Gesellschaft: „Wissen muss um des Wissens Willen erforscht werden, Wissenschaft muss zweckfrei sein. Wissen muss aber auch gepflegt und verkündet werden. Dazu braucht es die Universität“, so Prof. Töchterle bei der Eröffnung des Tiroltages. Der Rektor entschuldigte den nach einem Unfall verhinderten Vizerektor für Forschung, Prof. Tilmann Märk, der federführend an der Vorbereitung des Tiroltages mitgewirkt hatte.

 

Wirtschaftswissenschaftliche Leistungsschau

Dem Motto des diesjährigen Europäischen Forums Alpbach, Wahrnehmung und Entscheidung, folgend präsentierten die beiden wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten der Universität Innsbruck am Sonntag einige ihrer Forschungsschwerpunkte den zahlreich erschienen Besucherinnen und Besuchern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Von der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik beleuchtete Prof. Matthias Sutter experimentelle und neuroökonomische Untersuchungen von wirtschaftlichen Prozessen. Prof. Gottfried Tappeiner und Prof. Ulrike Tappeiner gaben einen Einblick in ihre Arbeiten zur nachhaltigen Entwicklung und zum Sozialkapital in der Europaregion Tirol. Über Determinanten von Wirtschaftswachstum und die Konvergenz des Wohlstands in den Regionen Europas sprach Prof. Jesus Crespo-Curesma. Für die Fakultät für Betriebswirtschaft stellte Prof. Hans Mühlbacher seine Überlegungen zur Illusion rationaler Unternehmerentscheidungen vor. Prof. Albrecht Becker zeigte, wie Lernen mit Controlling funktionieren kann, und der Wirtschaftsinformatiker Prof. Ronald Maier referierte aus Sicht des Wissensmanagements über Reiz und Risiko des Web 2.0 für Unternehmen. Zum Abschluss beleuchtete Prof. Martin Piber die Steuerung von Museen aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

 

Ein Fenster in die Universität

Bereits zum Auftakt des Tiroltages stellte der frühere EU-Kommissar Dr. Franz Fischler seine Überlegungen zur wissensbasierten Ökonomie als europäisches Erfolgsmodell der Zukunft vor. Dr. Wilhelm Kohler, Professor für Internationale Ökonomie an der Universität Tübingen und Absolvent der Universität Innsbruck, sprach aus ökonomischer Sicht über die Effekte der EU-Osterweiterung und der Südtiroler Unternehmer Dr. Philipp Selva widmete sich dem Thema Tirol/Südtirol im internationalen Kontext und den, aus seiner Sicht, daraus entstehenden Anforderungen an Land und Leute. Das Programm wurde durch eine, gemeinsam von der Tiroler Zukunftsstiftung und der EURAC organisierte, Firmenausstellung abgerundet.

Der Tiroltag ist jedes Jahr der offizielle Start des Europäischen Forums Alpbach und wurde bereits zum vierten Mal von Forschungsvizerektor Prof. Tilmann Märk in Zusammenarbeit mit dem Land Tirol und dem Kuratorium des Forums Alpbach organisiert. Seit 2005 öffnet diese Veranstaltung für Interessierte einen Blick auf die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit Tirols und insbesondere der Universität Innsbruck. Der Fokus der wissenschaftlichen Vorträge wechselt jährlich. Bisher wurden die herausragenden Forschungsleistungen der Innsbrucker Physik (2005), gemeinsam mit der Medizinischen Universität und der UMIT die Standortstärke im Bereich der Biowissenschaften (2006) und die gesellschaftliche Relevanz der renommierten Forschungsaktivitäten der Philosophisch-Historischen Fakultät, insbesondere auch im Hinblick auf die Tiroler Geschichte (2007), beleuchtet.

(cf)