Über einen Dialog der Religionen zum Weltfrieden

Am Dienstagabend stellte Prof. Helmut Reinalter vom Institut für Geschichte und Ethnologie ein von ihm herausgegebenes Werk mit dem Titel „Projekt Weltethos“ in der Buchhandlung Wiederin vor. Verschiedene namhafte AutorInnen beschäftigen sich darin mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen eine weltumfassende Ethik und damit der Weltfrieden konzipiert und gelebt werden könnte.
Prof. Reinalter erklärt die Idee hinter dem „Projekt Weltethos“
Bild: Prof. Reinalter erklärt die Idee hinter dem „Projekt Weltethos“

Die Buchpräsentation fand unter der Schirmherrschaft des P.E.N Clubs Tirol, des Studienverlags und der Buchhandlung Wiederin statt. Frau Prof. Jutta Höpfel vom P.E.N Club Tirol betonte in ihrer Einführungsrede die Wichtigkeit einer Auseinandersetzung mit dieser Frage, deren Beantwortung „in einer zerrissenen, unruhigen Welt wie ein Strohhalm, an dem man sich festhalten kann,“ wirken kann. Sie betrachtet das neue Buch als eine „Quelle, aus der wir neue Herausforderungen und Chancen für eine neue, bessere Welt schöpfen könnten“.

Auch Prof. Reinalter zeigt sich vom „Projekt Weltethos“ sehr überzeugt. Seiner Meinung nach gibt es zur Zeit nichts vergleichbar Positives auf dem Markt und er wagt vorsichtig die These zu formulieren, dass es ein erster Schritt in Richtung Weltfrieden sein könnte.

 

Erst denken, dann handeln

Im Gegensatz zur „Initiative Weltethos“, die ihren Sitz in Wien hat, geht es beim „Projekt Weltethos“ weniger um eine praktische Anwendung, als vielmehr um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Prof. Reinalter möchte sich mit einem Team aus WissenschaftlerInnen auf die Beantwortung der Grundfragen konzentrieren, da er der Überzeugung ist, dass die praktische Umsetzung einer Idee nur dann sinnvoll ist, wenn „sie durch eine kritische Auseinandersetzung gereift und fundiert ist“.

In dem Werk „Projekt Weltethos. Herausforderungen und Chancen für eine neue Weltpolitik und Weltordnung“ wurden diesbezüglich vier Schwerpunkte gesetzt. Neben einer grundlegenden Vorstellung des Projekts erfolgt auch eine kritische Auseinandersetzung damit. Außerdem wird ein aktueller Bezug hergestellt und zum Abschluss das Problem aus der Sicht der vergleichenden Religionswissenschaften beleuchtet.

 

Moral ist nicht gleich Ethik

Im Zuge seiner Ausführungen zum Thema betonte Prof. Reinalter, dass diesbezüglich zwischen den Begriffen Moral und Ethik unbedingt unterschieden werden müsse. Indem er Ethik als einen Überbegriff für die menschlichen Grundhaltungen und –Werte definiert, weist er darauf hin, dass sie weit über den konfessionellen Moralbegriff hinausreicht. Das hat seiner Meinung nach den Vorteil, dass dadurch ein leichterer, sinnvollerer Dialog zwischen den Weltreligionen stattfinden kann.

Als eine weitere, wichtige Voraussetzung dafür nannte der Historiker auch die Notwendigkeit, sich mit den anderen Religionen intensiv auseinanderzusetzen und somit die Unterschiede im kulturellen und politischen Bereich verstehen zu lernen.

 

Ideologisierung der Religionen als größtes Problem

Die starke Politisierung und Ideologisierung der Religionen gibt Prof. Reinalter allerdings zu bedenken. Er räumte in seinem Vortrag ein, dass das „extrem aggressive Potential aller Religionen“ dem Projekt seine Grenzen aufzeigen könnte, wies aber ausdrücklich auf die Friedensbemühungen der Weltreligionen hin. Trotzdem ist er aber weiterhin persönlich davon überzeugt, dass „der religiöse Dialog zum Weltfrieden führen könnte“.

Im Anschluss an den Vortrag von Prof. Reinalter gab Günther Lieder, der Schauspieler am Tiroler Landestheater ist, eine Leseprobe aus dem Werk zum Besten. Darauf folgte eine angeregte Diskussion, in der vor allem die Frage nach den nötigen Schritten und Voraussetzungen für eine Realisierung des Projekts diskutiert wurde.

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