Klimawandel: 1000 Jahre Klimaentwicklung und Witterungsextreme

Der neueste IPCC Bericht hat die breite Öffentlichkeit aufgerüttelt. Die Medien sind voll von Sonderberichten über den Klimawandel und seine Folgen. Die Zukunft unseres Klimas birgt vielfältige Probleme in sich. Wie steht es mit diesen Entwicklungen und Prognosen, wenn sie in einen weiteren zeitlichen Rahmen gestellt werden?
Prof. Rüdiger Glaser
Bild: Prof. Rüdiger Glaser

Dieser Frage ging Prof. Rüdiger Glaser, Direktor des Instituts für Physische Geographie an der Universität Freiburg am 21.11. vor einem breiten Publikum nach. Professor Glaser bot Einblick in seine Forschungsarbeit zu Fragen der historischen Klimaentwicklung, mit der er sich seit 20 Jahren beschäftigt und die er in zahlreichen Publikationen dargelegt hat; sowie in die Arbeit an und mit der Historischen Klimadatenbank Deutschland, die er an den bisherigen wissenschaftlichen Stationen Würzburg, Heidelberg und Freiburg aufbauen konnte.

 

Auf der Grundlage seiner langjährigen Forschungsarbeiten behandelte Prof. Glaser die Klimaentwicklung und Witterungsextreme der letzten 1000 Jahre. Besonders interessant ist hierbei der interdisziplinäre Ansatz Glasers, denn die Grundlage der Forschungen bilden schriftliche Quellen wie mittelalterliche und frühneuzeitliche Inschriften und Chroniken, aber auch private Texte wie Tagebücher – oder die niederländische Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts. Diesen Quellen, die einen eigenen Interpretationsweg erfordern, werden in einem nächsten Schritt die Erkenntnisse naturwissenschaftlicher Verfahren gegenüber gestellt.

 

So konnten Fachstudierende und Laien durch mittelalterliche Codices oder durch die Gemälde Brueghels oder Caspar David Friedrichs Interessantes über unterschiedliche methodische Zugangswege, aber auch über konkrete Klimaentwicklungen und die aufgetretenen Extreme erfahren. Akten von „Hexenprozessen“ aus dem 17. Jahrhundert gaben Aufschluss darüber, wie Klima, im konkreten Falle Hagelstürme, von den jeweiligen Gesellschaften wahrgenommen und interpretiert werden konnte – nämlich nicht als Folge naturwissenschaftlich erforschbarer Prozesse, sondern als „Teufelswerk“. Und scheinbar nebenbei wurden die Hörer vertraut gemacht mit Begriffen wie „Mittelalterliches Wärmeoptimum“, „Kleine Eiszeit“ und „Treibhausklima“, mit denen die verschiedenen Phasen der Klimaentwicklung der letzten 1000 Jahre zum Ausdruck gebracht werden

 

Die Erkenntnisse haben aber nicht zuletzt für die Versicherungswirtschaft großen Wert, da die Wahrscheinlichkeit von Hochwassern und anderen Naturkatastrophen, die, wie sich in den Arbeiten zeigt, nicht auf den Klimawandel zurückzuführen sind, durch eine größere Datenmenge, die einen Zeitraum von 1000 Jahren berücksichtigt, genauer berechnet werden kann, was z.B. für Schutzverbauungen vom großer Wichtigkeit ist.

 

Der Vortrag fand im Rahmen der von der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Wissenschaft und Verantwortlichkeit (WuV) organisierten Vortragsreihe „Klimawandel“ statt, die am 12.12. mit einem Vortrag zum Thema „Megastädte und Klimawandel“ fortgesetzt wird.

Nach oben scrollen