Gründung der HMPPA: Von der Heilkraft der Pflanzen

Pflanzliche Arzneimittel sind im Vormarsch. Die neue, interdisziplinäre und international agierende wissenschaftliche Plattform wurde am 1. Dezember in Innsbruck gegründet. Sie stellt einen erstmaligen Schulterschluss von Westlicher und Traditioneller Chinesischer Medizin dar.
HPPMA
Bild: v.l.: Dr. Oswald Mayr, Dr. Heribert Pittner, Prof. Hermann Stuppner, Prof. Brigitte Kopp, Prof. Chlodwig Franz, Prof. Angelika Vollmar, Robert Unterweger.

Rund 80 % der Weltbevölkerung kurieren ihre Krankheiten heute zumindest teilweise mit pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka). Die Nachfrage steigt kontinuierlich an. Ebenfalls immer größerer Beliebtheit erfreuen sich bei den KonsumentInnen/PatientInnen Therapien und Heilverfahren aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), aber auch z.B. der Tibetischen Medizin, der Hildegard- und der Ayurveda-Medizin.

 

Von den weltweit vorkommenden 300 - 400.000 Arten höherer Pflanzen werden weniger als 10 % therapeutisch verwendet. Hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe und pharmakologischen Wirkungen sind aber erst 5 bis 10 % der Pflanzenarten untersucht. Das Potenzial für neue, wirksame Arzneimittel aus diesem Bereich scheint also unerschöpflich.

 

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Gründung der Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) noch mehr Gewicht. Die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) ist ein neues, einzigartiges und internationales wissenschaftliches Netzwerk mit höchster Kompetenz im Bereich pflanzlicher Arzneimittel und Naturstoffforschung. Die erklärten, interprofessionellen Tätigkeitsfelder dieser Plattform sind die Grundlagen- sowie anwendungsorientierte Forschung und deren Umsetzung in der Pharmazeutischen Industrie genauso wie die Aus- und Weiterbildung im Bereich pflanzlicher Arzneimittel. Damit positioniert sich Österreich einmal mehr im weltweiten Kontext als anerkanntes Kompetenzzentrum für Phytoforschung.

 

Die Menschen dahinter

Präsident der HMPPA ist Univ. Prof. Dr. Hermann Stuppner, der Leiter des Instituts für Pharmazie der LFU Innsbruck. Als Vizepräsidenten fungieren Univ. Prof. Dr. Brigitte Kopp, Department für Pharmakognosie der Universität Wien sowie Univ. Prof. Dr. Chlodwig Franz, Leiter des Instituts für Angewandte Botanik an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Neben weiteren Mitgliedern der Plattform arbeitet auch ein international besetzter Wissenschaftlicher Beirat für die HMPPA.

 

Im gemeinsamen Arbeiten liegt die Stärke: Die West-Ost-Achse

Die Arbeit der HMPPA gründet sich auf drei Tätigkeitsfelder: Grundlagenforschung, Anwendungsorientierte Forschung sowie Aus- und Weiterbildung. Das gemeinsame und übergeordnete Ziel ist es, die Erforschung und Entwicklung von Naturstoffen und pflanzlichen Arzneistoffen voran zu treiben und gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft diese Erkenntnisse zugunsten von PatientInnen nach modernsten wissenschaftlichen Standards umzusetzen. Dazu arbeiten Universitäten in Graz, Innsbruck und Wien auf überregionaler Ebene zusammen. Kooperationen bestehen zudem mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen, Registrierungsbehörden, Organisationen, sowie Partnern aus der Wirtschaft in Österreich und dem europäischen Umfeld.

Durch die Beteiligung von WissenschaftlerInnen aus den Fachgebieten Angewandte Botanik, Analytische Chemie, Phytochemie, Pharmazie, Pharmakognosie und Medizin ist Kompetenz vom Rohstoff bis zum fertigen pflanzlichen Arzneimittel gegeben. Erstmals arbeiten dabei auch Experten aus Westlicher Schulmedizin und Traditioneller Chinesischer Medizin Seite an Seite.

 

Tirols Landeshauptmann begrüßt die Chancen, die sich durch die HMPPA eröffnen

Tirols Landeshauptmann DDr. Herwig van Staa lobte mittels einer Grußadresse die Gründung der HMPPA auch im Sinne der KonsumentInnen/PatientInnen: „Als Landeshauptmann von Tirol liegt mir die Gesundheit und in diesem Zusammenhang natürlich auch eine bestmögliche medizinische Versorgung der Bevölkerung besonders am Herzen. Angesichts der breiten Palette an alternativmedizinischen Angeboten wissen die Menschen oft nicht, auf wessen Hilfe sie vertrauen sollen. Die Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Methoden der Schul- bzw. Alternativmedizin sind für den medizinischen Laien kaum abzuwägen“. Der Landeshauptmann stellte fest, dass es daher umso begrüßenswerter sei, Experten der Westlichen Schulmedizin und der TCM zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit zu bringen und damit die Erforschung und Entwicklung pflanzlicher Wirkstoffe weiter zu treiben.

 

TCM-Cluster „lebt“ - Chinesisch-Österreichisches TCM-Institut in Gründung begriffen

Um im Umfeld der Chinesischen Arzneipflanzenforschung höchste einheitliche Qualitätsstandards und die Unbedenklichkeit in der Anwendung zu gewährleisten, hat sich bereits im Oktober 2006 der TCM Research Cluster Austria (kurz: „TCM-Cluster“) im Rahmen der HMPPA konstituiert. Er wird von Univ. Prof. Dr. Rudolf Bauer, Leiter des Bereichs Pharmakognosie am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften von der Karl-Franzens-Universität in Graz geleitet. Weitere Österreich-Partner des Clusters kommen von den Universitäten Innsbruck und Wien.

 

Innerhalb dieses Clusters erfolgt eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit und ein reger Wissensaustausch zwischen Forschern in China und Österreich. Es sollen im Wesentlichen die Methodenentwicklung zur Qualitätskontrolle vorangetrieben, neue Monografien für das Europäische Arzneibuch verfasst und neue pflanzliche Arzneimittel erforscht und entwickelt werden.

 

In Gründung befindlich ist derzeit ein Chinesisch-Österreichisches TCM-Institut. Ein entsprechendes Memorandum zum Abkommen zwischen Eurasia-Pacific Uninet und der Cheinesischen Medizin für Chinesische Medizinische Wissenschaften (Chinese Medical Sciences) wurde kürzlich unterzeichnet