Enzensberger-Stern

Anfang November erhielt der Schriftsteller, Lyriker und Essayist Hans Magnus Enzensberger für seine Verdienste um die Darstellung der Mathematik in der Öffentlichkeit von der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) ein Objekt von besonderer Schönheit überreicht. Erfinder der Glas-Skulptur mit sechs Spitzen („Enzensberger-Stern“) war Prof. Herwig Hauser von der LFU Innsbruck.
Der Enzenberg-Stern von Herwig Hauser
Bild: Der Enzenberg-Stern von Herwig Hauser

„Im September hat mich DMV-Präsident Günter Ziegler von der TU Berlin gebeten, zur Verleihung der Medienpreise eine singuläre Fläche zur Ehrung von Herrn Enzensberger zu produzieren“, erläutert Hauser. „Singularitäten“ – so heißen in der Mathematik Punkte oder Linien, an denen eine Fläche nicht glatt ist. Gemeinsam mit einem Forscherteam am Institut für Mathematik der LFU Innsbruck hat sich Hauser auf diesem Spezialgebiet der algebraischen Geometrie international beachtete Meriten erworben. Den Innsbruckern gelang es unter anderem, viele der aus Gleichungen mit den drei Unbekannten x, y und z errechneten Flächen mittels Visualisierungssoftware optisch adäquat darzustellen. „Das Feilen an der Visualisierung kann Tage in Anspruch nehmen“, sagt Hauser. Gilt es doch Blickwinkel, Farben und virtuelle Beleuchtung so zu wählen, dass die Struktur einer Fläche möglichst klar wird.

 

Zahlenkunst von bizarrer Schönheit

Das Ergebnis war Zahlenkunst von bizarrer Schönheit, Flächen mit Spitzen, Kanten, Knicken, Kurven, Rundungen. Für die Anfrage von DMV-Präsident Ziegler sollte diese Kunst nun von der Zwei- in die Dreidimensionalität gewandelt werden. „Die DMV wollte unbedingt ein Modell der Fläche, etwa einen 3D-Plot – was technisch in der vorhandenen Zeit nicht möglich war. Wir schlugen dann die Glasfigur vor“, erklärt Hauser. „Ich habe den Stern ausgewählt, weil er ästhetisch ansprechend ist, die Symmetriegruppe des Oktaeders hat, und sich vom Glastechniker Bernd Weinmayer aus Mariastein als Modell nachbauen und mit fluoreszierendem Neon-Plasma füllen ließ.“

 

Eine Fläche für den Poeten

„Eistüte“, „Kolibri“, „Octdong“ oder „Vis-à-Vis“ – die meisten der Namen für die verschieden ausgeformten algebraischen Flächen hat sich Herwig Hauser ausgedacht. Dass nun der Dichter Hans Magnus Enzensberger als Namensgeber zu Ehren kam, ist ungewöhnlich. Die DMV zeichnet ihn damit für seine vielfältigen, einsichtsreichen und originellen Brückenschläge zwischen Mathematik und Öffentlichkeit aus. In diesem Zusammenhang hervorzuheben ist das Kinderbuch „Der Zahlenteufel“ (1999) und seine Rede „Zugbrücke außer Betrieb. Mathematik im Jenseits der Kultur – Eine Außenansicht“ zum Internationalen Mathematikerkongress 1998 in Berlin.

 

Frankfurter Lob für Innsbruck

Den Journalistenpreis 2006 der DMV erhielt Ulf von Rauchhaupt vom Ressort Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Herr Rauchhaupt hat in den Tagen nach der Verleihung meine Web-Seite konsultiert und mich daraufhin gebeten, einen Artikel über Singularitäten machen zu dürfen.“, führt Hauser aus. Der Artikel erschien am 26. November 2006 unter dem Titel „Die Schönheit der Mathematik“. Rauchhaupt stellt darin die außergewöhnlichen Leistungen des Innsbrucker Forschungsteams ausführlich dar und illustriert diese mit einer umfänglichen Bildergalerie. „Können Gleichungen schön sein?“, fragt Rauchhaupt einleitend und kommt zum Schluss: „Nicht nur schön, sondern sogar für den Nichtmathematiker verblüffend.“