Uni Innsbruck liefert wichtige Impulse für die Denkmalpflege

Naturwissenschaften sind für die Denkmalpflege von Bedeutung: Die Zusammenarbeit des Instituts für Mineralogie und Petrographie mit Restauratoren, Architekten und Denkmalpflegern hat dank Prof. Peter W. Mirwald an der Universität Innsbruck eine fruchtbare Tradition. Anlässlich seiner Emeritierung fand ein Festkolloquium zum Thema „Naturwissenschaft und Denkmalpflege“ statt.
Romanisches Kapellenportal auf Schloss Tirol aus Sterzinger Marmor.
Bild: Romanisches Kapellenportal auf Schloss Tirol aus Sterzinger Marmor.
Fragestellungen mit starkem Nord- und Südtirolbezug

Seit 1990 existiert am Institut für Mineralogie und Petrographie der Universität Innsbruck unter der Leitung von Herrn Prof. Peter W. Mirwald eine Arbeitsgruppe „Historische Baumaterialien“. Die Arbeiten, die sich schwerpunktmäßig mit der materialwissenschaftlichen Charakterisierung historischer mineralischer Baustoffe (Naturstein, Mörtel und Putze) sowie Untersuchungen zu deren Verwitterungsverhalten befassen, sind besonders eng mit den Regionen Tirol und Südtirol verbunden. Dies sowohl hinsichtlich der materialwissenschaftlichen Fragestellungen als auch bezüglich der Auswahl von zu bearbeitenden Objekten, wobei hier eine sehr enge Zusammenarbeit mit dem Landeskonservatorat Innsbruck und dem Denkmalamt Bozen besteht. Darüber hinaus gibt es viele interdisziplinäre Kontakte zu und Zusammenarbeit mit Bauforschern, Archäologen, Architekten und Restauratoren in Nord- und Südtirol.

Mit Oktober 2006 ist Prof. Mirwald in den Ruhestand getreten. Aus diesem Anlass und im Rahmen eines derzeit laufenden EU Interreg Projektes („Materialkundliche und interdisziplinäre Untersuchungen an ausgewählten Baudenkmälern als Schlüsselbeispiele zur optimierenden Planung von Erhaltungsmaßnahmen“) fand am 22. und 23. März 2007 in Innsbruck eine Tagung zum Thema „Naturwissenschaft und Denkmalpflege“ statt. Die Arbeitsgruppe, derzeit bestehend aus Dipl. Ing. Anja Diekamp, Mag. Ulrich Obojes und Mag. Michael Unterwurzacher sowie aus Dr. Thomas Bidner, hatte die zweitägige Tagung organisiert und ein thematisch weit gespanntes Programm zusammengestellt.

 

Breitgefächertes Tagungsprogramm

Zur Eröffnung am Donnerstag den 22. 03 hoben Herr Dr. Erhard, in Vertretung von Kultur- Landesrat Dr. Kohler, Herr Dr. Stampfer als Landeskonservator von Südtirol, in Vertretung von Frau Landesrätin Dr. Kasslatter-Mur, der Landeskonservator von Tirol HR Dr. Caramelle und der Vizerektor für Forschung der Universität Innsbruck, Herr Prof. DDr. Märk, die Bedeutung der Naturwissenschaft für die Denkmalpflege und die fruchtbare, interdisziplinäre Zusammenarbeit von Denkmalpflegern, Restauratoren und Architekten mit Natur- und Materialwissenschaftlern hervor, die sich über die Jahre hier entwickelt hat.

Der thematisch weit gespannte Bogen der Tagung umfasste die neuesten Ergebnisse in den Bereichen Objektdokumentation und Bestandsaufnahme, Stein und Steinverwitterung, Putze- Mörtel, Farbe an Denkmalobjekten bis zur Vorstellung von Restaurierbeispielen. In diesem Rahmen wurden auch die Ergebnisse der Innsbrucker Arbeitsgruppe aus den Themenkreisen Stein, Putz-Mörtel, Verwitterung, und Herkunftsbestimmung von Marmorobjekten dem Auditorium (etwa 200 Teilnehmern) aus Naturwissenschaftlern, Denkmalpflegern, Restauratoren und interessierten Laien vorgestellt.

Neben Untersuchungen an aktuellen, allgemeinen Problemen fanden naturgemäß die Forschungen aus dem Tiroler Umfeld besondere Beachtung, z.B. die wissenschaftlichen Untersuchungen sowie die praktischen Ausführungen von Erhaltungsmaßnahmen auf der Feste Kufstein, Schloss Tirol und an der Klause von Altfinstermünz. Diese Projekte dokumentieren eindrucksvoll wie Fachleute der verschiedensten Richtungen – Denkmalpfleger, Naturwissenschaftler, (Bau)-Historiker, Architekten und Restauratoren - ein interdisziplinäres Netz bilden, um die komplexe Aufgabe einer theoretisch fundierten und in der Ausführung nachhaltigen Maßnahme zu bewältigen.

Der von der Innsbruck university press in der Reihe der Monographs hervorragend gestaltete Tagungsbad „Naturwissenschaft und Denkmalpflege“ gibt in 25 thematisch z.T. sehr verschiedenen wissenschaftlichen Beiträgen einen guten Überblick über den Stand dieses interdisziplinären, praxisorientierten Forschungsbereichs.

 

Publikation "Kulturgüter in Tirol"

Als jüngstes Ergebnis der Arbeit der Innsbrucker Gruppe konnte im Rahmen der Tagung auch noch ein Heft aus der Publikationsreihe „Kulturgüter in Tirol“ vorgestellt werden, die von der Abteilung Kultur der Tiroler Landesregierung herausgegeben wird. Der Titel dieser für eine breitere Öffentlichkeit gedachten Publikation entsprach mit „Naturwerkstein und Denkmalpflege in Tirol“ durchaus dem Thema der Tagung. Zum Abschluss der Tagung bedankte sich Prof. Mirwald beim Auditorium, insbesondere bei den Autoren und seiner Arbeitsgruppe für das außerordentlich ehrenvolle „Ruhestandsgeschenk“.

 

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