Nobelpreisträgerin referierte beim Fakultätstag der Juristen

Neben zahlreichen VertreterInnen der Universität Innsbruck sowie der juristischen Gesellschaft in Tirol konnte Dekan Gustav Wachter auch die Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Dr. Shirin Ebadi beim Fakultätstag der Rechtswissenschaftlichen Fakultät begrüßen.
v.l.: Unirat Johannes M. Rainer, VR Wolfgang Meixner, Dr. Shirin Ebadi, Dekan Gustav Wachter.
Bild: v.l.: Unirat Johannes M. Rainer, VR Wolfgang Meixner, Dr. Shirin Ebadi, Dekan Gustav Wachter.

„Mit ihrem  traditionellen Fakultätstag will die Fakultät zum einen ihre Bedeutung für den Wissenschaftsstandort Innsbruck demonstrieren, zum anderen wollen wir aber auch eine Stätte des Gedankenaustausches sein“, so Dekan Gustav Wachter anlässlich der Eröffnung.

 

Menschrechte im Iran

 

Für den Festvortrag konnte in diesem Jahr Dr. Shirin Ebadi aus Teheran gewonnen werden. Die Anwältin Ebadi wurde 2003 für ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte im Iran mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. In ihrem Vortrag beschäftigte sie sich mit der Situation der Menschenrechte im Iran.

 

Laut Ebadi besteht die Legitimation einer Regierung nicht nur durch die Wahl. Um Demokratie zu gewährleisten, müsse sich diese Mehrheit auch an die Rahmenbedingungen der Demokratie – wie zum Beispiel die Einhaltung der Menschrechtsprinzipien – halten. Dazu zähle vor allem die Sicherung der Meinungsfreiheit, die Gleichbehandlung der Menschen, die Wahrung Religionsfreiheit und die Achtung des freien Willens.

 

Anhand bewegender Beispiele zeigte Shirin Ebadi während des Festvortrages auf, wie diese Grundprinzipien der Demokratie im Iran immer wieder verletzt wurden und werden. Sie berichtete von der Diskriminierung von Frauen, von einer irrationalen Rechtssprechung sowie von der Diskriminierung anderer Glaubensrichtungen als der Staatsreligion, dem schiitischen Islam.

 

 

Ebadi ging auch auf den Irak-Krieg ein und mahnte: „Demokratie kann nicht in die Köpfe der Menschen bombardiert werden.“ In ihren Schlussworten richtete Ebadi an das beeindruckte Publikum den Appell: „Um Demokratie zu erreichen, müssen wir großzügig sein wie der Himmel, Freundschaft verbreiten wie der Wind, wütend und brennend gegen Vorurteile und Nichtwissen vorgehen wie das Feuer und den Baum der Zusammenarbeit nähren wie die Erde.“

 

Menschenrechtsaktivistin Ebadi

 

Shirin Ebadi wurde 1975 als eine der ersten Frauen im Iran zur Richterin des Teheraner Gerichts berufen und übernahm schon bald dessen Vorsitz. Nach der Islamischen Revolution und der Flucht des Shahs Mohammed Resa Pahlewi 1979 wurde sie von ihrem Amt enthoben.  1994 gründete Ebadi die Vereinigung zum Schutz der Rechte der Kinder im Iran. 2000 vertrat sie die Interessen der Angehörigen von Opfern des Serienmordfalls und wurde wegen „Störung der öffentlichen Meinung“ zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt und erhielt Berufsverbot. Trotz wiederholter Drohungen hielt dies Dr. Ebadi jedoch nicht davon ab, sich auch weiterhin für die Rechte der in ihrem Land unterdrückten Menschen einzusetzen. 2003 erhielt sie für ihr Engagement den Friedensnobelpreis.

 

 

Franz-Gschnitzer-Förderungspreisträgerinnen

 

Ein weiterer Programmpunkt beim Fakultätstag der Rechtswissenschaftlichen Fakultät galt dem wissenschaftlichen Nachwuchs der Fakultät: Drei Nachwuchs-Juristinnen wurden für ihre Dissertationen mit dem Franz-Gschnitzer-Förderungspreis ausgezeichnet. Dr. Martina Kahn erhielt den Preis für ihre Dissertation „Einstellung und Anklage nach dem Strafprozessreformgesetz“. Mag. Christine Lehne wurde für ihre Dissertation „Geschichte der lateinischen rechtswissenschaftlichen Literatur in Tirol“ ausgezeichnet und Dr. Verena Messner erhielt die Auszeichnung für ihre Dissertation „Verfassungsrechtliche Asymmetrien im spanischen Autonomienstaat“.

 

 

Antrittsvorlesungen
 

Schließlich präsentierten sich auf dem Fakultätstag auch noch die neu berufenen ProfessorinInnen in der dicht gedrängten Aula mit ihren Antrittsvorlesungen der interessierten Öffentlichkeit:

Frau Prof. Anna Gamper (die neue Professorin für Öffentliches Recht) sprach zum Thema „Aktuelle Herausforderungen an ein ‚bewegliches System’ der österreichischen Bundesverfassung“.

Herr Prof. Andreas Scheil (seit 2007 Professor für Finanz- und Wirtschaftsstrafrecht) widmete seine Antrittsvorlesung dem Thema „Jüngste Entwicklungen des Finanz- und Wirtschaftsstrafrechts in Österreich“.

 

 

(sr)

 

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