Warum George Sand gerade Alfred de Musset geliebt hat,

das war nach dem Musset-Abend von Sylvia Tschörner und Günter Lieder im Claudiasaal am Frankreich-Schwerpunkt letzten Dienstag, 11.3.08, am Ende wohl jedem klar.
Dr. Sylvia Tschörner (Schauspielerin), Prof. Eva Lavric (Leiterin des Frankreich-Schwerpunkts), Günter Lieder (Schauspieler) (Foto: Pehofer)
Bild: Dr. Sylvia Tschörner (Schauspielerin), Prof. Eva Lavric (Leiterin des Frankreich-Schwerpunkts), Günter Lieder (Schauspieler) (Foto: Pehofer)

Mit spielerischer Verve und nuancenreicher Darstellung wurde hier einem romanistik-interessierten Publikum vorgeführt, was für ein feiner Psychologe, was für ein genialer Dramatiker, was für ein ungeahnter Feminist der für seine tändelnden (Tragi-)Komödien berühmte französische Romantiker war.

 

Alfred de Musset war von intelligenten, geistreichen, unabhängigen Frauen fasziniert und hat solche auch in spannungsreichen Dialogen auf die Bühne gebracht.

 

Ein Liebes-Ringen, das in feinsten Nuancen einen halben Abend lang hin und her geht und dabei, bis ganz zuletzt, immer haarscharf auf der Kante bleibt – das ist die Szene aus dem berühmten Caprice „Il faut qu’une porte soit ouverte ou fermée“ – deutsch: „Zwischen Tür und Angel“ –, die von den beiden Schauspielern in szenischer Lesung gut gewürzt serviert wurde.

 

Keine Beziehungskiste aus dem 19. Jahrhundert, sondern Geschlechterkampf mit feinster Klinge – zwischen Strindberg und Marivaux, immer mit Grazie, Leichtigkeit, Witz; in einer Welt, in der der Mann nichts mehr fürchtet als den Vorwurf, ein Langweiler zu sein.

 

Die Romanistin und Schauspielerin Sylvia Tschörner hat mit ihrer Truppe „Elevat ardor“ wieder einmal einen beinahe vergessenen Autor ins Bewusstsein des Publikums zurückgeholt, sie hat uns seine unerhörte Modernität greifbar gemacht.

 

Gebt uns Musset! Wir wollen mehr!

 

Anm.: Die Liebesgeschichte zwischen Alfred de Musset und George Sand endete übrigens so, dass er krank wurde und sie ihn aufopfernd pflegte, ihn dabe aber mit seinem Arzt betrog. Er ist nie wirklich darüber hinweggekommen…

 

Text: Eva Lavric