Bildung ist nicht die Vorbereitung auf das Leben, sondern das Leben selbst!

Fortschritt und Wachstum bestimmten über die letzten Jahrzehnte die Orientierung unserer Gesellschaft. Die damit zusammenhängende rasante Wissensvermehrung und die beschleunigte Halbwertszeit verwertbaren Wissens lassen nach der Nachhaltigkeit von Bildung und Lernen fragen.
Rektor Manfried Gantner (li.) und Prof. Heidi Möller (re.), Dekanin der Fakultät für Bildungswissenschaften, bei der Antrittsvorlesung von Prof. Lynne Chisholm (mi.) im Rahmen der Innsbrucker Bildungstage.
Bild: Rektor Manfried Gantner (li.) und Prof. Heidi Möller (re.), Dekanin der Fakultät für Bildungswissenschaften, bei der Antrittsvorlesung von Prof. Lynne Chisholm (mi.) im Rahmen der Innsbrucker Bildungstage.

Antworten gaben am vergangenen Donnerstag und Freitag, 17. und 18. November, ExpertenInnen im Rahmen der ersten Innsbrucker Bildungstage. Prof. Heidi Möller, Dekanin der Fakultät für Bildungswissenschaften an der LFU: „Die aktuelle Lernkultur ist ausgerichtet auf Qualifikation, Wettbewerb und Leistungssteigerung und an ökonomischen Zielsetzungen orientiert. Tatsächlich aber bedeutet Bildung vielmehr, nämlich auch die Fähigkeit zur Selbstregulierung, zum Erkennen von Zusammenhängen, zum Begreifen von Lebensbedingungen und deren Verbesserung durch solidarisches Handeln“.

 

Grundtenor der Bildungstage war das Zusammenspiel von Wirtschaft, öffentlicher und privater Hand in Sachen Bildung. Die Forderungen an den Staat und den Arbeitgeber dürfen die Eigenverantwortung nicht gänzlich aufheben, so eine Kernaussage der ReferentInnen. Neben der fachlichen Ausbildung haben Bildung und Erziehung ihren Beitrag zu leisten, epochale gesellschaftliche Schlüsselprobleme zu lösen: Sicherstellung des Friedens auf gesellschaftlicher, politischer und individueller Ebene; Abbau gesellschaftlicher Ungleichheiten, etwa zwischen den Geschlechtern oder hoch industrialisierten und wenig entwickelten Ländern; positive Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen, das Erleben von Subjektivität und das Erfüllen sozialer Verantwortung. Dazu brauche es die oben genannten Rahmenbedingungen. „Studierende der LFU sollten schon während ihrer Fachausbildung durch Angebote für HörerInnen aller Fakultäten auf das Lebensbegleitende Lernen vorbereitet werden“, so Dekanin Prof. Möller.

 

Menschen stärken und Sachenverhalte klären

 

„Einige unserer Studierenden werden nicht in dem Fach beruflich tätig werden können, das sie erlernt haben“, so Rektor Gantner. „Ein Studium ist aber neben der fundierten Weiterbildung nach der Mittelschule auch ein wichtiger Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Universitäre Ausbildung unterstützt die Entwicklung zu einem mündigen Menschen, der in der Lage ist, selbst Entscheidungen zu treffen, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen, die Welt zu hinterfragen und Zivilcourage zu zeigen.“

 

Im Oktober 2004 wurde an der LFU die Fakultät für Bildungswissenschaften errichtet. Im Zuge der Eröffnung der Fakultät veranstalteten die ihr zugehörigen Institute (Inst. f. Erziehungswissenschaften, Inst. f. Kommunikation im Berufsleben und Psychotherapie, Inst. f. LehrerInnenbildung und Schulforschung) am 17. und 18. November 2005 die „1. Innsbrucker Bildungstage“ unter dem Motto „Bildung schafft Zukunft“. In Vorträgen und Arbeitsgruppen präsentierten die drei Institute sowie Gastredner aktuelle Erkenntnisse aus ihrer Wissenschaftswerkstätte und luden zum öffentlichen Diskurs über die Zukunft von Bildung.