Treibhausgasbilanz: Innsbrucker Wissenschaftler liefern wichtige Daten

Mit über 40 europäischen Partnern wird das Institut für Ökologie in dem im Jänner gestarteten Projekt Greenhouse Gas Europe die europäische Treibhausgasbilanz erstellen. Dabei werden neben Änderungen der Landnutzung auch die Bedeutung von Klimaänderungen und die zu erwartende Zunahme von Klimaextremen berücksichtigt, die im EU-Projekt Carbo-Extreme detailliert analysiert werden.
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Bild: Unter Zelten simulieren die Innsbrucker Ökologen Dürrephasen.

Der Ökologe Michael Bahn ist wissenschaftlicher Koordinator der Innsbrucker Beiträge zu den beiden EU-Projekten. Sein spezielles Forschungsinteresse gilt den Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und dem Boden, der die weltweit größte Quelle an Kohlendioxid darstellt. Im Rahmen des Projekts Carbo-Extreme wird in Experimenten auf einer Bergwiese die Auswirkung von Sommerdürre auf die Koppelung zwischen Pflanzenaktivität und Bodenkohlendioxidemissionen untersucht. „Um Dürrephasen zu simulieren, haben wir Zelte aufgestellt, in denen wir über die Pflanzen dem Boden markiertes Kohlendioxid zuführen“, erklärt Bahn. „Mittels eines Isotopenlasers können wir den Weg des Kohlenstoffs im Ökosystem nachverfolgen und Rückschlüsse auf Auswirkungen von Dürre auf die Kohlenstoffdynamik ziehen.“

Interdisziplinärer Ansatz

Im Vorfeld der Klimakonferenz in Kopenhagen wurde im vergangenen Herbst im Informationsdienst ‚Science Watch’ neben “erhöhtem atmosphärischen Kohlendioxid“ auch der “Bodenkohlenstoff“ als Topthema im Fachbereich Umwelt/Ökologie ausgewiesen. Die Frage der Zukunft, die es für Michael Bahn im Bezug auf Treibhausgase zu beantworten gilt, ist: Was ist entscheidend dafür, ob und wie Kohlenstoff im Boden gespeichert wird? Um diese Frage beantworten zu können, ist laut Bahn ein integrativer Ansatz nötig. „Verschiedene Disziplinen müssen zusammenarbeiten, um alle Facetten dieses komplexen Systems zu verstehen“, sagt der Ökologe.

Grundlagen

Einen ersten Ansatz zu dieser interdisziplinären Zusammenarbeit leistete Michael Bahn bereits in einem gemeinsam mit zwei Kollegen vom Max-Planck-Institut und der Universität York herausgegebenen Buch, das einen Bogen über alle Aspekte der Kohlenstoffdynamik in Böden spannt. „In diesem Buch haben wir versucht, alle zentralen Aspekte zum Thema Kohlenstoffkreislauf im Boden zusammenzufassen. Führende Wissenschaftler aus allen relevanten Disziplinen haben systematisch den Wissensstand zusammengetragen und die aktuellen wissenschaftlichen Perspektiven formuliert“, so Bahn. „Das Buch stellt einen Überblick dar, der die Grundlage für weitere Schritte in der Erforschung dieses Bereichs darstellt“. Erschienen ist das Buch „Soil Carbon Dynamics“ im renommierten Cambridge Verlag.

(sr)

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