Ying Chen – Quebecer Literatur „mit Zöpfen“

Das Zentrum für Kanadastudien der Universität Innsbruck steht im März 2008 im Zeichen der frankophonen Migrationsliteratur. Aus diesem Anlass fand am 5. März in der Claudiana in Zusammenarbeit mit der Münchner Frühjahrsbuchmesse eine zweisprachige Lesung mit der gefeierten kanadischen Autorin Ying Chen statt.
Ying Chen
Bild: Ying Chen mit Prof. Ursula Moser (Leiterin des Zentrums für Kanadastudien).

Bei ihrem Besuch in Innsbruck las Madame Chen aus ihrem Roman Querelle d’un squelette avec son double (2003) und führte das Publikum in die Welt einer jungen Frau, die nach einem Erdbeben unter den Trümmern ihres Hauses begraben liegt – mit gebrochenen Beinen, den kleinen Sohn irgendwo unter ihr – und sich in einem gefühlsstarken Dialog mit einer ihr sehr ähnlichen älteren Frau verbindet ‑ bis an einen Punkt, an dem die Grenzen ihrer Identitäten verschwimmen.

 

Nicht nur Madame Chens bescheidene Art, ihr erfrischendes Wesen, ihre kraftvollen und doch subtilen Texte und die gelungene (und gelungen vorgetragene) deutsche Übersetzung machten den Abend zu einem stimmungsvollen Literaturerlebnis vor vollem Haus. Bei einem Umtrunk mit kanadischen Weinen zum Ausklang stellte Madame Chen staunend fest, dass in Österreich der grüne Tee im Tetrapack kommt, und ihr Publikum, dass Quebecer Migrationsliteratur nicht nur mit Worten, sondern auch mit Zöpfen bezaubern kann.

 

Das Zentrum für Kanadastudien dankt der Firma Hillinger (Vorchdorf) für die kanadischen Weine und Katrin Hillgruber für die deutsche Übersetzung.

Text: Julia Stiebellehner