Bischöfe an der Sowi

Eine Buchpräsentation mit hohem „Bischofsfaktor“ fand am 6. Dezember im Gebäude der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten statt.
Buchcover
Bild: Buchcover

Das Ereignis fand am Namenstag des Heiligen Nikolaus statt, dessen Insignie der Bischofsstab ist. Das präsentierte Buch widmet sich der Person des „roten“ Bischofs Paulus Rusch, der bis 1980 die Diözese Innsbruck leitete. Und zudem sprachen Ruschs unmittelbare Nachfolger, der Altbischof Reinhold Stecher, und der aktuelle Amtsinhaber, Bischof Manfred Scheuer, Worte zum Buch.

 

Ein interdisziplinäres Buch

„Der rote Bischof“ von Helmut Alexander ist Band 16 der Reihe „Geschichte & Ökonomie“, die im Studienverlag erscheint. Das Buch ist daher eine wahrhaft interdisziplinäre Produktion der LFU, stammt doch der vor allem sozialgeschichtlich beleuchtete Inhalt aus dem theologischen Bereich, der Autor kommt von der historisch-philosophischen Fakultät und der Herausgeber der Reihe, Josef Nussbaumer, von der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik. Wohl nicht zuletzt deswegen konnten im zahlreich erschienen Publikum auch mehrere Dekane der LFU gesichtet werden.

 

Zum Werk

Der Innsbrucker Langzeitbischof Paul Rusch (1903-1986) leitete von 1938 bis 1980 die Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch bzw. die Diözese Innsbruck und prägte in dieser Zeit wie kaum ein anderer das kirchliche und gesellschaftliche Leben in Tirol. Der Autor schildert in seinem Buch ausführlich den familiären Hintergrund und den schulisch-beruflichen Werdegang Paul Ruschs bis zur Bischofsweihe, betrachtet eingehend die ersten Jahre seiner bischöflichen Amtszeit, insbesondere auch während der NS-Diktatur, setzt sich mit seinen Reflexionen über die Arbeiterfrage auseinander und beleuchtet sein sozialpolitisches Engagement sowie seine gesellschafts- und kulturkritischen Positionen. Hierbei werden Ruschs eigene Überlegungen, Einschätzungen, Handlungsweisen und die von ihm getroffenen Maßnahmen in den Vordergrund gerückt, ohne freilich die Perspektiven anderer Akteure oder solche von Betroffenen außer Acht zu lassen. Dies gilt vor allem für einige kontroversielle Auseinandersetzungen, wie etwa die Differenzen mit der Katholischen Hochschulgemeinde in Innsbruck, die „Causa Kripp“ oder den „Fall Schupp“, in denen das bischöfliche Konfliktmanagement auch außerhalb der Diözesangrenzen große Aufmerksamkeit erfuhr.

Paul Rusch war nicht unumstritten, kein pflegeleichter Zeitgenosse – einer, der uneingeschränkte Zustimmung ebenso erhielt wie heftigste Widersprüche erntete. Dafür gibt es viele Gründe, von denen eine ganze Reihe ausführlich dargelegt werden. Ergänzt werden die biographischen Ausführungen von einer Sammlung statistischer Chiffren zum Tiroler Kirchengebiet, die von Andreas Exenberger und Josef Nussbaumer zusammengestellt und kommentiert wurden.

 

Für einen guten Zweck

Aufgrund des großen Andrangs musste die Präsentation kurzfristig in die Aula verlegt werden. Die Veranstaltung war aber auch im Hinblick auf eine vorweihnachtliche Spendenaktion ein voller Erfolg, die zugleich den letzten bischöflichen Mosaikstein liefert. Spontan kamen insgesamt 1.500 Euro zugunsten von Bischof Erwin Kräutler (Xingu, Brasilien) zusammen, der Ehrendoktor der LFU Innsbruck ist. Der Studienverlag hat sich zudem bereit erklärt, einen Euro pro verkauftem Buch als Spende an Bischof Kräutler abzugeben. Allen Spenderinnen und Spendern sei auf diesem Wege herzlich gedankt!