Barbara Frischmuth zu Gast im Literaturhaus am Inn

Im Rahmen der Raymund Schwager - Innsbrucker Religionspolitologische Vorlesungen hielt die Autorin Anfang März einen Vortrag zum Thema „Kann der Glauben Berge versetzen? Und wenn ja, wie hoch dürfen sie sein? Gedanken zum gegenwärtigen Erscheinungsbild des Islam“.
Barbara Frischmuth
Bild: Barbara Frischmuth

Die Vorlesungsreihe beruht auf der Initiative der interdisziplinären Forschungsplattform „Weltordnung – Religion – Gewalt“. Gemeinsam mit dem Literaturhaus am Inn und dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv lud die Forschungsplattform Barbara Frischmuth ein, innerhalb der Reihe „Auseinandersetzung mit dem Islam“, ihre Gedanken zum gegenwärtigen Erscheinungsbild des Islam zu äußern. Die Autorin setzt sich immer wieder für Toleranz, Offenheit und ein Verständnis zwischen Religionen und Kulturen ein.

 

Durch Literatur das Leben anderer verstehen

Prof. Johann Holzner, Leiter des Forschungsinstitut Brenner-Archiv, stellte die Autorin mit einführenden Worten den zahlreichen Gästen vor und betonte die Wichtigkeit von Literatur für die Beschäftigung mit dem Islam. „Literatur schärft den Blick für fremde Kulturen“, so Johann Holzner, denn Schriftsteller würden nicht nur in die Rollen von guten Charakteren schlüpfen, sondern sich auch in die Situation von Fundamentalisten oder Extremisten versetzen. Besonders Barbara Frischmuth führte er weiter aus, habe sich für islamische Schriftsteller eingesetzt und mitgeholfen das Erscheinungsbild des Islam in Österreich zu vervollständigen.

 

Aufklärungsarbeit zur gegenseitigen Achtung

Zu Beginn Ihres Vortrags betonte Barbara Frischmuth, dass sie heute nicht das Bild des alltäglichen Islam diskutieren wolle. Sie gehe heute Abend nicht auf die Problematik der Selbstmordattentäter, der Ehrenmorde oder der Beschneidung ein. Ihr war es vielmehr wichtig, dass ein Modus für das gegenseitige Zusammenleben gefunden wird. Ein Zusammenleben, das durch gegenseitige Achtung und vor allem durch die Anerkennung von Verfassung und Gesetzen gekennzeichnet ist. Um zu diesem Zustand zu kommen, betonte sie, ist aber noch Aufklärungsarbeit auf beiden Seiten notwendig. Exemplarisch für diese Arbeit stellte sie die Werke dreier Autoren vor. Navid Kermani, Abdelwahab Meddeb und Zafer Senocak ist gemeinsam, dass sie islamischen Glaubens sind, in westlichen Ländern aufgewachsen sind und sich in literarischer Form mit dem Konflikt zwischen Orient und Okzident auseinander setzen.

 

Innenansichten des Islam

Barbara Frischmuth hat für den Vortrag diese drei Autoren ausgewählt, weil sie eine gewisse Distanz zu ihrem Heimatland entwickelt haben und so objektiver das Alteingesessene kritisieren könnten. Außerdem sind ihre Werke auf Deutsch erschienen und so könnten Interessierte des Abends in ihren Büchern weiterlesen. Wichtig war es Barbara Frischmuth zu zeigen, dass die intellektuelle Debatte über den Islam viel zu häufig von westlichen Intellektuellen geführt wird, die viel zu selten mit Muslimen diskutieren oder Innenansichten des Islam kennen. Die drei von ihr vorgestellten Autoren dagegen zeigen in ihren Werken auf, mit welchen Problemen die islamische Kultur heute zu kämpfen hat. So bezeichnet Abdelwahab Meddeb den Fundamentalismus als die Krankheit des Islam, die aus dem Niedergang der einstigen islamischen Macht – während des osmanischen Reiches - hervorgegangen ist.

 

Mehr Toleranz und gegenseitiges Kennen lernen

Auch in der Diskussion, die nach dem Vortrag stattfand, setzte sich Barbara Frischmuth für mehr gegenseitige Toleranz ein. So wünschte sie sich, dass bei Debatten über den Islam nicht immer nur die negativen Seiten gesehen werden, wie zum Beispiel bei der aktuellen Erörterung über den EU-Beitritt der Türkei. Eine Integration betrifft beide Teile, betonte sie und könne nicht einseitig von der Türkei gefordert werden. Auch in der Frage zum Kopftuchtragen, das mehrfach in der Diskussion angesprochen wurde, forderte sie mehr Toleranz. „Das Kopftuch steht nicht für die Diskriminierung der Frau, sondern ist Ausdruck eines Lebensgefühls“, unterstrich sie. Abschließend sprach sie sich für das gegenseitige Kennen lernen aus, denn nur so könne die Angst vor dem Fremden genommen werden.

 

Über Barbara Frischmuth

Barbara Frischmuth wurde am 5. Juli 1941 in Altaussee (Steiermark) geboren. Sie studierte Türkisch und Ungarisch in Graz, Erzurum und Debrecen. Anschließend ging sie für ein Orientalistikstudium nach Wien. Seit 1966 arbeitet sie als Schriftstellerin und Übersetzerin und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. 2006 erhielt sie den „Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. Barbara Frischmuth lebt in Wien und Altaussee. Ihr Werk umfasst inzwischen mehr als 30 Romane, Erzählbände, Essays und Übersetzungen, von denen einige bereits verfilmt wurden.