„Das Bildnis eines behinderten Mannes“

Am 07. 12. 2006 wurde in Schloss Ambras b. Innsbruck die Ausstellung „Das Bildnis eines behinderten Mannes - Blicke, Ansichten, Analysen. Bildkultur der Behinderung vom 16.- 21. Jahrhundert“ eröffnet.
Ausstellung „Das Bildnis eines behinderten Mannes“
Bild: Ausstellung „Das Bildnis eines behinderten Mannes“ (Foto: Monika Zanolin)

Die Ausstellung ist Teil eines Forschungsprojektes, in dem unter Leitung von A.Univ.-Prof. Dr. Volker Schönwiese das Institut f. Erziehungswissenschaften (EZWI), die Sammlung Schloss Ambras des kunsthistorischen Museums (KHM) und die Selbsthilfeorganisation „Selbstbestimmt Leben Innsbruck“ (SLI) kooperieren. Prof. Volker Schönwiese, Dir. Dr. Alfred Auer (KHM) und Mag. Christine Riegler (SLI) eröffneten vor 200 Gästen die Ausstellung, die bis 30. Juni 2007 in Schloss Ambras b. Innsbruck  zu sehen ist.

 

In der Kunst- und Wunderkammer von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol im Kunsthistorischen Museum Sammlung Schloss Ambras bei Innsbruck hängt seit dem 16. Jahrhundert das "Bildnis eines behinderten Mannes". Es ist ein international einmaliges Dokument zur Geschichte von Behinderung. Ein Forschungsprojekt, in dem das Institut für Erziehungswissenschaften der LFU Innsbruck, das Kunsthistorische Museum Wien - Sammlung Schloss Ambras sowie „Selbstbestimmt Leben Innsbruck“ zusammengearbeitet haben, widmete sich in den letzten zwei Jahren der Analyse und dem Kontext des "Bildnisses eines behinderten Mannes", finanziert vom transdisziplinären Forschungsprogramm TRAFO des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Wien. Die Ausstellung auf Schloss Ambras bei Innsbruck präsentiert erste Ergebnisse dieses Forschungsprojekts.


Das "Bildnis eines behinderten Mannes" wirft viele Fragen auf: Welche Rolle hatten behinderte Frauen und Männer im 16. Jahrhundert? Welche Blicke wurden damals auf sie gerichtet? Und: Sind die Blicke auf behinderte Personen heute anders? Wie wollen behinderte Personen sich selbst sehen und darstellen? Die Ausstellung nähert sich spielerisch, lehrreich, historisch und künstlerisch dem Umgang mit Bildern von Behinderung. Bekannte zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung haben sich mit dem Bildnis auseinandergesetzt, beteiligt sind u. a. Martin Bruch, Hall; Karin Flatz und Georg Urban, Innsbruck; Hans Witschi, Zürich/New York; Die Schlumper, Hamburg. Durch das Gegenüber- und In-Frage-Stellen unterschiedlicher Blicke verdeutlicht die Ausstellung den Wandel der Betrachtungsweise von Menschen mit Behinderung: vom Sammlungsobjekt zum Dokument der Existenz, von der medizinischen Diagnose zur kulturellen Bedeutung, von der Fürsorge zur Selbstbestimmung.