Was ist der Tiroler Bevölkerung Lawinenschutz wert?

Eine breite Palette an ökonomisch gleichermaßen aktuellen und spannenden Themen aus der theoretischen und empirischen Finanzwissenschaft wurde letzte Woche auf dem 4. Workshop aus Finanzwissenschaft (Veranstalter: Prof. Rupert Sendlhofer und Prof. Engelbert Theurl, beide Institut für Finanzwissenschaft) erörtert.
Andrea Leiter, alpS GmbH Innsbruck
Bild: Andrea Leiter, alpS GmbH Innsbruck

Der Bogen reichte dabei von der Analyse makroökonomischer Effekte von Verschuldungsregeln auf der europäischen und regionalen Ebene, über Fragen der Pensionsharmonisierung, des Verhaltens von Individuen in sozialen Dilemmasituationen, der Arzthaftung, der Wirkung von Immigration auf die Staatsquote und der Prognose von öffentlichen Budgets bis zu Fragen der Straßenfinanzierung in Österreich.

 

Andrea Leiter (alpS GmbH, Innsbruck) berichtete dabei aus einer gemeinsamen Forschungsarbeit mit Gerald Pruckner (Institut für Finanzwissenschaft) über die Zahlungsbereitschaft der Tiroler Bevölkerung für Lawinenschutz. Diese Frage ist angesichts der intensiven Nutzung der alpinen Winterlandschaft für die politischen Entscheidungsträger in Tirol von erheblicher Bedeutung. Als Forschungsmethode wurde dabei die kontingente Bewertungsmethode (Contingent Valuation Method) angewandt, ein Verfahren, das immer dann angezeigt ist, wenn für Güter und Leistungen auf Grund ihrer Charakteristik (z. B öffentliche Güter) keine Marktpreise existieren. Basis dieser Studie war eine repräsentative Befragung, die in zwei Wellen im Herbst 2004 und im Winter 2005 in Tirol stattgefunden hat. Die Studie kommt zum Schluss, dass die Zahlungsbereitschaft für Lawinenschutz in der Bevölkerung stark streut. Wird z.B. eine Lawinenbedrohung als anthropogen verursacht angesehen, dann sind die Leute bereit, mehr dafür zu bezahlen, als wenn die Lawine als ein natürliches Ereignis angesehen wird. Frauen äußern eine höhere Zahlungsbereitschaft als Männer. Das Alter und die Bildung zeigen einen negativen Einfluss auf. Die Zahlungsbereitschaft für die Verringerung des Lawinenrisikos steigt mit zunehmender Risikowahrnehmung. Überraschend ist, dass die Beitragsbereitschaft im Winter kleiner als im Herbst ist, was durch die geforderte Selbstverantwortung bei Wahl des Risikoniveaus erklärt werden kann.

 

Aus den jährlichen Zahlungsbereitschaften der Befragten für eine bestimmte Risikoverringerung lässt sich der Nutzen aus einer Verhinderung eines Todesfalles monetär bewerten. In der Tiroler Studie wird für die Verhinderung eines tödlichen Lawinenunfalls – abhängig von den individuellen und risikospezifischen Charakteristiken - ein Wert zwischen 1,8 und 5,2 Millionen Euro ermittelt.

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