Vision Possible!?

Am 10. und 11. November war die Technik fest in Kinderhand: An die 5.000 Besucher stürmten regelrecht die Aktionstage der Jungen Uni und brachten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren zahlreichen Fragen ganz schön zum Schwitzen.
Nach den Sternen greifen
Bild: Nach den Sternen greifen

„Vision possible!?– Was ist alles möglich in der Wissenschaft?“ war das Motto der heurigen Aktionstage auf der Technik. Am Freitag folgten über 2.000 Schülerinnen und Schüler, insgesamt an die 90 Schulklassen, dem Ruf der Wissenschaft. Und am Samstag kamen viele Kinder nochmals mit ihren Eltern oder Großeltern, da sie am Vortag mit der Schule nicht alles gesehen hatten.

 

Lästige Fragen erlaubt

Ein Team von 120 Professoren, Studierenden und Uni-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühte sich, den Besucherinnen und Besuchern Rede und Antwort zu stehen und sie in die Geheimnisse der Forschung einzuweihen. Lästige Fragen waren ausdrücklich erlaubt, wie auch Vizerektor Tilmann Märk und Landesrat Erwin Koler bei der Eröffnung betonten.

Wann wird der erste Mensch am Mars stehen? – Gernot Grömer vom Institut für Astrophysik begeisterte die 9-18 Jährigen mit seiner Feststellung, dass „der erste Mensch am Mars bereits geboren ist und einer von euch sein könnte!“

Kann der Roboter, mit dem der Wirtschaftsinformatiker Alexander Hörbst Prozesse erklären wollte, auch  in die Nase beißen? Autsch, ja er kann, war die leicht schmerzvolle Antwort auf Gernots (9) Frage, aber erst wenn er richtig programmiert worden ist.

Wie funktionieren wirtschaftliche Märkte? - Nur wer am Besten handeln konnte, verdiente bei den Finanzwissenschaftlern neben Schokolade-Naps auch einige Cents.

Wie schaut die Energie der Zukunft aus? – In der Ausstellung „Fusion-Expo“, einer Wanderausstellung der EU, die erstmals in Österreich zu sehen ist, wird die Energie aus Kernfusion thematisiert. Die Ausstellung im ICT-Gebäude ist noch bis 16. November zu sehen.

 

Soziale Visionen

Aber auch die Frage, ob ein friedliches Zusammenleben möglich ist, wurde von den Theologen Martina Kraml und Nikolaus Wandinger beantwortet und die Kinder wurden aufgefordert, ihren Visionen in Zeichnungen Ausdruck zu verleihen.

Der geisteswissenschaftliche Forschungsschwerpunkt „Kulturen im Kontakt“ stellte die kulturelle Vielfalt Europas in den Mittelpunkt: Die „Einreise“ nach Frankreich war nur mit einer „Carte d´identité“ möglich, die Besucher konnten italienisch „parlieren“ oder in vier Sprachen den Fall Zinedine Zidane auf den Grund gehen. Dass Diakritika keine slawischen Göttinnen und auch keine Kritiker der Diaprojektion sind, sondern Zusatzzeichen in der Schrift, hörten die jungen Forscherinnen und Forscher in den Minisprachkursen Polnisch, Russisch und Bosnisch-Kroatisch-Serbisch.

Was Jocelyn Bell Burnell als Erste entdeckte war schon etwas schwieriger und konnte nur bei der Station „FIT - Frauen in die Technik und Naturwissenschaften“ ausgekundschaftet werden.

 

Historische Visionen

Wer sich mehr mit historischen Visionen beschäftigen wollte, der fand Antworten bei der Station „Verbrannte Visionen – Die Hutterer zwischen Tirol und Amerika“. Projektleiterin Astrid von Schlachta vom Institut für Geschichte ließ auch gerne Kinder die traditionellen Kleider der Hutterer probieren. Im Land, wo der Pfeffer wächst, war Schmecken, Riechen und Genießen angesagt. Mitarbeiterinnen der Grünen Schule erläuterten die Herkunft und Bedeutung der Gewürze und erfüllten das Architekturgebäude mit Düften von Zimt, Safran oder Zitrone.

 

Das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks

Das Geotechniklabor und das Wasserbaulabor entpuppten sich als „Bermuda-Dreieck“. Denn hier „verschwanden“ viele Kinder und waren für Stunden nicht mehr zum Weitergehen zu bewegen. Das Murenmodell, der Erdbebenschüttler und das Schiffe-Versenk-Becken zogen sie magisch an, die Eltern unterhielten sich inzwischen mit den Wissenschaftlern, und löcherten beispielsweise den Geotechniker Wolfgang Fellin mit Fragen über die Schwierigkeiten mit der Hangstabilität beim Bau der neuen Hungerburgbahn. Bei der Station von Thomas Weinold vom Institut für Vermessung und Geoinformation, der den Stand der Vermessungstechnik zeigte, hielten die Kinder, aber auch ihre Eltern, minutenlang still, um sich einen Laserscan von ihrem Gesicht anfertigen zu lassen.

 

Die Junge Uni existiert seit 2001 und war damit eine der ersten Kinderunis im deutschsprachigen Raum. Ca. 13.000 Kinder und Jugendliche besuchen pro Jahr die verschiedenen, altersgerechten Angebote und erhalten damit Einblick in Wissenschaft und Forschung. Die Universität Innsbruck kommt damit schon jahrelang und auf sympathische Art und Weise ihrem Auftrag nach, die Öffentlichkeit   über ihre Forschungsleistungen zu informieren.