Slow Food–Gründer referierte am Italien-Zentrum

Das Italien-Zentrum der Universität Innsbruck lud am 10. Juni zu einem Vortrag von Carlo Petrini. Carlo Petrini aus Bra/Piemont ist Gründer und Vordenker von Slow Food® und bereist mit seiner Botschaft als gefragter Redner die ganze Welt. Das „Time Magazine“ ernannte ihn 2004 zum „European Hero“.
Carlo Petrini begeisterte das Publikum.
Bild: Carlo Petrini begeisterte das Publikum.

Zu Petrinis Vortrag mit dem Titel „Buono, pulito e giusto – Gut, sauber und fair“ konnte Dr. Barbara Tasser, Leiterin des Italien-Zentrums der Universität Innsbruck, zahlreiche interessierte Besucher begrüßen. Der Titel des Vortrags  ist auch das Credo von Carlo Petrini und der von ihm gegründeten, mittlerweile internationalen Bewegung. Slow Food® entstand als Gegenbewegung zur 1. McDonalds–Filiale in Rom und hat das Ziel, das hektische Leben zumindest bei Tisch zu entschleunigen und sich auf gute, saubere und faire Produkte zu besinnen. Mittlerweile zählt Slow Food® weltweit rund 80.000 Mitglieder in über 35 Ländern und ist aus dem kulinarischen Leben Italiens nicht mehr wegzudenken.

In seinem Vortrag, der auf Italienisch gehalten und von zwei Dolmetscherinnen konsekutiv übersetzt wurde, erklärte Petrini die Grundsätze von Slow Food® und prangerte die Schizophrenie an, die heute am Lebensmittelmarkt existiert. „Gott hat uns geschaffen, damit unsere Art erhalten bleibt. Dazu ist es nötig zu essen und uns zu lieben“, so Petrini. „Beides dreht sich um den Genuss.“ Auf diesen gelte es sich wieder zu besinnen.

 

Lokale Landwirtschaft stärken

2005 bezeichnete eine Studie der Vereinten Nationen über das Ökosystem der Welt die Nahrungsmittelproduktion als Hauptverursacherin der desaströsen Situation. „Nach 150 Jahren Pestiziden und Chemikalien sind die Böden unserer Mutter Erde nicht mehr fruchtbar. Wir müssen ihr wieder mehr Respekt entgegen bringen“, erklärte Petrini den Ansatz seiner Bewegung. Dem Verlust der Artenvielfalt müsse Einhalt geboten werden, die Rückbesinnung auf lokale Produkte ist laut Petrini die wichtigste Maßnahme, um der bedenklichen Entwicklung am Lebensmittelmarkt zu begegnen.

 

„Familiengrab“ Kühlschrank

Seiner Ansicht nach haben wir uns von einer Gesellschaft, die hungerte, zu einer Gesellschaft des Überflusses gewandelt, haben diesen Übergang allerdings noch nicht verstanden, weshalb unsere Kühlschränke zu „Familiengräbern“ verkommen, wo Nahrungsmittel verrotten, während in einem anderen Teil der Welt Menschen Hunger leiden.  „Auf der Welt werden Nahrungsmittel für 12 Milliarden Menschen produziert. Von den rund 6,6 Milliarden, die auf der Erde leben, hungern rund 800 Millionen. Demgegenüber stehen 1,6 Milliarden Menschen die an Diabetes und Übergewicht leiden“, schilderte Petrini die paradoxe Situation. Bereits heute sei eines von vier Kindern übergewichtig, Diabetes ist laut Petrini die neue Pandemie der Welt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, konzentriert sich Slow Food® auch auf die Erziehung und Schulung von Kindern. Bei Kochkursen oder in Schulgärten soll ihnen der Wert und Geschmack der Lebensmittel nähergebracht geschult werden.

 

Teure Lebensmittel?

Dem Vorwurf, Slow Food® sei eine elitäre Bewegung, da hochwertige Lebensmittel teurer seien, begegnete Carlo Petrini ebenfalls mit einem Zahlen-Vergleich: „1970 wurden in Italien 35% des Einkommens für die Nahrung aufgewendet, heute sind es nur mehr rund 14%. Demgegenüber gibt der Italiener rund 12% seines Einkommens für das Handy aus. In welcher Gesellschaft leben wir, wo beinahe gleich viel Geld für das Telefonieren wie für das Essen ausgegeben wird?“ Gleichzeitig merkte er an, dass die hohen Ausgaben für Diätprodukte nicht nötig wären, wenn sich die Menschen für gute, saubere und faire Produkte entscheiden würden.

 

Als wichtigste Maßnahme appellierte Petrini an jeden einzelnen, sich auf die Qualität lokaler Produkte zu besinnen. Nur so könne man den Wahnsinn stoppen, dass man Lebensmittel, die auch von der heimischen Landwirtschaft produziert werden, aus Kostengründen importiere. Abschließend gab er dem faszinierten Publikum den Rat: „Slow Life“.

 

 

(sr)

 

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