Kampf gegen den internationalen Terrorismus

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "ProtagonistInnen der italienischen Kultur & Politik" des Italien-Zentrums der Universität Innsbruck fand am 10. Mai ein interessanter Vortrag des italienischen Staatsanwalts Stefano Dambruoso statt.
v.l.: Generalkonsul Alberto Ceccarelli im Gespräch mit Staatsanwalt Stefano Dambruoso
Bild: v.l.: Generalkonsul Alberto Ceccarelli im Gespräch mit Staatsanwalt Stefano Dambruoso

Dambruoso gehört zu den „Hauptdarstellern“ der italienischen Justiz-Szene. Acht Jahre lang war er stellvertretender Oberstaatsanwalt in Mailand, wo er sich vorwiegend mit Untersuchungen bezüglich des fundamentalistischen islamischen Terrorismus beschäftigt hat. Weiters war er bei der Ständigen Vertretung Italiens bei den Vereinten Nationen in Wien und bei der Europäischen Union als Berater in Bezug auf eben dieses, sein Hauptinteresse, tätig. Das Magazin „Time Europe“ führte ihn im Jahr 2003 unter den „European heroes“ und europäische Medien haben oft von ihm, seinen Untersuchungen und seinen Erfolgen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus berichtet.

 

Nach einer ausführlichen Vorstellung durch den Oberstaatsanwalt am Landesgericht Bozen, Dr. Cuno Tarfusser, der den unermüdlichen Einsatz des Referenten und dessen Erfolge, trotz seines jungen Alters hervorhob, präsentierte Dambruoso in seinem Vortrag eine Analyse über die Aktivitäten im Kampf gegen den Terrorismus, indem er das Hauptaugenmerk auf drei spezifische Phasen im Zeitraum von Mitte der 90er Jahre bis heute legte:

 

Eine erste beinhaltet Formen von Terrorismus, die mit lokalen Situationen in den einzelnen arabischen Staaten in Verbindung zu bringen sind, wie etwa die Krise in Palästina und Israel. Diese Phase dauerte bis zum Erscheinen Osama Bin Ladens, einer Persönlichkeit, der es gelungen ist, unterschiedliche Anliegen zu einer gemeinsamen Idee zu verdichten, und der es verstand, eine globale Sprache und ein Zugehörigkeitsgefühl gegenüber einem „Markenzeichen“ wie „Al Qaeda“ als gemeinsames Symbol im Kampf aller arabischen Völker zu kreieren.

 

Die zweite Phase ist von den erschütternden Attentaten in den Jahren zwischen 2001 und 2004 von New York über Madrid bis London gekennzeichnet, die die Sicherheitsmechanismen der westlichen Welt in die Knie gezwungen haben.

Als dritte und letzte Phase ist jene anzusehen, in der es in Europa zu keinen Anschlägen mehr gekommen ist und sich die Aufmerksamkeit auf die militärischen Ereignisse im Irak verlagert hat, was zu einer generellen Abnahme der Spannung der Problematik gegenüber geführt hat.

 

Dambruoso hob weiters eine fast schon systematische Abwesenheit der europäischen Staaten im aktiven und kontinuierlichen Kampf gegen den Terrorismus hervor; eine Unaufmerksamkeit, die wohl mit der Tatsache zusammenhängt, dass man „keine eigenen Opfer zu beklagen hat“, also nie die Erfahrung eines Attentats und seiner Folgen auf dem eigenen nationalen Territorium gemacht hat, abgesehen von den furchtbaren Ereignissen in Madrid und London, die eine erhöhte Aufmerksamkeit dem Phänomen gegenüber bewirkt haben. Wer an die Präsenz des Terrorismus erinnert, muss aber nicht gleich ein „Panikmacher“ sein, sondern eine Person, die zwischen den Zeilen der gesellschaftlichen Fakten liest.

 

Als letzten Punkt hat sich der Staatsanwalt mit der Perspektive der Integration von islamischen MitbürgerInnen auseinandergesetzt, unter dem Gesichtspunkt der gezielten Herabsetzung des terroristischen internationalen Spannungsniveaus in den einzelnen Ländern. Dabei handelt es sich um einen Aspekt, bei dem nicht alle Experten gleicher Meinung sind, und der ein gegenseitiges Verständnis und eine reziproke Integration voraussetzt. Die Integration ist laut Dambruoso eines der Schlüsselinstrumente für die Lösung des Problems, allerdings nur, wenn diese nicht einseitig ist, wenn sie auch ein Nachempfinden und Anerkennen der demokratischen Prinzipien in den Gastländern seitens der islamischen MitbürgerInnen zur Folge hat.