Neues über Mozart

Im heurigen Jubiläumsjahr ist Mozart in aller Munde. Eine erfrischende Abwechslung zu manchen inhaltlichen Wiederholungen bot „Ein Abend mit Mozart“, eine Veranstaltung des Tiroler Landeskonservatoriums und des Italien-Zentrums der LFU.
v.l.: Prof. Helmut Reinalter, Dr. Barbara Tasser (Italien-Zentrum), Dr. Giacomo Fornari, Vizerektor Tilmann Märk.
Bild: v.l.: Prof. Helmut Reinalter, Dr. Barbara Tasser (Italien-Zentrum), Dr. Giacomo Fornari, Vizerektor Tilmann Märk.

Der Innsbrucker Historiker Prof. Helmut Reinalter vom Institut für Geschichte und Ethnologie der LFU und der Musikwissenschafter Dr. Giacomo Fornari vom Musikkonservatorium Monteverdi Bozen näherten sich der Person Mozart und seinem Schaffen von unterschiedlicher Perspektive. Während Prof. Reinalter „Mozart und seine Zeit“ untersuchte, erarbeitete Dr. Fornari die dem „Don Giovanni“ innewohnende Ironie und Politik.

 

Seiner Zeit voraus

 

„Mozarts Verhältnis zum Josephinismus war ein durchaus gutes, auch wenn er sich von der Kulturpolitik Josephs II. mehr erwartete“, so Prof. Reinalter. Seinem Streben vor allem nach künstlerischer Freiheit stand seine Abhängigkeit von höfischen Diensten entgegen. „Mozart kämpfte um seine Freiheit, gleichzeitig war er auf höfische Aufträge angewiesen. Er verließ Salzburg nach einem Konflikt mit Fürst Erzbischof Colloredo und ging nach Wien, um sich als freier Künstler sozusagen am offenen Markt zu etablieren. Mit diesem Vorhaben war Mozart mindestens um 100 Jahre zu früh. Als bürgerlicher Abhängiger hat er den Kampf um seine Freiheit mit der höfischen Aristokratie verloren“, konstatierte Prof. Reinalter.

 

Gegen die Mystifizierung und Instrumentalisierung Mozarts

 

Mozarts Weltbild war tief von der Freimaurerei geprägt. „Wer zu Zeiten Mozarts etwas galt, war Mitlied einer Freimaurerloge. Auch Mozart war Freimaurer, wohl auch aus Gründen der Opportunität. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er mit Überzeugung die Ideale der Freimaurerei vertrat, besonders hinsichtlich der möglichen Besserung des Menschen durch die ‚Arbeit am rauen Stein’“, formulierte es Prof. Reinalter. Seine politische und weltanschauliche Überzeugung fand mehrfach Niederschlag in Mozarts künstlerischem Schaffen, ein Umstand, der dazu beitrug, dass er und sein Schaffen von späteren Generationen immer wieder instrumentalisiert wurden. Dazu Prof. Reinalter: „Deutscher Nationalismus, österreichischer Patriotismus, aufgeklärte Religiosität, Liberalismus, Antiklerikalität, Freimaurerei, soziale Revolutionen, humanistischer Klassizismus und viele mehr bedienten sich willfährig Mozarts und benutzten ihn zu ihrer Legitimation. Gerade in den Jahren nach der Französischen Revolution wurde Mozart sehr politisch interpretiert.“

 

Mozart ein Revolutionär?

 

Am Beispiel des „Don Giovanni“ untersuchte Dr. Fornari genau diesen politischen Gehalt in Mozarts Werk. „1787 ist ein wichtiges Datum, was das Schicksal Don Giovannis betrifft. Es ist in der Musikgeschichte kaum zu finden, dass innerhalb eines einzigen Jahres mindestens drei Theaterstücke, wenn nicht auch mehr, mit der gleichen Handlung vertont wurden. Noch seltener ist zu beobachten, dass eben drei Sujets so tief miteinander verbunden sind, wie die Don-Juan-Opern von Giuseppe Gazzaniga (1743-1818), Francesco Gardi (1760?-ca. 1810) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)“, führte Dr. Fornari aus.

 

Die Andeutungen auf die unruhige politische Zeit im ersten Akt können laut Dr. Fornari kein Zufall sein. Mit den Worten „È aperto a tutti, a tutti quanti, viva la libertà / Hier ist jedermann willkommen. Es lebe die Freiheit“ lädt Don Giovanni alle Gäste ein. Er mache hier keinen unterschied zwischen den verschiedenen sozialen Schichten seiner Gäste, alle seien bei ihm im Sinne der Brüderlichkeit und der großen Freiheit eingeladen. „Eine Art von ‚Liberté, egualité, fraternité, gerade zwei Jahre vor der französischen Revolution“ interpretierte Dr. Fornari. „Obwohl das Werk von Gazzaniga nur einige Monate älter ist als Mozarts Don Giovanni, hat man den Eindruck, dass in der letztgenannten Oper sich eine neue Generation von Denkern darstellt. Persönliche Andeutungen, verborgene Angriffe gegen eine ungerechte Gesellschaft und eine wunderbare Musik bilden die wesentlichen Merkmale dieses Meisterwerks von Mozart, das auch die intellektuelle Fähigkeit des österreichischen Genies bei der Vertiefung und Erarbeitung eines vielseitigen Themas am besten zeigt.

 

Musikalisch umrahmt wurde der Vortrag von Dr. Fornari von Schülern des Landeskonservatoriums Innsbruck: Andrea Erler als Zerline, Markus Kluibenschädel in einer Doppelrolle als Leporello und Don Giovanni, Alexander Ringler am Klavier.

 

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