SchülerInnen erforschen die Rottenburg

Im Rahmen eines vom BMWF geförderten „Sparkling Science“ Projektes arbeiten 23 SchülerInnen des Realgymnasiums Schwaz, deren Lehrer sowie fünf ForscherInnen der Universitäten Innsbruck und Salzburg daran, die einstmals bedeutende „Rottenburg“ bei Rotholz näher zu erforschen.
23 SchülerInnen des Realgymnasiums Schwaz erforschen gemeinsam mit WissenschaftlerInnen die Rottenburg.
Bild: 23 SchülerInnen des Realgymnasiums Schwaz erforschen gemeinsam mit WissenschaftlerInnen die Rottenburg

Trotz der ehemals immensen Bedeutung dieser Burg existieren bislang nur spärliche Erkenntnisse über die Burg selbst, deren Bewohner und deren Bedeutung. „Im Rahmen dieses interdisziplinären Projektes arbeiten Fachleute aus den wissenschaftlichen Disziplinen Geschichte, Geologie, Baugeschichte und Geophysik zusammen, um mittels eines interdisziplinären Ansatzes neue Erkenntnisse über die Rottenburg zu erarbeiten“, erklärt Projektleiter MMag.Dr. Michael Unterwurzacher vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck.

Eine Ruine erzählt

Die Ruine der Rottenburg bei Rotholz thront noch heute über dem Tiroler Unterinntal. Hier lebte einst das mächtige Tiroler Adelsgeschlecht der Rottenburger. Die Burg war deren Stammsitz und zugleich auch Gerichtssitz und wurde vermutlich bereits im 12. Jahrhundert erbaut. An einem bedeutenden strategischen Punkt gelegen, wurde sie als Befestigungsanlage genützt. Als sich 1410 die Rottenburger und große Teile des Tiroler Adels gegen den Landesherren Friedrich IV. erhoben, stand die Rottenburg im Zentrum der Gefechte. Friedrich IV. war in der Übermacht und wurde neuer Herrscher über die Rottenburg. Ein Umbau erfolgte 1460, bis 1594 blieb die Rottenburg Gerichtssitz, dann setzte der Verfall ein.

Die Forschungsfragen und Forschungsmethoden

Im Rahen des Sparkling Science – Projektes zur Rottenburg gehen die SchülerInnen gemeinsam mit den Wissenschaftler den Fragen nach, wie eine Festungsanlage im Tirol des Mittelalters konzipiert war, welche schriftlichen Quellen sich noch finden lassen und aus welchen Material die Festung errichtet wurde. Zudem interessiert die Projektgruppe die Baugeschichte der Burg und die Verknüpfung dieser mit historischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

 

Nach einer Einführung in die einzelnen beteiligten Forschungsdisziplinen fanden mehrere Geländebegehungen statt, in denen die WissenschaftlerInnen ihren KollegInnen sowie den SchülerInnen die Arbeitsweisen erläuterten. Gemeinsam wurden geologische, historische und geophysikalische Untersuchungen in Theorie und Praxis durchgeführt, erste Ergebnisse ausgewertet und erklärt. „So wurden die SchülerInnen in das Auffinden und Arbeiten mit historischen Quellen eingeführt und erarbeiteten einen Fragebogen zur Bekanntheit der Rottenburg. Mittels dieses Fragebogens wurden Interviews durchgeführt und die Ergebnisse ausgewertet“, beschreibt Unterwurzacher. Die SchülerInnen führten auch Kartierungen von Mauerabschnitten der Ruine durch und legten selbst Hand an bei geophysikalischen Messungen wie Hammerschlagseismik und Georadar. Weiters erfolgte bereits eine geologische Kartierung der Umgebung der Ruine, um die Herkunft des Baumateriales zu bestimmen sowie historische Quellenarbeit. Erste Ergebnisse der Untersuchungen konnten bereits gemeinsam mit drei anderen Sparkling Science - Projekten an der Uni Innsbruck am 21. April im Brennerarchiv von SchülerInnen und WissenschafterInnen präsentiert.

In den folgenden Monaten erfolgen weitere geologische Arbeiten an den Burgmauern, die bauhistorische Bearbeitung der gewählten Mauerabschnitte sowie die Auswertung der durchgeführten geophysikalischen Messungen, eine Fortsetzung der Messungen ist für den Herbst geplant. Im Herbst /Winter sind dann eine detaillierte Auswertung, Synthese der Ergebnisse und ein Zusammenführen der Erkenntnisse in digitalen Karten und die Erstellung eines Burgmodelles geplant.

Sparkling Science - Projekt

Das Forschungsprojekt „ Rottenburg“ startete am 01.11.2009 und ist auf 18 Monate angesetzt. Gefördert wird das Projekt im Rahmen der Projektschiene „Sparkling Science des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung. Die Projektleitung hat MMag. Dr. Michael Unterwurzacher (Universität Innsbruck, Institut für Archäologien,) über. Wissenschaftliche Kooperationspartner sind DI Sonja Mitterer (Büro für Bauforschung), Mag. Michael Fritz (Verein fontes historiae, Quellen der Geschichte), Dr. Florian Bleibinhaus (Universität Salzburg, Fachbereich Geographie und Geologie, Arbeitsgruppe Geologie). Als Schulpartner ist das Realgymnasium Schwaz (Lehrer Dr. Ferdinand Haslinger) beteiligt.

Schüler machen Wissenschaft

Das BMWF fördert in dem Programm Sparkling Science Projekte, in denen Schülerinnen und Schüler aktiv in den Forschungsprozess einbezogen werden. Die Vision der Initiative ist der Abbau struktureller Barrieren zwischen Bildungs- und Wissenschaftssystem in Österreich.

(ip)

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