Internationale Sicherheitsforschung in Innsbruck

Die International Security Research Group am Institut für Politikwissenschaft der Uni Innsbruck deckt mit vier verschiedenen Themenbereichen zentrale Aspekte der Sicherheitsforschung ab. Kürzlich leisteten die WissenschaftlerInnen der Forschungsgruppe mit einer Konferenz über globale und regionale Auswirkungen der Raketenabwehr einen internationalen Beitrag in diesem Forschungsgebiet.
Start einer  SM-3 Abfangrakete, die jetzt in/um Europa stationiert werden sollen.
Bild: Start einer SM-3 Abfangrakete, die jetzt in/um Europa stationiert werden sollen.

„In Bezug auf Sicherheitsforschung ist unsere Forschungsgruppe einer  der ersten Ansprechpartner in Österreich“, erklärt Dr. Martin Senn, der sich innerhalb der Forschungsgruppe mit dem Bereich nuklearer Rüstung und Rüstungskontrolle beschäftigt. „Wir haben im Gebiet Internationale Politik den Fokus auf die Sicherheitsforschung gelegt und können damit österreichweit ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen“, so Senn. Neben der Rüstungskontrolle stehen die Themen Terrorismusforschung und USA-Außenpolitik (Dr. Franz Eder),  Energiesicherheit im Öl- und Gassektor (Prof. Gerhard Mangott) sowie Friedens- und Konfliktforschung (Dr. Carola Bielfeldt) im Zentrum des Interesses der Forschungsgruppe.

 

Junge  Forschungsgruppe

Gegründet wurde die International Security Research Group (ISRG) am Institut für Politikwissenschaft Ende 2005. Das Auftakt-Projekt der Gruppe stellte die Ausrichtung der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft (ÖGPW) zum Thema Transatlantische Beziehungen dar. 2007 organisierte die Forschungsgruppe eine Konferenz zum Thema Terrorismus, zu der in der Folge auch ein Sammelband erschienen ist.

 

Aktueller Beitrag

Das letzte große Projekt stellt die kürzlich an der Diplomatischen Akademie in Wien organisierte Konferenz zur Raketenabwehr dar. „Bei dieser von uns organisierten Konferenz tauschten sich führende internationale Experten zu globalen und regionalen Auswirkungen der Raketenabwehr aus“, so Martin Senn. Dieses Thema sei, so der Politikwissenschafter, vor allem im Hinblick auf die neue Nuklearstrategie der USA von besonderer Aktualität. „In diesem Forschungsbereich gibt es grundsätzlich zwei Lager, die die Auswirkungen der Raketenabwehr unterschiedlich bewerten“, erklärt Senn. „Neben stabilisierenden Effekten, die von Befürwortern der Raketenabwehr eingeräumt werden, befürchten Skeptiker eher destabilisierende Auswirkungen wie Rüstungsdynamiken.“ Die Panels der Tagung beschäftigten sich mit den jüngsten Entwicklungen in den amerikanischen, europäischen, chinesischen und russischen Raketenabwehrprogrammen und möglichen Auswirkungen der Raketenabwehrpläne auf den Abrüstungsprozess im Bereich nuklearer Offensivwaffen. Weitere Schwerpunkte lagen auf mit Raketenabwehrprogrammen in Ostasien und dem Mittleren Osten. Im Panel zum Mittleren Osten wurden neben Aspekten der Raketenabwehr ebenfalls Optionen für den Umgang mit den iranischen Nuklear- und Raketenprogrammen äußerst kontrovers diskutiert. Abgerundet wurde die Veranstaltung von Dr. Martin Senn, der in seiner Abschlussrede auf das Verhältnis zwischen Raketenabwehr und dem Ziel einer Nuklearwaffen-freien Welt einging, das in den vergangenen Monaten wieder zu einem Kernthema in der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik avancierte.

 

Großes Interesse

„Das mediale Interesse und die beachtliche Zahl an TeilnehmerInnen zeigen, dass die Themen Raketenabwehr und nukleare Rüstung von großem öffentlichen Interesse sind und es uns gelungen ist, ein Gruppe von äußerst renommierten Wissenschaftern für unsere Konferenz zu gewinnen. Wir werden in der nächsten Zeit mit weiteren Projekten zur wissenschaftlichen und öffentlichen Debatte über diese Themen beitragen. Einer der nächsten Schritte wird ein Sammelband zum Thema der Konferenz sein“, so Martin Senn nach dem Abschluss der Veranstaltung.

 (sr)