Cerro Armazones wird Standort des größten optischen Teleskops der Welt

Am 26. April wählte das ESO-Council den Standort des geplanten 42m-Teleskops, dem European Extremely Large Telescope (E-ELT) aus. Das E-ELT wird sich einigen der drängendsten offenen Fragen der aktuellen astronomischen Forschung widmen. Innsbrucker Astro- und Teilchenphysiker sind mit Modellrechnungen am Projekt beteiligt.
Das ESO-Council entschied sich für den Cerro Armazones als Standort für das European Extremely Large Telescope (E-ELT)
Bild: Das ESO-Council entschied sich für den Cerro Armazones als Standort für das European Extremely Large Telescope (Foto: ESO/S. Brunier)

 

Das Council der Europäischen Südsternwarte entschied sich für den Cerro Armazones als Standort für das European Extremely Large Telescope (E-ELT). Der Cerro Armazones ist ein 3060 Meter hoher Berg in der chilenischen Atacamawüste, rund 130 Kilometer südlich der Stadt Antofagasta. Der vorgesehene Standort ist 20 Kilometer vom Cerro Paranal entfernt, wo sich bereits das Very Large Telescope (VLT) der ESO befindet. Das gigantische 42 Meter große E-ELT Teleskop soll 2018 seinen wissenschaftlichen Beobachtungsbetrieb aufnehmen. Die Auswahl des optimalen Standorts war ein entscheidender Schritt für die weiteren technischen Planungen.

 

Modellrechnungen anpassen

 

„Das European Extremely Large Telescope ist der nächste Schritt in die Zukunft und könnte unser Bild des Universums auf ähnlich drastische Weise verändern wie Galilei`s Teleskop vor 400 Jahren. Die optische lichtsammelnde Fläche des Hauptspiegels ist etwa gleich groß wie die Grundfläche des Victor-Franz-Hess Hauses, in dem unser Institut untergebracht ist“, zeigt sich Prof. Stefan Kimeswenger vom Institut für Astro- und Teilchenphysik der Uni Innsbruck begeistert. Gemeinsam mit seinem Team arbeitet er an Modellrechnungen des Himmelshintergrundes, die für die Auswertung der mit dem Teleskop gewonnenen Daten benötigt werden.

Dieser Hintergrund ist vergleichbar mit Nebengeräuschen in der Akustik und besteht aus mehreren Komponenten. Neben Mondlicht, Zodiakallicht und der Wärmestrahlung des Teleskops selbst ist es vor allem die Erdatmosphäre, die das Licht astronomischer Objekte verfälscht. „Die Gase der Atmosphäre unserer Erde verändern die ankommende Strahlung kosmischer Objekte und wirken dabei wie Filter. Erst eine genaue Berechnung dieser Veränderungen mit Hilfe numerischer Modelle – sogenannten Strahlungstransportsimulationen – ermöglicht die Berücksichtigung dieser Einflüsse und somit die optimale Planung, Durchführung und Kalibrierung der gewonnenen Daten“, erklärt Kimeswenger. Dazu bedarf es neben den Modellen der Luftschichtung in Druck, Temperatur und Windströmung über dem Teleskop eines genauen Verständnisses der physikalischen und chemischen Vorgänge. „Die Standortentscheidung erlaubt nun diese Modelle genau an die lokalen meteorologischen Gegebenheiten anzupassen“, so der Astrophysiker.

 

Tiefe Blicke in die Weiten des Weltalls

 

Die ESO wurde 1962 gegründet und hat sich zur weltweit führenden zwischenstaatlichen Astronomie-Organisation entwickelt. Österreich trat nach langen Verhandlungen 2008 dieser Organisation bei. Sie betreibt modernste Geräte, etwa das aus vier acht Meter großen Spiegelteleskopen bestehende Very Large Telescope (VLT) sowie zahlreiche andere Teleskope samt zumeist hoch komplexer Zusatzinstrumente.

 

Schritt in die Zukunft

 

Die Wahl des Teleskopstandorts lag in den Händen von Delegierten der 14 Mitgliedsländer der ESO, die das so genannten “Council” bilden – das Leitungsgremium der Europäischen Südsternwarte. Der Entscheidung liegt eine mehrjährige Vergleichsstudie der Wetterverhältnisse verschiedener möglicher hoher und trockener Standorte weltweit in Spanien, Marokko, Argentinien und Chile zugrunde. Bei der Auswahl spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Am wichtigsten sind die Anzahl der klaren Nächte pro Jahr, der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre und die “Stabilität” der Luft über dem Beobachtungsort – das so genannte “Seeing”, das mit dem Flackern der Luft über einer heißen Straße vergleichbar ist. Allerdings spielen auch die Bau- und Betriebskosten eine Rolle.

(ip/sr)